Mittwoch, 14. Mai 2014

KILLMOUSKY - Sprachlich schön, inhaltlich extrem schwach

Krimi-Rezension von Jörg Völker

Was jetzt? Frauen? Zigaretten? Whiskey? Den lieben langen Tag? Richard Ellwanger ist es ein Rätsel, wie er von nun an seine Zeit verbringen soll. Den Dienst als Kriminalhauptkommissar hat er quittiert, nachdem er, der »Verhör-Ellwanger«, die raffinierteste Verhörbegabung Münchens, einem Verdächtigen gegenüber die Beherrschung verloren hat. 

Da winkt ein Auftrag im fernen New York: Eine begüterte Frau ist zu Tode gekommen, und ihre Schwester und ihr Vater beschuldigen den trauernden Ehemann, ein anderer zu sein, als er vorgibt. Sie beauftragen Ellwanger mit privaten Ermittlungen. Und das heißt für den Mann aus dem Hohenlohischen nicht nur, seinen schwarzfelligen Hausgenossen Killmousky den Nachbarn anzuvertrauen. 

Es heißt auch, sich in einer Metropole zurechtzufinden, in der ihm die Sprache nicht behagt, die Gepflogenheiten der oberen Zehntausend fremd sind und ein möglicher Mörder lebt, der vielleicht aus Ellwangers Heimat stammt und dessen Persönlichkeit den Ex-Kommissar zunehmend fasziniert. (Verlagsinfo)

KILLMOUSKY ist ein sprachlich ausgezeichnetes Buch. Die Autorin ist nicht von ungefähr Büchner-Preisträgerin 2013, viele weitere Literaturpreise nicht zu vergessen. Die Handlung selbst bleibt leider hinter dem Stil weit zurück. Sibylle Lewitscharoff packt nämlich viele Bausteine und Versatzstücke in ihre Geschichte, ohne deutlich zu machen, warum sie dort hingehören sollen. 

Die Ursache für den vorzeitigen Abschied Richard Ellwangers aus dem Polizeidienst wird dem realen Kriminal-Fall der Entführung Jakob von Metzlers nachgebildet, die Problematik der Gewaltandrohung im Strafverfahren aber nicht ausreichend reflektiert.

Der eigentliche große Fall des vorliegenden Buches, der Mord in New York, wirkt im Hinblick auf die Lebensumstände Ellwangers und sein bisheriges Arbeitsleben wie aufgepfropft, weil Welten dazwischen liegen. Für mich ist daher die Geschichte nicht glaubhaft entwickelt, sondern konstruiert. Die handelnden Personen wären niemals miteinander in Kontakt getreten! 

Das Auftreten der Titel gebenden Katze namens „Killmousky“ ist zwar amüsant zu lesen, aber auch wieder ein überflüssiger Handlungsstrang.

Ich bin enttäuscht über das Buch. Um nicht zu ungerecht zu sein, versage ich mir die hier übliche Sternenbewertung.

Autorin: Sibylle Lewitscharoff
Format: gebunden
Seitenzahl: 223
Verlag: Suhrkamp
Übersetzung:
Preis: 19,95 Euro
eBook-Version: 16,99 Euro

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