Sonntag, 9. März 2014

SASKIA BERWEIN - Ich liebe starke, unangepasste Frauen (Interview)

© Egmont Lyx
Biggi Friedrichs war wieder so freundlich für den KrimiKiosk eine Autorin zu befragen, die uns durch ihre Thriller HERZENSKÄLTE und TODESZEICHEN aufgefallen ist. Und das hat Saskia Berwein geantwortet:

1. Wie hat für Sie das Schreiben begonnen und was fasziniert Sie am meisten beim Schreiben?

Ich bin in früher Jugend mit dem Lese-Virus infiziert worden und habe seitdem Bücher förmlich verschlungen. Mit ca. 13/14 Jahren kamen dann die ersten eigenen Ideen, die ich schließlich niederschrieb. Den Übergang vom Leser zum Autor habe ich als natürlich erlebt – es passierte einfach ohne großes Überlegen.

Am Schreiben selbst faszinieren mich viele Dinge: Das Abtauchen in selbst erschaffene Welten, die Möglichkeit, Geschichten auf ganz unterschiedliche Weise zu erzählen. Was mich immer wieder überrascht, ist, wie viel man doch von sich selbst und seinen eigenen Erfahrungen und Erlebnissen einfließen lässt, ohne sich dessen bewusst zu sein. Mir geht es jedenfalls so.

2. Wieso schreiben Sie Thriller, war es schwierig, einen Verlag für Ihren ersten zu finden?

In Thrillern lassen sich viele interessante Aspekte auf ganz unterschiedliche Art und Weise miteinander verbinden – Ermittlungsarbeit, Verbrechen und seelische Abgründe. Mich hat die Frage, was einen Menschen zum Täter werden lässt, schon immer sehr fasziniert, ebenso die Jagd nach ihnen.

Einen Verlag für meinen ersten Thriller „Todeszeichen“ zu finden war im Rückblick einfacher, als ich es je erwartet hätte, wobei „einfach“ wirklich relativ betrachtet werden muss – ich hatte verdammtes Glück. Die Agenturen und Verlage suchten offenbar gerade genau solche Geschichten – und Lyx bekam meine Story zum richtigen Zeitpunkt auf den Tisch.

3. Wie ist die Idee zu Ihren Protagonisten, Staatsanwalt Oliver Grohmann und der Ermittlerin Jennifer Leitner entstanden?

Ich selbst liebe starke, unangepasste Frauen mit nicht unbedingt einfachem Background. Deshalb stand für mich recht schnell fest, dass meine Ermittlerin genau so sein sollte – Jennifer war geboren. Da ich aber keine vollkommen einsame Kriegerin haben wollte, begann die Suche nach einem Partner. 

Die Entscheidung für den Staatsanwalt fiel unter anderem deshalb, weil seine Sichtweise auch die Möglichkeit eröffnete, einen Blick auf diesen Teil der Ermittlungsarbeit zu werfen. Auch wenn Oliver natürlich kein „typischer“ Staatsanwalt ist, der sich an seinem Schreibtisch verschanzt. Als Charakter habe ich ihn ganz bewusst als ruhigen Gegenpol zur impulsiven Kommissarin angelegt.

4. Haben Sie vorher eine konkrete, festgelegte Vorstellung von Ihren Figuren oder führen sie während der Schreibphase ein Eigenleben?

Alles von vorneherein festzulegen, würde mich selbst zu sehr einschränken. Es gibt natürlich gewisse Charaktereigenschaften, eine Vorstellung davon, wo meine Protagonisten gerade im Leben stehen und auch den ein oder anderen Meilenstein in ihrer Vergangenheit. Aber entwickeln dürfen sie sich während des Schreibens ganz frei und führen dann auch schon mal ein Eigenleben. 

Viele Details kommen erst während der Schreibphasen hinzu oder werden Stück für Stück detaillierter beleuchtet, das steigert sich von Buch zu Buch. Man findet im ersten Band ganz bewusst keine komplette Lebensgeschichte meiner Hauptcharaktere – und in jedem Band liegt immer auf einem der beiden der Schwerpunkt.

