Freitag, 19. September 2014

JOHN BARNABY - Midsomer bleibt mörderisch, auch wenn Tom Barnaby noch fehlt

Ben/Cosmo Jones in EIN FUNKE GENÜGT
© ZDF und Mark Bourdillon
TV-Tipp / TV-Kritik von Petra Weber

Seit 2004  hat Tom Barnaby (alias John Nettles) uns 81 mal väterlich charmant das kriminelle England  nahe gebracht, das wir uns immer schon so vorgestellt haben: schräg, beschaulich, dörflich & immer very british. Midsomer eben.

Nun ist er in den Ruhestand verabschiedet. Doch bevor sein Cousin John Barnaby (Neil Dudgeon) die Midsomer Mörder ab Sonntag (21.09.14) um 22:00 Uhr jagt, verabschiedet sich Tom alias John Nettles in der Nacht von  Samstag auf Sonntag 21.09.14 um 0.30 Uhr, in "Inspector Barnaby: Die lange Nacht".

John Nettles, der dienstälteste Chief Inspector aller britischen Krimi-Reihen des ZDF, erzählt von den Dreharbeiten, zeigt drei seiner schönsten Fälle und präsentiert eine Auswahl der skurrilsten Verbrechen. Damit verabschiedet sich John Nettles von seinem deutschen Publikum.

Und am Sonntag tritt dann John Barnaby (Neil Dudgeon) sein schweres Erbe an. Seinen Dienst hatte er in Großbritannien bereits 2011 begonnen.

Die schlechte Nachricht:
Johns Start in der Episode UNTER OLDTIMERN (21.09.14)  ist alles andere als verheißungsvoll.

Die unsinnige Handlung um ein Oldtimertreffen mit Mord wird in ihrer Langweiligkeit nur von ihrer Albernheit übertroffen. Zudem lässt John als neuer Mordermittler für ungeklärte Todesfälle rund um Causton DS Ben Jones (Jason Hughes) gegenüber den studierten Psychologen raushängen, nutzt jede Gelegenheit ihn schlecht aussehen zu lassen, ist unkollegial und unfreundich und zeigt mehr Herablassung als das von Tom bekannte Feingefühl.

Die Episode endet (John Barnaby versucht einen unsinnigen Alleingang) mit einer lächerlichen Situation für den Chief Inspector, aus der Jones ihn befreien muss und in die Tom nie hereingeraten wäre.

umschwärmt: Cosmo/Ben Jones
© ZDF und Mark Bourdillon
Die gute Nachricht:
Es wird langsam besser.

Die neue Mrs. Barnaby, Sarah (Fiona Dolman),  ist beruftätig und als Grundschulleiterin ständig in Hektik, was ihr trotzdem hin und wieder -ähnlich ihrer Vorgängerin Joyce (Jane Wymark)- Zeit für "experimentelle" Mahlzeiten gibt, wobei sie anders als Joyce kaum Impulse zur Fall-Lösung beiträgt.

Ab der 4. Episode (12.10.14) entwickelt sich dann auch der Barnaby-Terrier Sykes vom Dekorations-Element zum Serien-Hund. Überhaupt ist EIN FUNKE GENÜGT ein echtes Serienhighlight, das man unbedingt gesehen haben sollte!

Ben Jones ermittelt undercover als Werbetexter "Cosmo Jones" in einer sektenähnlichen Organisation und ihm liegen gleich mehrere Frauen verliebt zu Füßen, was nicht zuletzt an seinem komplett veränderten Styling bei diesem Einsatz liegt. Witzige Dialoge und spannende Handlung, ganz so wie man sich mehr Barnaby-Folgen wünscht. Dass Ben, sorry Cosmo, dabei auch mal komplett die Hüllen fallen lässt, ist für eine Barnaby-Folge schon sehr überraschend.

Es ist gleichzeitig auch die Abschiedsfolge (Drehbuch Peter J. Hammond)  für Dr. George Bullard. Der Darsteller Barry Jackson verstarb wenig später im Jahr 2013.

Von Episode 5 an, DIE DRUIDEN KOMMEN, wird er durch die selbstbewusste, kesse Prof. Dr. Kate Wilding (Tamzin Malleson) ersetzt, die erfreulicherweise wie eine jüngere Ausgabe von Dr. Laura Hobson aus der Fernsehreihe LEWIS wirkt.

Wie bereits in den letzten Fällen von DCI Tom Barnaby zu bemerken, werden die Fälle blutiger. Waren Gewalt und Blut in der Vergangenheit mehr der Phantasie des Zuschauers überlassen, hält nun die Kamera durchaus auch mal drauf und zeigt wie zugestochen/ -geschlagen wird.

Fazit:
Der neue Barnaby hat keinen guten Start. Obwohl Musik (Jim Parker), Handlungsschema und Ermittlerteam zunächst dieselben sind, lassen John Barnabys herablassende Arroganz, die an den Haaren herbeigezogene Handlung sowie inhaltsfreie Textpassagen ihn in seinem Debüt-Fall nicht gut aussehen.

Auch wenn der Serie jetzt (noch) der Charakter Tom Barnaby mit seinem verschmitzten Charme, mit seiner die Serie prägenden Synchronstimme von Norbert Langer fehlt, zeigt die Episode EIN FUNKE GENÜGT, dass für das Konzept BARNABY tatsächlich noch Entwicklungspotenzial besteht, wenn man der zur Zeit blassen Figur John Barnabys mehr Kontur verschafft und den britischen Humor weiter in den Vordergrund rückt.

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