Freitag, 6. Dezember 2013

FRANKFURT RIPPER - Facebook, Twitter & Co. als medialer Motor eines Serienkillers

Krimi-Rezension von Jörg Völker

Klaus Scholz könnte Ihr Nachbar sein. Der freundliche, ältere Herr mit dem Cord-Sakko, der höflich grüßt, wenn er die Mülltüten rausträgt. Doch wissen Sie, was er darin aufbewahrt? 

Klaus Scholz lebt in einem Frankfurter Einfamilienhaus, ist zwangsweise im Vorruhestand und besucht seine demente Mutter im Pflegeheim. Sein neues Lebensziel: Er will Deutschlands bekanntester Serienmörder werden. 

Seine Opfer wählt Scholz danach aus, welche ihm die fettesten Schlagzeilen einbringen. Unter dem Pseudonym Frankfurt Ripper bloggt er im Internet über seine Taten und gewinnt viele Anhänger. Bald zieht sich sein blutiger Pfad durch facebook und Youtube und es scheint, als mache er vor nichts halt. 

Wie wird ein Spießer zum Serienmörder? Was weckt die Bestie hinter der Maske des Biedermanns? Frankfurt Ripper ist das Psychogramm eines krank gewordenen Geistes und eine Satire auf eine ruhmsüchtige Gesellschaft, die sich mit aller Gewalt an den Rand des Abgrunds twittert. (Verlagsinfo)

Der Herostrat von heute zündelt keinen Tempel an, um berühmt zu werden. Er bedient sich der Medien, der Schnelligkeit wegen der Sozialen Medien des Internets wie z. B. Facebook. Videoclips bzw. -filme werden außerdem auf Youtube gepostet. Als Krönung wird ein umfangreicher und auffallender Eintrag bei Wikipedia angestrebt!

Klaus Scholz, die psychisch kranke Hauptperson des Kriminalromans von Martin Olden, setzt seinen Plan in Form einer Serie von immer brutaleren Morden um, deren Opfer letztlich zufällig ausgewählt sind, Hauptsache ihr Tod erhält die angestrebte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit!

Persönliche Meinung:
4,5 Sterne (von 5 möglichen)

Der Autor bedient sich einer sehr schonungslosen und ungeschminkten Sprache und spart viele blutige Details der Taten nicht aus.

Gleichzeitig stellt er den gesellschaftlichen Missstand des allgemeinen Voyeurismus bloß. Die Spannung wird erzeugt durch den ungebrochenen Drang des Mörders, bekannt und berühmt zu werden.

Ein interessanter Blick auf die Gegenwart, die vom Internet beherrscht wird.

FRANKFURT RIPPER
Autor: Martin Olden
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 212
Verlag: mainbook
Preis: 10,50 Euro
Preis eBook-Version: 6,99 Euro

Anm. KK: Jörgs Rezension gilt ausschließlich dem Buchinhalt, der ihm als eBook vorlag.

Wir möchten jedoch Folgendes dazu ergänzen: Der Autor bedient sich als Werbe-Instrument für diesen Krimi eines Internet-Blogs, auf dem er (quasi als "Frankfurt Ripper") u.a. Massenmörder vorstellt, blutige Youtube-Filmchen zeigt und Kannibalen-Rezepte unreflektiert und in voyeuristischer/exibitionistischer Manier veröffentlicht. Es ist vielleicht eine Frage des (guten) Geschmacks wie man derartige begleitende Buch-Marketing-Aktivitäten findet, allerdings kann es einem Autor mit seiner "Kritik an gesellschaftlichen Verhaltensweisen" wohl kaum ernst sein, wenn er selbst sich dieser in solcher Form bedient...

1 Kommentar:

  1. Ja, der Thriller bietet wirklich jede Menge Sozialkritik und es liest sich sehr gut. Allerdings hatte selbst ich bei einigen Szenen Probleme, obwohl ich schon bei Operationen zusehen durfte.

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