Donnerstag, 21. November 2013

MARK FRANLEY - Harry Potter war schuld...


Innerhalb der eBook-Krimiszene etablieren sich inzwischen einige Autoren, denen es gelingt, mit ihren Publikationen eine beachtliche Zahl treuer Leser zu gewinnen. Einer von ihnen ist Mark Franley. 

Biggi Friedrichs hat sich mal auf (Blut-)Spurensuche begeben und dem Autor, der unter Pseudonym schreibt, ein paar Fragen für uns gestellt.

Wie kamen Sie zum Schreiben?
MF: Indirekt durch Harry Potter, aber über Umwege…
Ich war schon immer ein Mensch der sich kreativ gerne ausprobiert. Neben der Ölmalerei habe ich auch schon Holzschmuck hergestellt, eben einfach versucht, was mir gerade in Sinn kam. Die Malerei ging auch ganz gut, allerdings stieß ich irgendwann an Grenzen die mir aufzeigten, dass es ohne Ausbildung nicht weitergehen kann. 

Bei dem Holzschmuck lag es eher an der fehlenden technischen Ausstattung, dass ich da nicht weiterkam. Im Nachhinein betrachtet waren das alles aber nur Stationen, die mich zur Schriftstellerei führten und hier fühle ich mich nun angekommen.

Irgendwann kam dann Harry Potter und ich dachte mir, es kann doch nicht so schwer sein, selbst eine Geschichte zu schreiben. (Natürlich hatte ich nicht den Anspruch ein derart komplexes Werk wie Potter zu machen, denn das ist aus meiner Sicht ein Meisterwerk.) 

Ich setzte mich also hin und begann eine Fantasy-Geschichte zu schreiben. Allerdings brauchte ich geschlagene drei Jahre und das nur für den ersten Teil. Ich gab das Skript meiner Frau und sah sie in den folgenden zwei Tagen nur noch zum Essen…sie fand es gut und kam nicht davon los. (Das Buch ist übrigens nicht veröffentlicht, da ich es noch einmal überarbeiten müsste.)

Von da an beschloss ich, die Schreiberei ernster zu nehmen und so entstand mein erstes, veröffentlichtes Buch „Grimstein", dessen Fertigstellung dann auch nur noch drei Monate dauerte. Als ich in der Folge auch von echten Lesern positive Rückmeldungen bekam, folgte meine Thrillerserie um Mike Köstner, deren Erfolg mich immer noch sprachlos macht. 

Sie haben unglaublich viele Rezensionen bei Amazon. Wie erklären Sie sich das? Haben Sie so viele Bekannte, die eine Rezension schreiben?
MF: Also ich will nicht lügen. Ich glaube zwei, oder drei der knapp 600 Rezensionen sind tatsächlich von Bekannten, der Rest kommt von mir unbekannten Lesern. Die Menge der Rezensionen liegt wahrscheinlich einfach nur an der Anzahl der verkauften Bücher. Immerhin war „Benutzt" drei Monate lang fast ununterbrochen in den Kindle Top 10 vertreten.

Dann nutze ich dieses Interview doch gleich mal für ein ganz herzliches Dankeschön an alle Leser, die sich die Mühe einer Bewertung machen. Danke!!! 

Sie haben  mir erzählt, dass Sie eine leichte Rechtschreibschwäche haben, wie gehen Sie damit um?
MF: So etwas habe ich erzählt; das würde mir heute nicht mehr passieren :-) 

Aber im Ernst, unsere schöne Muttersprache ist nicht gerade die einfachste und die deutsche Rechtschreibung mag mich nicht sonderlich. So eine Handvoll Kommata war schnell über den Text gestreut, was nicht bei jedem Leser gut ankam. 

Am Anfang war ich so arrogant zu glauben, die Word-Korrektur und Gegenlesen würde reichen, dann kamen die ersten Rezensionen… muss ich weiterreden?

Inzwischen habe ich eine vertrauenswürdige Agentur gefunden und investiere gerne ein paar Euro in die professionelle Überarbeitung meiner Texte. Seitdem klappt es auch mit den Sternchen bei Amazon. 

Haben Sie eine bestimmte Schreibzeit oder ein bestimmtes Ritual beim Schreiben?
MF: Eigentlich nicht. Ich schreibe wenn ich gerade Zeit habe und wenn vor allem Ruhe herrscht. Nichts ist schlimmer als ständige Ablenkung; da reicht schon der Laubsauger des Nachbarn, der jede Konzentration unmöglich macht. Der eine oder andere Mord in meinen Büchern resultiert vermutlich aus dem Geräusch, das Gartengeräte machen :-)

Woher nehmen Sie Ihre Ideen für Ihre Thriller, z. B. für "Karla"?
MF: Meine Buchideen resultieren immer aus Themen, die mich beschäftigen, erschüttern oder einfach ärgern. Sei es der Umgang zwischen Menschen im Internet, Kindesmissbrauch oder die Kirche… Es gibt noch so einiges, was meine Bücher füllen wird.

