Dienstag, 22. April 2014

NEIN! Keine Generalvollmacht für Verlage - Blogger sind kein Rezensionsvieh!


Im Namen des Volkes erging am 12.02.14 ein Urteil (AZ: 21 O 7543/12) des Langerichts München I, in einem Rechtsstreit der Frankfurter Allgemeinen (FAZ) gegen Buch.de, das Verlage in ein rechtliches Dilemma versetzt.

Das Gericht befasste sich u.a. mit  § 51 UrhG und erläuterte, dass es bereits an einem Zitatzweck fehlt, wenn Ausschnitte aus einem (Rezensions-)Text lediglich zum Zwecke der Werbung benutzt werden. Siehe auch  Rechtsprechung des BGH.

Nun war aber gerade das bei einigen Verlagen gängige Praxis. Da wurde nicht vorher beim Urheber/Verfasser gefragt, ob einzelne Sätze oder ganze Text-Passagen einer Rezension mal eben auf Buchcover gedruckt oder Veragsprospekte und -Kataloge zieren dürfen, da wurde einfach angenommen, dass dies quasi -weil Gewohnheit- auch Recht, wenn nicht gar billig sei.

Zuweilen entstand sogar der Eindruck: "Die können sich doch freuen, ist ja auch Werbung für sie."

Durch das Urteil sehen sich nun einige Rechtsabteilungen von Verlagen kreativ gefordert und sie haben auch schon eine Lösung parat. Wer rezensieren will, soll General-Einverständnis-Erklärungen abgeben und so flattern uns seit ein paar Wochen Texte dieser Art ins Haus (Formulierungen variieren):

... bitten wir Sie daher um Genehmigung alle von Ihnen verfassten Rezension zu Büchern aus unserem Verlagshaus im Rahmen der Bewerbung unserer Bücher uneingeschränkt für jedwedes Medium und jedwede Werbemaßnahme ohne vorherige Absprache und ohne weitergehenden Informationen im Nachgang unentgeltlich und zeitlich unbeschränkt nutzen zu dürfen. Dies gilt uneingeschränkt für die Vergangenheit wie auch für zukünftige...

NEIN!
Wir haben uns nie verweigert, wenn uns Verlage/Autoren angesprochen haben (ja, stellt Euch vor liebe Vollmachtswünschende, das gibt es), ob sie eine bestimmte Passage/Rezension auf Webseiten oder Verlags-Werbemitteln nutzen dürfen. Aber eine Generalgenehmigung werden wir im KrimiKiosk weder Verlagen noch Autoren dazu geben.

Rechtslage bei Blogs mit mehreren Rezensenten
Unabhängig von unserer Ablehnung diesem Anliegen gegenüber, könnten wir eine solche Vollmacht den Verlagen rechtsverbindlich auch gar nicht für www.krimikiosk.de geben, da hier ein Team unabhängiger Rezensenten seine persönliche Meinung zu Krimis veröffentlicht, das das Urheberrecht an seinen Texten behält und dem KrimiKiosk Verlag Petra Weber lediglich eine formlos vereinbarte (ausschließliche) Nutzung selbiger gestattet.

Im Falle des KrimiKiosk würde das bedeuten, dass ich selbst zur Absicherung gegen Ansprüche an den KrimiKiosk Verlag Petra Weber mit allen Rezensenten/innen rechtswirksame, durch einen Anwalt abgeklärte Verträge schließen müsste und die freiwillige, kooperative und freudvolle Hobby-Zusammenarbeit beendet wäre. Das werden wir auf gar keinen Fall tun.

Kein Rezensionsvieh
Es mag Verlage erstaunen, aber wir sehen uns als Blogger, als Partner und nicht als billige Angestellte, die sich durch die kostenlose Überlassung eines Buches einseitig vertraglich knebeln lassen, um als kostenlose Textfabrik herkömmliche Werbetexter zu ersetzen.

Die Lösung
Sie ist so einfach wie naheliegend: Fragt doch einfach! Meldet Euch! So macht man das im Geschäftsleben, wenn man sich rechtlich absichern möchte und den anderen als gleichberechtigten Partner ansieht! Natürlich müssen dann Mails geschrieben werden, Arbeitszeit aufgebracht werden, aber verdammt noch mal Ihr seid doch so scharf auf Interaktivität, die neue Währung der Socialmedia, dann setzt sie doch mal da in Gang wo sie auch was bringt, wo sie nicht im Nirwana der Facebookstartseiten versickert, sondern zu vertrauensbildenden Maßnahmen führt.

