Montag, 27. Oktober 2014

MÖRDERHUS - Neue herausragende USEDOM-Krimi-Reihe mit Katrin Sass in der ARD

© NDR/Christiane Pausch
TV-Tipp / TV-Kritik von Petra Weber
NACHTRAG:
Die nächste Folge SCHANDFLECK  wurde am  29.10.15 erstausgestrahlt.


MÖRDERHUS ist der sehr verheißungsvolle Auftakt einer neuen Krimi-Reihe in der ARD, deren Geschichten auf der Ostsee-Insel Usedom spielen.

Die Start-Episode wird am Donnerstag (30.10.14) um 20:15 in der ARD ausgestrahlt. Wiederholung 00:20 Uhr.

Julia Thiel (Lisa Maria Potthoff), Kriminalhauptkommissarin auf Usedom hat es nicht leicht. Ihre Mutter Karin Lossow (Katrin Sass), ehemalige Staatsanwältin, ist eine verurteilte Mörderin.

Nach Verbüßung ihrer Hafstrafe kehrt sie -anders als von Julia erhofft- in ihr Haus auf Usedom zurück. Das Haus, in dem sie Jahre zuvor ihren Mann, Julias Vater, erschossen hat und das sich zwischenzeitlich zur touristischen Attraktion der Insel als MÖRDERHUS entwickelt hat.

Während Karin Lossow versucht, ihr Leben neu zu ordnen geschieht ein Mord auf Usedom. Ein gelähmter junger Mann, Thomas Krenzlin, ertrinkt. In seinem Rollstuhl wurde er von einem Steg ins Meer gekippt. Tragisch, dass seine Schwester Anke und der polnische Pfleger Janek, dem er anvertraut war, just zu dieser Zeit ein Schäferstündchen in seiner unmittelbaren Nähe hatten.

Die Trauer der Insulaner hält sich in Grenzen. Schließlich war der Ertrunkene Schuld am Tod zweier Mädchen. Ein Autounfall unter Alkoholeinfluß hatte sie das Leben und ihn seine Bewegungsfähigkeit gekostet.

Hat etwa einer von ihnen den Rollstuhl in Meer gestoßen? Oder vielleicht die Schwester und ihr angefeindeter polnischer Freund?

Katrin Sass spielt die geheimnisvolle Mörderin, die in ihrem ersten Leben einmal auf der "richtigen Seite" des Gesetzes stand, brillant. Ihre Dialoge sind so kurz wie glaubhaft und damit sehr ungewöhnlich für deutsche Krimis. Jede Sekunde nimmt man ihr die ausgestoßene und jetzt begaffte Insulanerin mit Geheimnis ab. 

Es sind Charakter-Frauen (und Schauspielerinnen), die diesen Film tragen: Karin, ihre Tochter Julia, Enkelin Sophie, aber auch die Schwester des Opfers, Anke, sie alle sind Frauen mit eigener Meinung und mehr oder weniger großen Geheimnissen und sie alle haben nicht nur positive Seiten, sondern durchaus auch mal unsympathische Züge und Fehler. 

Auch Usedom wird in MÖDERHUS nicht von seiner "Sonnenseite" gezeigt. Der Film wurde entsprechend fotografisch kühl im Winter gedreht und gibt sehr schön die Inselathmosphäre abseits der typischen urlaubsttouristischen Sommer-Strand-Impressionen wieder. Dazu gibt es noch einen kleinen Blick rüber nach Polen. Alles stimmig unterlegt mit Musik des erfahrenenen Londoner Komponisten Collin Towns.

Serienübergreifend entspinnt sich ein feiner Handlungsfaden im Hintergrund, der mit dem Mord an Julias Vater zu tun hat. Hier werden, durch Perspektivenwechsel in der Rückschau, raffiniert Rätsel gelegt, die aber nicht völlig aufgeklärt werden, so dass zum Filmende die Neugierde auf weitere Folgen stetig wächst.

Fazit:

MÖRDERHUS unbedingt ansehen!!! Katrin Sass' Spielfreude ist eine Wonne. Ungewöhnliche, realistische Charaktere, zwei stimmige Handlungsebenen, treffsichere Dialoge, das gelegentliche Einflechten gesellschaftspolitischer Themen ohne Zeigefinger oder Moralanspruch und eine spannende, menschlich mitnehmende Handlung mit Wendungen machen süchtig nach mehr, viel mehr. Krimis dieser Qualität möchte man gerne öfter im deutschen Fernsehen sehen.

Der nächste Usedom-Krimi  mit dem Titel SCHANDFLECK wird am 29.10.15 im Ersten der ARD ausgestrahlt.

Personen:
Karin Lossow -  Katrin Sass
Julia Thiel -  Lisa Maria Potthoff
Stefan Thiel - Peter Schneider
Sophie Thiel - Emma Bading
Heiner Krenzlin - Dirk Borchardt
Anke Krenzlin - Mathilde Bundschuh
Dr. Brunner - Max Hopp
Marek Wozniak - Marcin Dorocinski
Holm Brendel - Rainer Sellien
Thomas Krenzlin - Merlin-Victor Faaß
Janek Juskowiak - Mateusz Dopieralski
Till Braydon - Aaron Altaras
Victor Braydon - John Keogh
Philipp Kraft - Tobias Oertel
Annegret Malow - Ramona Kunze-Libnow
Birgit Plewka Teresa Harder
und andere

Musik: Colin Towns
Kamera: Philipp Sichler
Buch: Scarlett Kleint, Michael Illner und Alfred Roesler-Kleint
Regie: Andreas Herzog

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