5. Haben Sie eine bestimmte Schreibzeit, einen geplanten Arbeits-Rhythmus?

Nein, meine Kreativität kann ich nicht planen. Ich habe Phasen, in denen ich keine Zeile zu Papier bringe, dann wieder schreibe ich schon fast manisch viele Stunden am Stück. Eine bestimmte Zeit am Tag gibt es auch nicht, aber derzeit bin ich eher ein Abendmensch.

6. Thriller benötigen viel Recherchearbeit. Wie gehen Sie dabei vor? Welche Quellen nutzen Sie?

Während des Schreibens und Plottens hinterfrage ich viel, und nochmals einige Details sehr stark im Lektorat. Dann gehe ich auf die Suche in unterschiedlichen Quellen – Fachliteratur, Internet, Gesetzestexte, Fachleute … 

Man erlebt sogar bei Fakten, die man als wahr und unumstößlich angesehen hat, noch echte Überraschungen. Manchmal, gerade wenn es um den Polizeibetrieb o.ä. geht, muss man als Autor dann trotzdem Realitätsabstriche machen – die Realität lässt sich leider nicht immer in spannende Unterhaltungsliteratur umwandeln. 

Aber gewisse Fakten (bspw. medizinische oder technische) sollten natürlich stimmen. Ich habe schon ganze Ideenstränge verworfen, weil ich dafür die Fakten ein wenig zu sehr hätte biegen müssen.

7. In welchem Genre werden wir nie etwas von Ihnen lesen dürfen?

Kitschige Liebesromane. Das ist keine Abwertung dieses Genres. Aber es spricht mich persönlich einfach nicht an – und deshalb könnte ich auch niemals etwas entsprechendes Schreiben. Es würde ohnehin nur Mist dabei herauskommen.


8. Welchen Schriftsteller/in würden Sie gerne einmal treffen und was würden Sie sie/ihn fragen?

Puh, das ist eine schwierige Frage … 
Sehr gerne würde ich Anne Rice treffen und mich mit ihr über alles Mögliche unterhalten … Die Vampir-Chroniken, ihre Erlebnisse und Entscheidungen … Sie ist eine sehr starke Frau.

9. Was machen Sie, wenn Sie nicht schreiben?

Lesen, auch wenn ich dafür recht wenig Zeit finde, mich um das ganze Drumherum wie Homepage und Facebook kümmern, ins Kino gehen, mich mit Freunden treffen und meine Kaninchen bemuttern.

10. Welches Buch lesen Sie selbst gerade?

A Clockwork Orange von Anthony Burgess (auf Englisch).

11. Haben Sie eine/n Schriftsteller/in als Vorbild? 

Nicht direkt ein Vorbild, aber es gibt natürlich Schriftsteller, deren Werke ich sehr mag oder zu denen ich aufgrund ihrer Werke oder ihres Lebens aufschaue. Als Vorbild für die „Ein Fall für Leitner und Grohmann“-Reihe käme wohl am ehesten Karin Slaughter in Frage – ihr fiktives Grant County hat mich definitiv dazu inspiriert, eine eigene Stadt zu erfinden.

12. Ein weiterer Band mit dem Ermittlerpaar ist ja schon in Planung. Wird es noch mehr Fälle mit ihnen geben und ist in einem Nachfolge-Thriller ein Wiedersehen mit Charlotte aus Band 1 zu erwarten? 

Es wird definitiv weitere Fälle geben – mit grober Rahmenhandlung habe ich insgesamt 7-10 Bände im Kopf und hoffe, dass ich diese auch veröffentlichen kann. In Band 3 „Seelenweh“ wird es neben einem spannenden und schwierigen Fall noch weitere Verwicklungen geben: Jede Menge Ärger mit der neuen Staatsanwältin und Oliver bekommt Konkurrenz. 

In „Seelenweh“ wird sich auch eine Ankündigung finden, die die Charlotte-Fans sehnlichst erwarten dürften … Ja, es wird ein Wiedersehen mit Charlie geben!

Vielen Dank an Saskia Berwein und Biggi Friedrichs für einen weiteren Blick in ein Autorenleben.

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