Natürlich schreibe ich auch über Dinge die mich positiv beeinflussen, aber das fließt dann mit in die bösen Geschichten ein. Die Grundidee meiner Bücher ist immer mit dem Bösen verflochten - es fasziniert mich einfach.  

Hat sich Ihr Leben verändert, seit Sie schriftstellerisch tätig sind?
MF: Ja, ich habe weniger Zeit für andere Hobbys, aber das ist vollkommen in Ordnung. Dafür habe ich jetzt die Chance, irgendwann nur noch das zu tun, was ich wirklich will. Es ist nicht mehr nur ein Traum, sondern mein ganz konkretes Ziel, von meinen Büchern leben zu können. 

Welchen Schriftsteller würden Sie gerne einmal treffen und was würden Sie ihn fragen?
MF: J.K. Rowling, die ich fragen würde, wie man bei einer derart langen Geschichte den Überblick behält. 

Durch Harry Potter ziehen sich derart viele Fäden, die irgendwann wieder aufgegriffen werden und plötzlich wichtig sind, dass ich mich wirklich frage, wie Rowling das gemacht hat. Man mag von den Büchern halten was man will, aber aus schriftstellerischer Sicht ist es eine geniale Leistung.

Hat Sie ein Vorbild inspiriert?
MF: Mich inspirieren eher einzelne Ideen und Visionen als einzelne Menschen. Einen Menschen als absolutes Vorbild habe ich nicht.

Wie gehen Sie  mit Kritik an Ihren Thrillern um? 
MF: Nachvollziehbare Kritik ist sehr wichtig und diese nehme ich auch gerne an. Wie ich schon geschildert habe, waren die Ohrfeigen bezüglich der mangelnden Rechtschreib-Qualität meiner Bücher so eine konstruktive Kritik, die mich auf jeden Fall zu meinem Glück gezwungen hat. Meine Bücher, auch die ersten, sind inzwischen selbstverständlich professionell überarbeitet.

Ich denke aber, die Frage soll  auf etwas anderes hinauslaufen: Ich habe ja schon einige Male öffentlich meinen Unmut bezüglich diverser Ein-Sterne-Rezensionen bei Amazon geäußert. Ich akzeptiere natürlich jede schlechte Bewertung von echten Lesern, die meine Bücher einfach nicht gut finden. 

Wo mir aber nach wie vor die Hutschnur hochgeht ist, wenn inhaltlich völlig sinnfreie Rezensionen geschrieben werden, nur um ein Buch schlecht dastehen zu lassen.

Hier kann man eigentlich nur an die Leser appellieren, sich durch die sehr ausführlichen Leseproben selbst ein Bild zu machen und sich bei der eigene Meinungsfindung nicht alleine auf die Rezensionen zu verlassen.
(Anm. KK: siehe auch unseren Artikel zu Amazon-Sternebewertungen)

Gibt es  witzige/kuriose Erlebnisse mit Lesern?
MF: Nicht direkt. Aber ich bin immer wieder positiv überrascht, wie viele Menschen mir schreiben und zum Teil auch Hilfe anbieten. Auf Facebook hat sich zum Beispiel ein Leser, der beruflich Sicherheitsberater ist, bei mir gemeldet und mir angeboten die technischen Angaben (z.B. zur Überwachungstechnik) in meinen Geschichten zu überprüfen.

Was können Sie sich gar nicht vorstellen zu schreiben?
MF: Ich sagte einmal Liebesromane, doch inzwischen schließe ich eigentlich nur noch das Schreiben von Gebrauchsanleitungen aus :-)

Gibt es ein neues Projekt?
MF: Ich versuche herauszufinden, was mit der Psyche eines Menschen passiert, wenn man jemandem Stück für Stück die Kontrolle über sein eigenes Leben entzieht. Wenn sich alle Sicherheiten in Luft auflösen und man ausgeliefert ist, obwohl man sich scheinbar frei bewegen kann.

Wenn ich meine Vorstellung gut zu Papier bringe, sollte am Ende ein reinrassiger Psychothriller vor mir liegen.

Wir bedanken uns bei Mark Franley und Biggi Friedrichs für diese Fragen & Antworten und wünschen dem Autor noch viel Erfolg!

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