Samstag, 10. Mai 2014

BERLIN REQUIEM - Eine virale Bedrohung als Anlass für rassistische Ausgrenzung

Krimi-Rezension von Jörg Völker

Der Tag, an dem das Ende beginnt ... 
Berlin im Hier und Jetzt: Ein rätselhafter Virus ist ausgebrochen. Die Infizierten fallen zunächst in ein Koma und erwachen dann wieder – regiert vom rasenden Instinkt, alles und jeden zu töten. Erste Medienberichte verunsichern die Bevölkerung: Angeblich sind nur Mitbürger mit Migrationshintergrund betroffen, Kreuzberg und Neukölln gelten als kontaminiert. 

In einer Blitzaktion wird eine Mauer um das betroffene Gebiet errichtet, Innensenator Sentheim verhängt den Ausnahmezustand. In diesen dunklen Stunden erhält der investigative Journalist Robert Truhs einen politisch hochbrisanten Hinweis, der die noch bestehende Ordnung endgültig kippen könnte … Verlagsinfo

Peter Huths Thriller ist mehr als „starker Tobak“! Die „apokalyptischen Reiter“ in Form eines den Menschen (und damit ihr Zusammenleben) zerstörenden Virus befallen Einwohner von Berlin. In der Öffentlichkeit kommt sofort Panik auf, die Bundesregierung flieht nach Bonn, als infiziert werden nur Menschen mit türkischer und libanesischer Herkunft oder Wurzeln gemeldet. 

Die vom Virus Befallenen werden nach kurzer Inkubationsdauer zu „Untoten“, die als Kannibalen über ihre Mitmenschen herfallen und sie auffressen. Schnell wird eine Mauer um die betreffenden Viertel gezogen und versucht, dieselben völlig von der Außenwelt abzuriegeln.

Ein Rechtspopulist namens Sentheim, der Person von Thilo Sarrazin nachempfunden, wird aus dem politischen Exil zurückgeholt. Er wird zum „Mann der Stunde“ und zum (un-)heimlichen Herrscher von Berlin. 

Er betrachtet Migranten und Arbeitsscheue als Ursache für alle Übel und natürlich allein verantwortlich für die jetzige Lage. Unter seiner Führung beginnt ein Vernichtungsfeldzug gegen alle (!) Bewohner der abgeriegelten Gebiete.

Zwischenzeitlich haben Untersuchungen an der Charite ergeben, dass das Virus zuerst bei einem weißen Baby aufgetreten ist. Impfstoffe ließen sich nur bedingt herstellen und natürlich viel zu spät in ausreichenden Mengen. 

Der Berliner Senat und die nachgeordneten Dienststellen halten diese Informationen unter Verschluss. Medienvertreter, Polizeibeamte und Einzelkämpfer versuchen derweil der Katastrophe auf den Grund zu gehen und die Gefahren durch die „Untoten“ einzudämmen.

Persönliche Meinung: 
5 ***** (von 5 möglichen)

Ein Buch, das mit den Mitteln der Fiktion aufzeigt, wie schnell die Öffentlichkeit durch unheilige Allianzen von Politik, Wissenschaft, Medien und Polizei in ihrem Kern getäuscht werden kann. Dadurch kann der Bestand einer offenen Gesellschaft in einer funktionierenden Demokratie ernsthaft gefährdet werden. 

Wir hatten in den letzten Jahren BSE, Vogelgrippe, Vulkanausbrüche mit Staubwolken über Europa, Hochwasser u. a. m. Diese Vorfälle konnten unser Zusammenleben nicht gravierend gefährden.

Ein Roman, dessen Akteure realistisch gezeichnet sind, mit einer Handlung, die theoretisch möglich ist und spannend gestaltet ist, sowie einem Virus mit (phantastischen) Krankheitsfolgen. Gute und gruselige Unterhaltung wird garantiert!

BERLIN REQUIEM
Autor: Peter Huth
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 336
Verlag: Heyne
Preis: 12,99 Euro
eBook-Version: 9,99 Euro

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