Mittwoch, 6. November 2013

SEELEN IM EIS - Yrsa Sigurðardóttirs Island-Thriller ist düster und gruselig

Krimi-Rezension von Biggi Friedrichs

Draußen tobte der Sturm und schlug noch heftiger gegen die Fenster als zuvor. Um keinen Preis der Welt wollte Óðinn zum Fenster schauen, er spürt, dass von dort etwas Bedrohliches näherkam. 

War der tödliche Sturz seiner Frau aus dem Fenster etwa kein Unfall gewesen? Hatte er zu sehr nach Antworten gesucht und damit sein eigenes Schicksal besiegelt? (Verlagsinfo)

Óðinn, dessen geschiedene Frau aus dem Fenster gesprungen ist und dabei ums Leben kam, lebt jetzt mit seiner Tochter Rún zusammen. Für ihn ist das sehr schwierig, hat er doch von Kindererziehung nicht so richtig Ahnung. Er war bisher ein Wochenendvater. 

Rún war lediglich jedes zweite Wochenende bei ihm. Das Mädchen hat den Tod ihrer Mutter noch nicht verarbeitet, schläft schlecht und hat Albträume. So beschließt Óðinn, seine Tochter in eine psychotherapeutische Behandlung zu geben. 

Doch nicht nur Óðinns Privatleben hat sich verändert, er hat seine Stelle im Geschäft seines Bruders aufgegeben und arbeitet jetzt bei einer Behörde wo er einen Fall bearbeiten soll, mit dem seine verstorbene Kollegin Roberta betraut war. 

Das Erziehungsheim Krókur soll überprüft werden, da einige Erziehungsheime mit Schadensersatzansprüchen von Heimkindern zu rechnen haben. In diesem Erziehungsheim in Krókur sind in den siebziger Jahren zwei Jungen ums Leben gekommen.

Auch in diesem Thriller hat die Autorin Yrsa Sigurðardóttir wieder gekonnt in die schriftstellerische Trickkiste gegriffen. Die Geschichte wird über zwei Handlungsstränge erzählt, die jeweils mit einem Cliffhanger enden. 

Das gibt Tempo vor und fesselt den Leser von der ersten Seite an. Es ist schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Schließlich möchte man  wissen, was Óðinn gerade erlebt oder Aldis, die im Erziehungsheim in den siebziger Jahren angestellt war, dort putzt und mehr oder weniger mit den dort schwer arbeitenden Jungen zu tun hatte.

Óðinn gerät im Laufe der Handlung immer mehr unter Druck, er hört Stimmen, fragt sich, ob der mysteriöse Tod der Jungen etwas mit dem Tod seiner Frau zu tun hat. Óðinn fühlt sich sogar in seiner Wohnung unwohl und möchte dort auch seine Tochter nicht alleine lassen. Er gibt sich eine Mitschuld an ihrem Tod und meint, seine Frau spuke in der Wohnung.

In einem 2. Handlungsstrang schildert Sigurðardóttir den Winter in den siebziger Jahren in Krokur: Schneestürme, frühe Dunkelheit und viele Schatten. Dazu Figuren, die Geheimnisse wahren, das scheinbar strenggläubige, etwas mysteriöse Paar, das das Erziehungsheim leitet, eine etwas naive Angestellte, die von einer besseren Zukunft träumt.

Zum Ende hin werden die beiden Handlungsstränge immer mehr ineinander verwoben und das eine oder andere Geheimnis kommt ans Tageslicht. Dann wieder geben Wendungen und neue Einblicke uns neue Rätsel auf. Die Stimmung von SEELEN IM EIS ist düster und gruselig.

Persönliche Meinung: 
5***** (von 5 möglichen) 

Leider musste ich Übersetzungsfehler entdecken, statt "aufgegeben" wurde z.B. "drangegeben" übersetzt. Dieses Wort passt nicht. Man kann keinen Hof "drangeben". Man gibt ihn auf.

Sehr schön: Am Anfang des Buches gibt es ein Personenregister, das das Zuordnen der isländischen Namen und Personen erleichtert.

Yrsa Sigurðardóttir spielt mit dem Geisterhaften, Mysteriösen und schafft so eine düstere, gruselige Stimmung, die sich erst am Schluss der Geschichte löst. Das Ende ist so richtig bitterböse.

SEELEN IM EIS ist fesselnde, spannende Unterhaltung ohne viel Blutvergießen mit Gruseleffekten und tragischen Ereignissen.

SEELEN IM EIS
Autorin: Yrsa Sigurðardóttir
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 368
Verlag: Fischer Verlag
Übersetzung: Tina Flecken
Preis: 9,99 Euro
PreiseBook-Version: 9,99 Euro (identisch mit Taschenbuch)

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