Mittwoch, 11. Juni 2014

WENN DER MOND STIRBT - Erschreckendes Abbild des Lebens in Kenia

Krimi-Rezension von Jörg Völker

Schauplatz Nairobi. Eine junge Frau wird tot in einem Abflusskanal gefunden. Sie gehörte zur Volksgruppe der Massai. Ein Fall für den Polizisten Mollel, ebenfalls Massai und ein eigenwilliger, sympathischer Ermittler. 

Eigentlich ist er bei der Polizei in Ungnade gefallen. Doch nun holt man ihn zurück, denn der Fall ist brisant. Es scheint Verbindungen zu korrupten Politikern und einem einflussreichen Prediger zu geben. 

Mollel gerät in ein Dickicht aus Vertuschung und Gewalt und ist vor allem zu einem entschlossen: sich nicht korrumpieren zu lassen. Verlagsinfo

Persönliche Meinung: 
5***** (von 5 möglichen)

Kenia, für lange Zeit eine britische Kolonie in Ostafrika, wird von vielen Stämmen bewohnt, die eine Vielzahl von Sprachen sprechen. Als „Krücke“ ist deshalb noch heute Englisch eine der beiden Amtssprachen. 

Vor der staatlichen Unabhängigkeit im Jahre 1963 gab es jahrelang äußerst blutige Aufstände gegen die Kolonialherren. Die erreichte Gemeinsamkeit der Einheimischen gegen die Fremdherrschaft zerfiel nach dem Abzug der Briten sehr schnell. 

An deren Stelle trat eine Ein-Parteien-Herrschaft unter dem charismatischen Präsidenten Jomo Kenyatta, eine Präsidial-Diktatur. Daran hat sich seither nicht viel geändert. Erst Jahrzehnte später wurden auf Drängen des Westens demokratische Ansätze geschaffen, ohne nachhaltige Wirkung zu zeitigen. Dies beweisen u.a. die massiven Wahlbetrügereien und Korruptionsskandale der letzten Jahre.

In dieser undurchsichtigen Gemengelage erhält der Protagonist unserer Geschichte, Mollet, der der kleinen Splittergruppe der Massai angehört und gerade noch so bei der Polizei geduldet wird, zusammen mit seinem neuen Partner Kiunga den Auftrag, den Mord an einer jungen Massai aufzuklären. 

Die beiden Kollegen müssen sich erst einmal aneinander gewöhnen, aber schnell beeindruckt Mollets unorthodoxe Vorgehensweise, seine Berufserfahrung und seine Selbstreflexionen, geprägt durch seine Stammeszugehörigkeit, den Jüngeren. 

Die beiden Polizisten begeben sich mit ihren Ermittlungen auf einen langen, dornenreichen und sehr gefährlichen Weg. Viele einflussreiche Menschen begegnen ihnen und lassen ihre Handlanger auf sie los.

Das Buch liefert ein erschreckendes Abbild des Lebens in einem Entwicklungsland Afrikas, mit fehlenden oder kaputten staatlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Einige wenige bereichern sich maßlos auf Kosten der Allgemeinheit und üben eine schrankenlose, unkontrollierte Gewalt über die Masse des Volkes aus. Stammesdenken ist immer noch allgegenwärtig. Wirtschaft findet nur rudimentär statt.

Ein tolles Buch, kraftvolle Figuren und eine spannende Unterhaltung!
Autor: Richard Crompton
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 384
Verlag: dtv
Übersetzung: Claudia Feldmann
Preis: 14,90 Euro
eBook-Version: 12,99 Euro

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