Und wenn Ihr uns nicht als Partner seht, sondern nur Rezensionslieferanten für ungefragten, billigen werblichen Missbrauch sucht, dann behaltet Eure Bücher, denn es gibt zum Glück noch Verlage, die sich die Zeit zum Dialog mit Bloggern und für Einzelanfragen im Bedarfsfall nehmen und deren Bücher wir dann liebend gerne Euren vorziehen. 

Kommentare:

  1. Würde ich auch so sehen und das einzelne Abfragen sollte auch keinen immensen Arbeitsaufwand machen. Ob ich jetzt nachschaue ob ich von einem Blog/einer Zeitung eine "Generalvollmacht" habe oder demjenigen eine kurze Mail wegen der Erlaubnis schicke macht doch keinen grossen Unterschied.

    Tia

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  2. Ich teile eure Meinung. Wir Blogger sind nicht auf einzelne Verlage angewiesen. Es gibt genug, die die Spielregeln einhalten und darüber hinaus jede Menge Indie-Autoren. Also das Material wird uns wohl kaum ausgehen :-)
    Viele Grüße
    Ann-Bettina

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  3. Ich glaube und vertrete es schon lange Zeit, dass die einfachste Lösung die ist, keine REs mehr anzunehmen. Es gibt dutzende andere Möglichkeiten an Bücher zu kommen (auch bei kleinem Geldbeutel). Es sollte sich endlich in den Köpfen festsetzen, dass Blogger die Verlage nicht brauchen! Diese schreiben so viel vor und knebeln wo es geht und Meinungen zu REs nehmen auch immer weniger Leser ernst, weil diese nie so ganz ehrlich sind (auch wenn das immer behauptet wird). Einzelne Meinungen zählen ohnehin nicht, es geht nur um Masse/Anzahl. Darum: Selbstbewusstsein zeigen, unabhängig und individuell bleiben und Hände weg von "Geschenken" - auch (und besonders) in Buchform.

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  4. Ja, es ist eine allseits bekannte Theorie, dass ein Rezensionsexemplar zur positiven Meinungsbildung bei Rezensenten führen soll, die jedoch im Bloggeralltag des 21. Jahrhunderts schnell und zahlreich widerlegt werden kann. Dass heute kein Blogger für ein paar Euro Buchwert mit seiner Meinung hinterm Berg hält, sieht man bei uns und Hunderten anderer Rezensionsseiten, die auch klar negative persönliche Meinungen zu Büchern abgeben, die ihnen von Autoren oder Verlagen überlassen wurden.

    Zumal bei den meisten Lesermeinungen im Internet gar nicht kenntlich gemacht ist, ob der „Kritiker“ das Buch gekauft hat oder es ihm überlassen wurde. Auch bei uns werden ein Teil Bücher (Hörbücher) besprochen, die aus dem persönlichen Besitz des jeweiligen Rezensenten stammen, wir kennzeichnen diese nicht explizit, weil es in der Beurteilung keine Rolle spielt.

    Fairerweise muss man auch sagen, dass Verlage keineswegs mit „Strafaktionen“ reagieren, wenn Blogger eine negative Meinung sachlich formulieren. Es besteht gar kein Druck aus dieser Richtung „freundlich“ zu besprechen, denn auch Verlage wissen, dass sie jederzeit austauschbar sind.

    Wir können auch nicht bestätigen, dass Blogger allgemein von Verlagen „geknebelt“ werden. Lediglich die (gar nicht so neue) Rechtslage scheint bei einigen Verlagen, denen nicht bewusst war, dass ihnen eigentlich Selbstverständliches abverlangt wird, zu Panikreaktionen der im Artikel beschriebenen Art zu führen.

    Unsere Statistiken beweisen außerdem mit steigenden Besucherzahlen, dass zumindest unsere Leser unser Team und dessen Meinungen zu Büchern ernst nehmen.

    Ein beeinflussende Folge von Rezensionsexemplaren will ich aber gerne eingestehen: Da die Rezensionen den Verlagen gegenüber belegt werden, ist man gewiss, dass sie dort auch wahrgenommen werden. Anders als bei Frustrationsrezensionen („Ich habe Geld dafür hingeblättert und bin stinksauer, dem Autor sag ich jetzt mal meine Meinung“) achtet man sorgfältiger auf die Richtigkeit und Sachlichkeit der eigenen Aussagen und behauptet nicht „schlampiges Lektorat“, „falsche Übersetzung“ oder „Logikfehler“ wenn man es nicht belegen kann oder nur „so ein Gefühl“ hatte.

