Dienstag, 18. Februar 2014

TEUFELSGRINSEN - Infizierte Leichen & Frauen als Wissenschaftler im viktorianischen London

Krimi-Rezension von Nicole Glücklich
Redaktionsmitglied des Bakerstreet Chronicle

Mit "Teufelsgrinsen" schrieb die Wissenschaftlerin und Autorin Annelie Wendeberg ihren ersten Roman:

Dr. Anton Kronberg ist die Koryphäe auf dem Gebiet der Bakteriologie, einer noch sehr jungen Wissenschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts - und eigentlich ist er eine Frau. Als solche hätte Anna aber weder studieren, noch eine Karriere in der Medizin machen können. 

Als sie von Scotland Yard zu einem Fall hinzugezogen wird, bei dem eine mit Cholera infizierte Leiche in der Themse gefunden wird, und auf Londons berühmtesten Detektiv Sherlock Holmes trifft, bleibt ihr Geheimnis nicht lange unentdeckt. Doch Holmes möchte sie keineswegs verraten. Vielmehr bleibt den beiden nichts anderes übrig, als gemeinsam zu ermitteln.

Annelie Wendeberg ist selbst Bakteriologin und hat sich für ihren ersten Roman somit ihre Königsdisziplin ausgesucht. Bevor "Teufelsgrinsen" bei KiWi erschien, veröffentlichte sie ihre Geschichte bereits in Englisch als E-Book und fand so eine große Leserschaft. 

Wie sie selbst im Vorwort ihres Buchs schreibt, wohnt sie in einer mehr als 500 Jahre alten Schule im Osten Deutschlands - gemeinsam mit ihrer Familie und ihrem kleinen Bauernhof.

Persönliche Meinung: 
4**** (von 5 möglichen)

"Teufelsgrinsen" behandelt ein durchaus spannendes Thema: den Einsatz von infizierten Leichen als Biowaffen. Auch dass Frauen im ausgehenden 19. Jahrhundert keine wissenschaftliche Karriere beschieden war und sie Mittel und Wege finden mussten, wenn sie in diesem Bereich dennoch etwas erreichen wollten. Annas Erfindungsreichtum war sicher kein Einzelfall in einer Zeit, da alleinstehende und unverheiratete Frauen kaum eine Chance hatten, in einer Stadt wie London zu überleben, wenn sie nicht gerade einer zweifelhaften Tätigkeit nachgingen. 

Was die historischen Fakten angeht, ist "Teufelsgrinsen" ein hervorragend recherchierter Roman. Jedes Detail des bürgerlichen Lebens im viktorianischen London wurde penibel überprüft. 

Was die Einbeziehung der Figur Sherlock Holmes in die Geschichte angeht, so kann man durchaus geteilter Meinung sein. 

Ich finde, die Kronberg-Reihe wäre sehr gut ohne den Detektiv aus der Baker Street ausgekommen. Holmes wirkt ungewohnt nachsichtig und Watson erstaunlich weltfremd. Gerade ihm, als Holmes' Gefährten und selbst Mediziner von Beruf, müsste klar sein, dass Frauen sich nicht ewig von der Forschung fernhalten lassen. 

Es hätte der Figur der Anna Kronberg vermutlich sogar besser getan, wenn sie keinen gleichwertigen männlichen Konkurrenten hätte. Genauso wie es dem Spannungsbogen gut getan hätte, Annas Geheimnis nicht schon nach wenigen Seiten aufzudecken, zumal es bereits zwei weitere Bände um die kluge Forscherin mit deutschen Wurzeln gibt. 

TEUFELSGRINSEN
Autor: Annelie Wendeberg
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 240
Verlag: KiWi Paperback
Übersetzung: Kathrin Bielfeldt & Jürgen Bürger
Preis: 14,99 Euro
Preis eBook-Version: 12,99 Euro

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