Mittwoch, 5. Februar 2014

SECRET STATE - Polit-Thriller Serie startet bei ARTE und auf DVD

Krimi-Rezension von Petra Weber

Am Donnerstag (06.02.14) startet um 20:15 Uhr auf ARTE die Mini-Serie SECRET STATE (Regie: Ed Fraiman), die u.a. für den "Irish Film and Television Award 2013" und den Emmy 2013 (Kategorien: "Beste Dartsteller" & "Beste Nebendarsteller") nominiert war, mit einer Doppelfolge. Teile 3 und 4 werden dann in der Folgewoche gesendet. 

So hochgelobt sind die Erwartungen an einer britische Serie, die aus vier ca. 45-minütigen Episoden besteht, natürlich entsprechend.

Und es fängt in der Tat sehr verheißungsvoll an. Schon in der ersten Szene sieht man Tom Dawkins (Stellvertreter des Premierministers, dargestellt von Gabriel Byrne) inmitten einer Katastrophen-Landschaft, die durch eine Explosion auf dem Gelände des Ölkonzerns PetroFex in Nordengland viele Todesopfer, auch Kinderleben, gekostet hat.

Bevölkerung und Presse sind empört, fordern Aufklärung und "Wiedergutmachung", die Dawkins auch öffentlich verspricht. Kompliziert wird es,  als der Premier bei einem Flugzeugabsturz (Attentat oder Unglück?) ums Leben kommt und Dawkins als Nachfolge-Premier mit der Aufklärung der Vorgänge plötzlich allein da steht.

Im Zentrum der Macht sieht Tom Dawkins sich nur noch von der Journalistin Ellis Kane (Gina McKee), seinem Freund und Ex-Agenten Anthony Fosset (Douglas Hodge) und einer geheimen Unbekannten (Geheimdienstmitarbeiterin Agnes Evans dargestellt von Ruth Negga) unterstützt.

Freunde von Serien wie BORGEN mögen an diesem recht naiv und streckenweise langatmig dargestellten Ränkespiel von Wirtschaft, Politik und Geheimdiensten evtl. noch Freude finden. Echte Thriller-Fans haben all das schon Jahre früher in Serien wie "LUND - Das Verbrechen"  oder HOMELAND perfekter und mit wesentlich mehr Thrill umgesetzt gesehen.

Die Hauptfigur Dawkins tappst gutmütig bis dümmlich von einer Falle in die nächste, dabei meist von eigenen Leuten hereingelegt.

Dass seine simplen Manöver (z.B. öffentliche Finanzgespräche im Freien vor Downingstreet 10) ein Schuss nach hinten werden müssen, steht wohl selbst für politisch Uninteressierte von Beginn an außer Frage.

Absolut unglaubwürdig (sehen Produzenten solcher Filme keine Nachrichten?), dass so ein "guter" und grenzenlos naiver Mensch es in unseren Zeiten in die Spitzenpolitik schaffen könnte.

Um Dawkins etwas Struktur zu verleihen, hat er selbst ein -natürlich sich als harmlos entpuppendes- tödliches Geheimnis, das er mit seinem alkoholabhängigen Freund Anthony Fosset teilt.

Die Serie verzichtet weitgehend auf private Einblicke in das Leben der Protagonisten und beschränkt sich nicht nur in diesem Punkt auf ein Minimum an Drumherum-Information. Das muss sie auch, denn in 185 Minuten (geviertelt) bleibt wenig Zeit für den vermeintlich komplizierten Plot, der am Ende doch nur eine übliche Auflösung findet kombiniert mit der Erkenntnis, dass die Linien zwischen Gut (sollte es das überhaupt noch geben) und Böse wechselnd sind, aber das Gute im Weltgeschehen definitiv niemals siegt. 

Habgier, Skrupellosigkeit, Illoyalität, Korruption, Gier und Kriegslust auf privaten, politischen und wirtschaftlichen Ebenen sind die Themen dieser Serie. Leider ohne große Überraschungen.

Fairerweise sei hier aber erwähnt, dass die Handlung auf dem Roman "A very british Coup" von Chris Mullin basiert, der bereits 1982 erschien und schon Grundlage einer britischen Serie in den Achtzigern war. Heute 32 Jahre und Hunderte Polit-Skandale später, würde der Autor, der selbst Mitglied des britischen Parlaments war, seinen Protagonisten vermutlich zeitgemäßer anlegen. 

Lichtblick ist die schauspielerische Darstellung der beiden Partei-Kollegen von Dawkins Ross Yelland (Sylvestra Le Touzel), die frappierend an Hillary Clinton erinnert, und Felix Durrell (Rupert Graves), der den aalglatten Politiker so spielt, als sei er der Wirklichkeit entnommen.

Eine echte Augenweide -und damit mein persönliches Highlight- ist Geheimdienstmitarbeiterin Agnes Evans dargestellt von Ruth Negga. Zwar ist ihre Rolle inzwischen von der Wirklichkeit längst überholt (wer noch glaubt, dass einzelne Geheimdienstmitarbeiter den ganzen Tag manuell Daten über eine einzige Person per "auslösendem Wort" sammeln, statt alle irgendwie erfassbaren Daten komplett abzugreifen und per Computer auzuwerten, sollte mal "Edward Snowden" googlen), aber es ist eine Wonne, ihr beim altmodischen Abhören zu zusehen.

Fazit: Natürlich müssen Krimis/Thriller nicht 100% realistisch sein, dann müssen sie aber mit Logik und Spannung punkten. Letzteres konnte ich persönlich bei SECRET STATE leider nur in ganz kleiner Dosis entdecken.

Ab Freitag (07.02.14) ist SECRET STATE auch als DVD für 21,99 Euro im Handel erhältlich.
  • Darsteller: Gabriel Byrne, Ralph Ineson, Charles Dance
  • Format: Dolby, PAL
  • Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
  • Region: Alle Regionen
  • Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
  • Anzahl Disks: 2
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Studio: Edel Germany GmbH
  • Erscheinungstermin: 7. Februar 2014
  • Produktionsjahr: 2012
  • Spieldauer: 185 Minuten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.