Mittwoch, 7. Mai 2014

TAG DER UNABHÄNGIGKEIT - Spannender & lesenswerter Algier-Krimi

Krimi-Rezension von Jörg Völker

Algier kurz vor dem arabischen Frühling. Abdelkader Mehkrid wird ermordet und verstümmelt an einem Strand aufgefunden. 

Als die deutsch-algerische Journalistin Wahiba dahinter den Mord einer islamistischen Terrorgruppe vermutet, beginnt die fatale Suche nach den Gründen für die Tat. 

Schon bald bemerkt sie, dass die "Politik der nationalen Versöhnung" den Hass nicht per Dekret von oben beenden kann. Verlagsinfo

TAG DER UNABHÄNGIGKEIT ist eine beklemmende Beschreibung der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Algerien in der Zeit vor dem „Arabischen Frühling“. 

Nach dem Freiheitskampf gegen die französischen Kolonialherren, kulminierend im zusätzlichen Aufstand der französischen Siedler gegen die Fünfte Republik des Charles de Gaulle, kam es durch den Frieden von Evian zur Übergabe der Regierungsgewalt an die Algerier selbst. 

Der entstandene Staat war eine links gerichtete Volksrepublik, die zahlreiche Unruhen und Aufstände erlebte. Zunächst waren es Volksgruppen wie die Berber, die sich benachteiligt fühlten. In letzter Zeit begehrten eher islamistische Gruppierungen auf. 

Die versprochene „Aussöhnung der Bürger“ ist nie konsequent durchgeführt worden. Es blieb nur bei halbherzigen Ansätzen! 

In dieser Gemengelage kommt die junge Deutsch-Algerierin Wahida nach Algier und versucht, als Journalistin einen Mordfall aufzuklären. 

Sie muss sehr schnell feststellen, dass die alten Beziehungsgeflechte aus Verwandtschaft und Freundschaft nicht mehr existieren. Gleiche politische Einstellung ist schwer zu finden. Keiner traut dem Anderen. Wahrheiten werden unterdrückt oder manipuliert. Informationen können lebensbedrohlich für den Wissenden sein.

Persönliche Meinung: 
5***** (von 5 möglichen)

Der Autor Jörg Walendy lässt den Leser Wahidas „Abenteuer“ hautnah miterleben. 

Er schildert sehr detailliert die beklemmende Atmosphäre der in Algier lebenden Menschen, exemplarisch geschildert durch das Schicksal seiner Protagonistin und der ihr begegnenden Mitmenschen. 

Walendy hat sein eigenes Erleben (als Mitarbeiter der Deutschen Botschaft) in Algier gekonnt in diesem Buch verarbeitet, mit Empathie für den „Mann von der Straße“.

Dem spannenden und lesenswerten Werk gebe ich deshalb die volle Anzahl Sterne.

TAG DER UNABHÄNGIGKEIT
Autor: Jörg Walendy
Format: broschiert (z.Zt. nur über den Verlag erhältlich)
Seitenzahl: 200
Verlag: Polar Verlag
Preis: 12,90 Euro
eBook-Version: 9,95 Euro

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