Dienstag, 30. September 2014

DER EISERNE SOMMER (Hörbuch) - Mord, Vorurteile & Intrigen im München des Jahres 1914

DER EISERNE SOMMER
Autorin: Angelika Felenda
Verlag: DHV
Auflage: August 2014
Sprecher: Johannes Steck
Jens Wawrczeck, Kai Henrik Möller
MP3-CD mit 12 Std 29 Min.
ungekürzte Lesung
Preis: 15,49 €
Krimirezension: Jörg Völker


Juni 1914: Zwei Schüsse fallen in Sarajewo, und die Welt rückt an den Abgrund. Franz Ferdinand, der Thronfolger Österreich-Ungarns, ist tot. Zur gleichen Zeit steht Kommissär Reitmeyer in München vor einer schwierigen Entscheidung. Er hat es satt, die Marionette des Polizeipräsidenten zu sein. 

Die Leiche eines jungen Mannes führt ihn von den Arbeitervierteln bis in die Villen der Großbürger. Und in das berüchtigte Café Neptun, Vergnügungsort der Offiziere. Der Polizeipräsident drängt ihn, nicht noch tiefer zu schürfen, und gegen das Militär darf er per Gesetz nicht ermitteln. 

Da macht Reitmeyer eine ungeheuerliche Entdeckung, die nicht nur ihn selbst zum Abschuss freigibt, sondern das ganze Land in den Untergang stürzen könnte. Verlagsinfo

Persönliche Meinung: 
5***** (von 5 möglichen)

Angelika Felenda ermöglicht es dem Leser bzw. Hörer, tief in das Leben im München des Sommers 1914 einzutauchen und an den komplizierten Ermittlungen des Kommissars Sebastian Reitmeyer teilzunehmen.

Zwei Morde gilt es aufzuklären, die innerhalb kürzester Zeit verübt worden sind. Höhere Kreise und das Militär könnten involviert sein. Um nicht zu viel öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen, soll Reitmeyer eigenverantwortlich ermitteln, mit direktem Bericht an den Polizeipräsidenten.

Wir erfahren viel über das damalige gesellschaftliche Gefüge. Die Zivilgesellschaft ist sehr hierarchisch gegliedert, Adel, Bürgertum, Bauernstand, Arbeiterschaft und Dienstboten. Das Militär führt ein Eigenleben, mit großen Vorrechten, auch gegenüber der Polizei, aber besonders gegenüber dem „einfachen“ Bürger.

Die gesellschaftlichen Vorurteile gegen „linke“ Politiker, gegen gebildete und vor allem gegen akademisch ausgebildete Frauen, gegen Künstler jeder Art, gegen Homosexuelle und unterschwelliger, aber auch sehr direkter Antisemitismus sind gelebtes Leben.

Der Kommissar versucht seinem Auftrag gerecht zu werden. Er ermittelt ohne Ansehen der Person und beharrlich. Seine Bemühungen sind nur eingeschränkt erfolgreich, weil er immer wieder von einflussreichen Kräfte und durch den Polizeiapparat selbst ausgebremst wird. Er stößt auf Verwicklungen weiter Kreise. Er wird Opfer tätlicher Angriffe.

Das Geschehen wird überlagert von den Folgen des Attentates in Sarajewo auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger. Die Menschen fürchten sich vor einem Krieg, die Anzahl der Kriegstreiber steigt. Es kommt zu Übergriffen auf Fremdländische bzw. fremdländisch Aussehende. Eine Art Progromstimmung kommt auf. 

Dieses Tableau breitet die Autorin vor uns aus. Sie hat sehr gut recherchiert, ihre Schilderung der Personen ist anschaulich. Deren Denken und Fühlen, ihre Stimmung werden deutlich gemacht.

Die Sprecher Johannes Steck, Jens Wawrczeck und Kai Hendrik Möller gestalten die Geschichte mit verteilten Rollen spannend und eindringlich.

Ein gelungenes Debüt, dem ich gerne 5 Sterne von 5 möglichen gebe.

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