    Diese angebrachte Achtsamkeit finden wir allerdings von Vorteil für alle Leser.

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  5. Mhm. Da weiß ich ehrlich gesagt nicht, was ich antworten soll, weil ich ehrlich gesagt auch etwas erschrocken bin. Es ist doch so: Man erhält aus einem Verlag meist nicht nur ein Buch. Man sendet dann einen Beleglink. Im besten Fall wird man dann vom Verlag irgendwo verlinkt oder in einem Social Media Kanal öffentlich gemacht. Schreibt man nun eine eher negative Rezension - und warum sollte jemand, der seine Bücher kauft/leiht/tauscht nicht konstruktiv ans Werk gehen? - oder auch mehrere, kann es passieren - und auch dafür gibt es zahlreiche Beispiele, die man aber leider nicht/kaum belegen kann, weil sie nie bis kaum öffentlich gemacht werden (Blogger/Leser sind aber einfach auch ziemlich gut untereinander vernetzt) - dass keine REs mehr an denjenigen versandt werden (es gibt schließlich genug andere Blogs). Eher negative Meinungen werden logischerweise auch nicht in diversen Kanälen (vielleicht sogar als Zitat in einer Zeitschrift/ den neuen Verlagsprogramm? darum geht es ja beim Urteil oder nicht?) öffentlich gemacht - ein Ziel, dass aber jeder Blogger (wahrscheinlich) hat, weil Verlage doch ein wenig mehr Reichweite besitzen.
    Wenn ich eine Rezension lese, vor allem wenn ich überlege, mir das Buch anzuschaffen, dann würde ich es sehr begrüßen, wenn man mich auf ein Logikfehler, falsche Übersetzung oder anderes, was nicht stimmig war, hinweist. Dass man als RE-Bezieher überlegt, "sehr konstruktiv zu sein", würde wenn ich das richtig verstehe, bedeuten, zu überlegen ob man "mit der ganzen Wahrheit rausrückt". Da sehe ich persönlich die größte Gefahr bei diesen Buchgeschenken.
    Ich habe übrigens selbst einmal auch REs bezogen (sowohl privat, als auch für größere Seiten/Magazine), weiß daher wovon ich rede. Wenn der entsprechende Verlag vielleicht sogar noch ein Werbepartner ist - und oft ist es ja nichts anderes, wenn man mit Büchern bedacht wird - dann wird man doch nicht doof sein und den "Werbepartner" vor den Kopf stoßen.
    Ich habe meinen ersten Text übrigens nicht auf diese Seite bezogen, ich dachte, das Thema sei allgemein offen.
    Ich plädiere nicht nur dafür, selbstbewusster ans Lesen heranzugehen, sondern auch dafür, offen zu legen, woher Bücher bezogen worden sind. Und dass es soweit gekommen ist, müsste eigentlich zu denken geben.
    Es ist übrigens noch gar nicht so lange her, da führten wir lange Diskussionen darüber, ob man bei einer Meinung zu einem RE wirklich zum Verlag/zu einem Onlinebuchhändler verlinken solle, weil das viele von jenen vorschrieben (auch wenn sie es als "das würden wir uns wünschen" verpackten). Es sieht nach nichts aus, aber wenn sogar schon etwas wie dort oben (wenn auch vereinzelt) vorkommt, ... nachdenken schadet nicht. Nicht zuletzt, weil ich an viele Blogger denken musste, die aufgehört haben, weil sie "diese Entwicklung" nicht gutheißen können. Und was wird dann letztendlich übrig bleiben? Nun, ich hoffe, unabhängige Meinungen. Allerdings zweifle ich immer öfter daran.

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  6. Wir im KrimiKiosk sind gar nicht scharf auf verlagliche Anerkennung oder Verlinkung, das wird sowieso überschätzt und da auch kein Verlag bei uns Anzeigen schaltet, sind wir auch unabhängig in unserer Meinung.

    Deshalb möchten wir ja gerade nicht ungefragt in Werbemaßnahmen vorkommen, die womöglich gar nicht unsere Meinung spiegeln, weil wir nur fragmentarisch zitiert wurden.

    Und dass Sanktionen folgen, wenn man negativ rezensiert, nein, das ist uns hier -wo wir öfter auch kritisch urteilen- in 5 Jahren noch nie passiert.

    Selbstbewusst finde ich gut und selber nachdenken schadet in der Tat wirklich nie. Da sind wir voll einer Meinung :-)

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