Montag, 18. August 2014

DER PATHOLOGE Mörderisches Dublin - ARD zeigt 3 düstere Irish Noir Krimis von John Banville

© BBC/Steffan Hill
TV-Tipp/ TV-Kritik von Petra Weber

Dem unbestechlichen George Gently im ZDF setzt die ARD ab 24.08.14 sonntags um 21:45 Uhr eine 3teilige Mini-Serie mit Irish Noir-Krimis des Bestseller-Autors Benjamin Black (alias John Banville) mit dem Dubliner Pathologen Quirke (gespielt vom Iren Gabriel Byrne) entgegen, die 2013 von der BBC produziert wurde. 

Und auch wenn beide Serien in die Zeit der Fünfziger/Sechziger Jahre zurückreichen könnten sie unterschiedlicher nicht sein.

Quirke (Vor oder Nachname?), auch salopp Dr. Tod genannt,  ist ein dem Alkohol verfallener Pathologe, der sein freudloses Leben mit der Obduktion von Leichen  im Keller des Dubliner Family Hospitals verbringt, während sein Stiefbruder Malachy Griffin (Nick Dunning) ein paar Etagen höher, als anerkannter Gynäkologe mit Frau Sarah (Geraldine Somerville)  und Tochter Phoebe (Aisling Franciosi)  ein gesellschaftlich feudales Leben in der Dubliner Gesellschaft führt. Der Vater der beiden, Garett Griffin (Michael Gambon), von allen nur "der Richter" genannt, verteilt seine Zuneigung -anders als seinen Druck- keineswegs gleichmäßig auf die beiden Brüder.

Dass auch er NICHT FREI VON SÜNDE (am 24.08.14)  ist, zeigt sich schon in der ersten düster-dunklen Geschichte dieser Familie, in der eine tote junge Frau auf Quirkes Seziertisch, sich als frisch entbundene Patientin seines Bruders entpuppt. Die Suche nach dem Baby, das es gar nicht geben soll,  treibt ihn bis nach Boston  wo Quirke sich mit der geballten Macht von Kirche und Moral konfrontiert sieht.

DER SILBERNE SCHWAN (31.08.14) ist ein Schönheitssalon, in dem nicht nur Rosenwasser an die Frau gebracht wird. Der miese Erpresser Leslie White (schmierig gut gespielt von Lee Ingleby, Krimifans als John Bacchus aus den Gently Krimis bekannt) versorgt die Damen der Gesellschaft solange mit Glücksdrogen bis er ihre Familien in großem Umfang erpressen kann. Dass er auch Phoebe Griffin als Opfer auserkoren hat, war ein Fehler.

© BBC/Steffan Hill
Als EINE FRAU VERSCHWINDET (07.09.14), scheint sie niemand und schon gar nicht ihre Familie zu vermissen. Lediglich ihrer Freundin Phoebe lässt das Verschwinden keine Ruhe und sie setzt den inzwischen völlig dem Alkohol verfallenen Quirke auf den "Fall" an, der gar keiner sein darf an.

Obwohl alle drei Geschichten in sich abgeschlossen sind, offenbart sich das, worum es dem anerkannten irischen Autor John Banville geht, erst nach Abschluss der letzten Folge, die den Kreis zur ersten schließt.

Das übergreifende Thema dieser im wahrsten Sinne auch in den Aufnahmen dunklen (franz. Noir = schwarz) Geschichten ist die Beziehung von Bluts- und Wahl-Verwandten zueinander und die Liebe, die sie sich nicht geben können, wollen oder dürfen.

Dazu bedient sich der irische Autor vieler biblisch-mythologischer Anspielungen. So sind die Namen der Protagonisten mit Bedacht gewählt: Quirke ist von der Wortbedeutung her eine "Marotte/Spleen", etwas, das sich dreht. Quirkes verstorbene Frau nennt Banville Delia (auch Delila), was mit charakterschwach, aber auch „Flirt“ übersetzt werden kann und in der Bibel der Name der Frau ist, die Samsons Kraft raubte). Malachi (Maleachi) entspricht dem Propheten, der den geistlichen Verfall beklagt, Sarah der Erzmutter und Beherrscherin, und Phoebe, der "hell Leuchtenden", jener, die jugendliches Licht in die Düsternis der Verstrickungen bringt. Und nicht zuletzt "der Richter", der genau das tut. Er richtet über die Schicksale anderer. Gnadenlos.

Nicht ohne Hintergedanken ist auch der Arbeitsplatz der beiden Ärzte  im kirchlich geprägten Dublin der 50er Jahre das "Family Hospital", das amüsanterweise von einem nicht sichtbaren "Moriarty" geführt wird, hier gibt es ein klares Oben und Unten, eine Hölle und den Glauben an einen Himmel.

Natürlich fehlen auch nicht die für einen irischen "Noir"-Krimi obligaten literweise getrunkenen alkoholischen Getränke (vorzugsweise Whiskey), die Quirke zeitweise in den Entzug bringen. Zur kriminalistischen Auflösung (die nicht im Vordergrund der Geschehnisse steht) trägt er deswegen nur am Rande bei.

Fazit:
"DER PATHOLOGE - Mörderisches Dublin" ist schwer verdauliche Roman-Kost, nicht immer stringent, vor allem aber sehr langsam erzählt, dazu mit Lücken in der Logik und Aufklärung, in dunklen braunschwarzen Szenen (eben Noir) aufgenommen, die mit überschwerer, lauter und sehr nerviger Trauermusik (Rob Lane) unterlegt sind und denen man eine weniger studiohafte Synchronisierung gewünscht hätte. Wegen des plötzlichen Auftauchens von vorher nicht eingeführten Personen und der Vielzahl der Protagonistennamen sowie der verschiedenen Ebenen, auf denen der Autor den Zuschauer erreichen will, ist aufmerksames, konzentriertes Zusehen nötig, um die Zusammenhänge und die sich daraus verzwickt entwickelnden tragischen Familienverhältnisse zu verstehen. 

Trotzdem: 
Auf eine sehr traurige, schaurig schwarze Weise, hat mir diese (Familien-)Geschichte gefallen.

Regie - John Alexander
Drehbücher:
Andrew Davies, Connor McPherson Folge 1
Andrew Davies Folge 2
Connor McPherson Folge 3
nach den gleichnamigen Romanen von John Banville alias Benjamin Black
Kostüm - Lorna Marie Mugan

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