Dienstag, 2. September 2014

MYSTERY GIRL - Parodie auf den klassischen Krimi-Detektiv und seine Methoden

Krimi-Rezension von Nicole Glücklich
Redaktionsmitglied Bakerstreet Chronicle

„Mystery Girl“ ist bereits der zweite Roman des Amerikaners David Gordon, jedoch wurde sein erster nie ins Deutsche übersetzt. In „Mystery Girl“ erwartet den Leser so einiges Mysteriöse – nicht zuletzt den Protagonisten selbst:

Sam Kornberg liebt Trash-Filme, Hochliteratur und seine Frau Lala. Als die ihn verlässt, bricht für Sam eine Welt zusammen. Um sie wiederzugewinnen, ist er zum Äußersten bereit – er sucht sich einen Job. Den erstbesten, den er kriegen kann: Assistent eines Privatdetektivs. 

Sein Chef ist Solar Lonsky, ein kränkliches, fettleibiges Genie, das sein Haus nicht verlassen kann. Sams erster Auftrag ist die Beschattung einer mysteriösen Frau. Eigentlich muss er nichts weiter tun, als ihr durch Los Angeles zu folgen, doch schon bald verfällt er ihr hoffnungslos und wird in einen Mordfall verwickelt, in dem Satanisten, Succubi (weibliche Dämonen), Untergrundfilmer, Hollywoodstars und mexikanische Gangster eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Verlagsinfo

Das Cover des Buches lässt den Leser etwas völlig anderes erwarten, als dann beim Lesen tatsächlich zum Vorschein kommt. 

"Mystery Girl" klingt nicht nur wie ein Marvel-Ableger, auch das Cover legt diese Vermutung nahe. Im Innern jedoch erwartet den Leser (mal wieder) ein Loser-Antiheld, der irgendwie in ein Abenteuer schlittert und dieses mit mehr oder weniger Glück, wenig Sachverstand und dafür viel unnützem Wissen halbwegs meistert.

Persönliche Meinung: 
4**** (von 5 möglichen)

Es ist ein Buch voller Detailverliebtheit, was ich eigentlich an Büchern liebe – leider war das Thema, zu dem all diese Details geliefert wurden, nicht gerade mein Fachgebiet: Porno- und Splatterfilme der 70er Jahre. Ich fürchte, dass die meisten Leser an diesen Details scheitern und das Buch deshalb an mancher Stelle wohl auch seine Tiefsinnigkeit und seinen Witz verliert.

Was jedoch klar zum Vorschein kommt, ist die Tatsache, dass Sams neuer Chef, Solar Lonsky, wohl der noch fettere, noch gestörtere dritte Bruder der Holmes-Familie sein könnte. 

Er hat die deduktiven Fähigkeiten eines Sherlock und den Widerwillen, seine Wohnung zu verlassen, eines Mycroft Holmes. Die Deduktionsszene, als er Sam zum ersten Mal trifft, könnte direkt einer Holmes-Geschichte entlehnt sein. 

Leider sind alle Figuren der Geschichte äußerst skurril und so wirkt die Erzählung insgesamt auch etwas überdreht. Wer klassische Krimis mag, ist hier fehl am Platze. Es ist eher eine Parodie auf den klassischen Detektiv und seine Methoden – dennoch eine sehr unterhaltsame, wenn man sich darauf einlässt.

Der Autor David Gordon wurde in New York geboren und hat selbst alle Stadien seines Protagonisten erlebt: er studierte an der Columbia University und hat in der Film-, Mode-, Buch- und Pornoindustrie gearbeitet, bevor er mit 43 seinen ersten Roman „The Serialist“ schrieb. Obwohl dieser mehrfach ausgezeichnet wurde und in Japan gerade verfilmt wird, ist er nie in Deutschland erschienen.

MYSTERY GIRL
Autor: David Gordon
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 411
Verlag: Suhrkamp
Übersetzung: Stefanie Jacobs
Preis: 9,99  €
eBook-Version: 9,99 €

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