Sonntag, 16. März 2014

DER HUND DER BASKERVILLES - Pastewkas Hörspielfassung überrascht & unterhält

DER HUND DER BASKERVILLES
Autor: Arthur Conan Doyle
Hörspiel
Verlag: Der Hörverlag
Auflage: März 2014
Sprecher:
Frank Röth, Thomas Kügel,
Gerhard Garbers, Debora Weigert u.v.a.
2 Audio CD mit 1 Std 44 Min.
Preis: 14,99 Euro

Krimirezension: Nicole Glücklich
Redaktionsmitglied Bakerstreet Chronicle

Selbst Nicht-Sherlockianern ist der Titel und den meisten Krimifans auch der Inhalt dieser bekanntesten aller Sherlock-Holmes-Geschichten geläufig:

Dr. Mortimer sucht den Detektiv auf, weil sein Freund Sir Charles Baskerville offenbar von einem riesigen Hund, dem Familienfluch er Baskervilles zu Tode erschreckt wurde. 

Nun soll sein einziger Erbe, Henry Baskerville das Anwesen übernehmen, doch schon bald verfolgt auch ihn der Fluch. Dr. Watson hat ihn zwar auf Holmes' Geheiß hin zu dem Anwesen im Dartmoor begleitet, doch seine frisch entfachte Liebe für seine Nachbarin Beryl Stapleton lässt ihn unvorsichtig werden.

Bastian Pastewkas Name auf der CD führt ein wenig in die Irre, denn er selbst spricht keine der Rollen. Nein, ein wenig erstaunt nimmt man zur Kenntnis, dass er die Hörspielbearbeitung vorgenommen hat und Regie bei dieser Produktion für den WDR führte.

Ursprünglich als zweiteiliges Radiohörspiel konzipiert, erschien die gut zweistündige Audiofassung nun auch auf CD. Den Schnitt für die Radiosendung erkennt man leider sehr deutlich an Dr. Watsons Rückblendenerzählung in der Mitte. 

Natürlich wurde der Stoff der Geschichte für diese Fassung gekürzt. Dennoch hält Pastewka sich bei seiner Fassung weitestgehend an die von Sherlockianern hochgeschätzte Übersetzung von Gisbert Haefs für den Haffmans Verlag. Im beigefügten Booklet erläutert er, dass in deutschen Übersetzungen bis zu Haefs Fassung der Originaltitel "The Hound of the Baskervilles" fast ausnahmslos und fälschlicherweise mit "Der Hund VON Baskerville" übersetzt wurde. Dies würde implizieren, dass Baskerville ein Ortsname ist, in Wirklichkeit handelt es sich ja aber um einen Familiennamen.

Persönliche Meinung: 
4**** (von 5 möglichen)

Ich persönlich finde es ein wenig bedauerlich, dass Pastewka zwei der großen Spannungsbögen der Geschichte außen vor lässt ("They were the footsteps of a gigantic hound!" und als Holmes Watson in seiner Hütte auf dem Moor überrascht) und diese zugunsten einer "wissenschaftlich korrigierten" Fassung in den Hintergrund drängt. 

Natürlich ist es schwer, die komplette Geschichte in nicht einmal zwei Stunden zu packen, doch wirkt diese Fassung ein wenig flach und ohne rechte Höhepunkte. Obwohl die Sprecher zweifellos gut sind bei der Darstellung der einzelnen Figuren.

Pastewka stützt sich bei seiner Neuinterpretation des Hundes auf Pierre Bayards Abhandlung "Freispruch für den Hund der Baskervilles". Sherlockianern wird dieser Text vielleicht schon einmal untergekommen sein. Hierbei werden Unstimmigkeiten in der Geschichte aufgezeigt und anhand einer Korrektur ein alternativer Hergang vorgeschlagen.

Pastewka ist nicht der erste, der auf diese Idee kam. Ich habe eine ganz ähnliche Fassung bereits auf der Bühne des Hamburger Imperial Theater gesehen, was nicht weiter verwunderlich ist, da sie eine gute Lösung für den schlecht darzustellenden Hund bietet.

Insgesamt handelt es sich Bastian Pastewkas Hund der Baskervilles um eine unterhaltsame und letztendlich überraschende Fassung. Leider jedoch ist sie zu unspektakulär, um aus den vielen Versionen wirklich herauszustechen, ist doch der Hund die am häufigsten adaptierte Geschichte des gesamten Holmes-Kanons. Trotzdem ist sie hörenswert - und für Sherlockianer, die im Booklet sogar ausdrücklich angesprochen werden, natürlich eine schöne Ergänzung ihrer Sammlung.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.