Mittwoch, 12. Februar 2014

MONSIEUR WEILT NICHT MEHR UNTER UNS - Gut recherchierter, historischer Paris-Krimi

Krimi-Rezension Nicole Glücklich
Redaktionsmitglied Bakerstreet Chronicle

Mit diesem Roman erscheint in Deutschland der vierte Teil der Krimireihe um die Pariser Buchhändler Victor Legris und Kenji Mori:

In Kenji Moris Wohnung über der Buchhandlung wurde eingebrochen und eines seiner Erinnerungsstücke, ein antiker Kelch aus einem Affenschädel, eingewickelt in einem mit einem Kranich bestickten Tuch, wurde gestohlen. 

Als Kenji wenig später erfährt, dass die ursprüngliche Besitzerin ermordet wurde und die Leiche eines Mannes auftaucht, bei dessen Schwiegervater das Tuch gefunden wird, beginnen er und sein Partner die Ermittlungen. 

Der Kelch, der immer wieder den Besitzer wechselt, bringt keinem, der ihn erwirbt, Glück. Während Inspector Lacacheur im Dunkeln tappt, finden Legris und seine Kollegen den wahren Grund heraus, weshalb der Weg zu dem Kelch mit so vielen Leichen gepflastert ist.

Obwohl Claude Izner nach einem französischen Autor klingt, verbergen sich hinter dem Namen die beiden Schwestern Liliane Korb und Laurence Lefèvre. "Monsieur weilt nicht mehr unter uns" ist insgesamt bereits ihr elfter Krimi um den Pariser Amateurdetektiv Victor Legris. 

Bisher wurden leider erst vier Bände übersetzt. Die beiden langjährigen Bouquinistinnen mit ihrem eigenen Bücherstand am Seine-Ufer sind auch einzeln als Roman- und Drehbuchautorinnen erfolgreich. Mit der Romanreihe um den Pariser Buchhändler begannen sie 2003. Die Schwestern sind inzwischen 74 und 63 Jahre alt.

Schon auf den ersten Seiten wird der Geschichtsinteressierte sein erstes Aha-Erlebnis haben. Neben Henri de Toulouse-Lautrec und anderen Zeitgenossen des Paris des Jahres 1892, spielt auch - obwohl im Vorwort nicht als reale Person erwähnt -  John Thomson eine Rolle. Es wird beschrieben, dass er nach seinem Buch „Street Life in London“ gerade an neuen Fotografien der Arbeiterklasse Londons arbeitet. 

Der Izner-Roman ist somit ein historisch wirklich grandios recherchierter und atmosphärisch dichter Roman, der die Probleme und Befürchtungen der Pariser Bürger des ausgehenden 19. Jahrhunderts aufzeigt.

Dazu passt auch, dass die gebundene Ausgabe ist auf dem Vorsatz und Nachsatz mit schönen Karten von Paris und seinen Sehenswürdigkeiten versehen. Außerdem findet man hinter dem eigentlichen Roman sehr viele Buchverweise, auf die im Text Bezug genommen wird oder die für das Verständnis des Textes nützlich sein können.

Persönliche Meinung: 
4.5 Sterne (von 5 möglichen)

Die Kriminalgeschichte ist spannend aufgebaut, auch wenn das Wandern des Kelches ein klein wenig zum Running Gag der Geschichte verkommt und die Tatsache, dass jeder Besitzer nicht mehr lange zu leben hat, was den Fortgang der Geschichte im letzten Drittel ein bisschen vorhersehbar macht. 

Die Auflösung, weshalb der offenbar wertlose und dazu noch ziemlich hässliche Kelch so wichtig ist, dass viele Menschen dafür sterben müssen, ist allerdings sehr originell und passt zu der Mentalität der Zeit. 

Zudem ist die Kenntnis der vorangegangenen Romane für das Verstehen von Vorteil. Alle, die sich für die Izner-Reihe interessieren, sei also zuerst „Madame ist leider verschieden“ ans Herz gelegt.

Autor: Claude Izner
Format: gebunden
Seitenzahl: 368
Verlag: PENDO
Übersetzung: Gaby Wurster
Preis: 16,99 Euro
Preis eBook-Version: --

Wenn Sie historische Frankreich-Krimis mögen, könnte Ihnen auch gefallen:
DIE GEHEIMNISSE DES SCHWARZEN TURMS

1 Kommentar:

  1. Kenne beide Romane (Monsieur und Madame) und muss dir absolut recht geben. Ich liebe die Bücher. Habe sie schon zwei mal gelesen und sie waren auch beim zweiten Mal noch spannend.

    AntwortenLöschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.