Mittwoch, 12. November 2014

DICTE - Neue dänische Krimi-Serie in ZDFneo

© ZDF und Per Arnesen
TV-Hinweis / TV-Kritik von Petra Weber 

Nach hervorragenden, spannenden Krimi-Serien aus Dänemark (z.B. Protectors / Transit - Die Brücke / Nordlicht Mörder ohne Reue / Das Verbrechen - Kommissarin Lund) sind die Erwartungen an die neue fünfteilige in Dänemark sehr erfolgreiche Serie DICTE, die am Samstag (15.11.14) um 21.45 Uhr auf ZDFneo startet, natürlich entsprechend hoch.

Leider kann DICTE, basierend auf den Romanvorlagen von Elsebeth Egholm, mit den vorgenannten Produktionen nicht mithalten. Dabei ist die Hintergrundhandlung der Serie durchaus interessant.

Dicte Svendsen (Iben Hjejle) kommt als Kriminal-Reporterin für das "Tageblatt" ins dänischen Aarhus zurück. Sie hatte die Stadt, in der sie ihre Kindheit und Jugend bei ihren Eltern, Zeugen Jehovas, verbracht hatte, vor vielen Jahren verlassen, weil man sie als Sechzehnjährige gezwungen hatte, ihr Baby zur Adoption freizugeben. 

Nach ihrer Trennung ist sie nun wieder mit ihrer ehelich geboren Tochter Rose ( in Aarhus und versucht gegen den Widerstand ihrer Eltern, die als religiöse Fanatiker nicht mal mit ihr reden dürfen, ihr erstgeborenes Kind zu finden.

Bis hierhin klingt es wirklich nach einer spannenden Geschichte, doch der sich dann entwickelnde aktuelle erste Fall BLUTZOLL ist nur noch eine Anhäufung von Zufällen.

Zufällig muss Dicte bei einem Einsatz für ihre Zeitung (im Freien) zur Toilette, zufällig stößt sie dabei auf eine bosnische Frauen-Leiche, die nach einem Kaiserschnitt verblutet ist, zufällig erscheinen ihre Tochter und deren neuer (zufällig bosnischer) Freund auch am Tatort. Zufällig ist dieser wegen Vergewaltigung vorbestraft und arbeitete -wie es der Zufall will- nebenbei in einer Pizzeria von der Dicte zufällig erfährt, dass sie auch Drogen vertickt. Zufällig findet man dort dann eine Babyleiche. Auf der Suche nach weiteren bosnischen Schwangeren muss Dicte wieder mal zufällig zur Toilette und trifft dort -ja, man ahnt es- zufällig auf eine schwangere Bosnierin, die natürlich zufällig mit der Toten bekannt war und, und, und....

Dabei tut Dicte so ziemlich alles (auch gerne Ungesetzliches), um ihrem neuen Chef, der  nicht davon begeistert ist, eine gute Story zu beschaffen. Sie schreckt auch nicht davor zurück, einem netten Kollegen mit einem Trick Fotos zu stehlen, nur um sich selbst Vorteile zu verschaffen. 

Ihr Gegenspieler bei der hiesigen Polizei, Chefermittler John Wagner (Lars Brygmann), stolpert durch die Handlung mehr oder weniger immer einen Schritt hinter Dicte her.

Grundthema aller 5 Folgen in div. Variationen: "Mütter"

Fazit:
Alles in allem ist DICTE eine vom Zufall getriebene Krimi-Serie mit einer unsympathischen Protagonistin ohne echten Gegenspieler, der ihr Kontra geben könnte. Das wäre nicht weiter tragisch, es gibt auch spannende Serien mit Protagonisten fragwürdigen Charakters, aber DICTE ist leider einfach nicht spannend.

Dass die schauspielerische Leistung genauso mittelmäßig wie die Dialogregie ist, geht dabei fast unter, denn irgendwann interessiert es einen nicht mehr, welcher erneute Zufall die schlecht konstruierte Handlung nun wieder mal weiterbringt.

Wirklich nervtötend ist allerdings die idiotische Kameraführung. Andauernde hektische, wie amateurhaft aus der Hand gefilmte Szenen, wackeln so sehr hin und her, dass man den Kameramann schütteln möchte, er möge endlich mit dem Quatsch aufhören.

NACHTRAG vom 23.11.14
Nachdem die erste Episode schwächelte, nimmt die Serie mit der zweiten Sendung mehr Tempo und Spannung auf und die Charaktere bekommen endlich das Profil, das man ihnen schon zu Beginn gewünscht hätte. Wagner bleibt zwar blass, aber wenn sich die Serie weiter steigern kann, wäre das erfreulich.

NACHTRAG vom 20.12.14
Die Serie hat sich zu ordentlicher Skandinavien-Krimi-Kost entwickelt. Dicte als Protagonistin nimmt deutlichere Konturen an und selbst Kommissar Wagner gewinnt inzwischen mit seiner liebenswert schüchternen Art. Da auch Drehbücher und Kameraführung inzwischen "mitspielen" kann man DICTE als unterhaltsamen Fernseh-Krimi genießen auch wenn die Fälle mit anderen dänischen Produktionen wie PROTECTORS oder KOMMISSARIN LUND noch nicht mithalten können. Schade, dass man ihr keinen gescheiteren Einstieg verschafft hatte.

Buch: Dorthe Warnø Høgh, Ida Maria Rydén nach Romanvorlagen von Elsebeth Egholm

Regie: Jannik Johannssen, Kasper Barfoed, Charlotte Sachs Bostrup
Produktion: Miso Film
Redaktion: Jutta Hessel (ZDFneo)
Stephan Wiesehöfer (ZDF)

Länge jeweils 90 Minuten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.