Freitag, 29. November 2013

MALAVITA (Hörbuch) - Sehr gelungene Satire über Gut & Böse und die Grauzone dazwischen

Autor: Tonino Benacquista
Verlag: DAV
Auflage: November 2013
Sprecher: Gordon Piedesack
7 Audio CD mit 545 Min.
ungekürzte Lesung
Preis: 19,99
Krimirezension: Tanja Werner


Im Schutz der Nacht zieht eine amerikanische Familie in ein Haus im malerischen Cholong-sur-Avre in der Normandie ein. Das Familienoberhaupt, Fred Blake, erzählt allen, er schreibe ein Buch. Seine Frau Maggie engagiert sich karitativ und ihre beiden Kinder gehen auf das örtliche Gymnasium. Auf den ersten Blick eine ganz normale Familie. 

Aber Fred heißt in Wahrheit Giovanni Manzoni und war einer der ganz großen Mafia-Bosse in den USA, bis ihn das FBI erst ins Zeugenschutzprogramm, dann nach Frankreich verfrachtete. Doch da er sich nicht gut darauf versteht, sich unauffällig zu verhalten, ist in der neuen Heimat Ärger vorprogrammiert. (Verlagsinfo)

Tonino Benacqustas MALAVITA wird getragen vom Sprecher Gordon Piedesack. Er ist so eindeutig „Mafiosi“, er könnte locker auch Marlon Brando in der Pate synchronisiert haben, wäre der Film nicht in seinem Geburtsjahr entstanden, womit das ausgeschlossen ist. Piedesack spricht großartig und ist wirklich die Säule und Seele dieses Hörbuches.

Inhaltlich ist das Hörbuch aber weniger eine Komödie als eher eine Satire mit gelegentlichem Schmunzel-Effekt. Das durch sein Exil sehr melancholische, ja fast schon traurige Familienoberhaupt Giovanni alias Fred Blake, hadert mit seinem Schicksal. Und heimlich ohne es auszusprechen hadert die ganze Familie mit.

Dabei wird jeder Charakter schlüssig aufgebaut. Frau und Kinder wirken tatsächlich glaubwürdig verstimmt über das durch die beendete Mafia-Kariere des Vaters auferlegte Leben im Zeugenschutzprogramm. 

Jedoch sucht sich jeder seine Nischen. So erfreut sich Ehefrau Maggy durch ihre Allianz mit den CIA-Agenten, die zur permanenten Überwachung abgestellt sind, immer der brandaktuellsten Informationen über die gesamte Nachbarschaft, während Warren, pubertärer Filius der Familie, in der Schule gleich sein eigenes kleines Netzwerk aufbaut, um in die Fußstapfen seines Vaters zu treten.

Nicht zuletzt die Namensgeberin Malavita – das schlechte Leben – die Familienhündin der Blakes ist auch immer irgendwie verstimmt und lässt sich nur selten im Kreise der Familie sehen. Dabei spielt sie doch eine entscheidende Rolle...

Persönliche Meinung: 
5***** (von 5 möglichen)

Bis auf den Show-Down, welcher der Geschichte am Ende noch einmal richtig Tempo und Spannung verleiht, ist dieses Hörbuch eine sehr gelungene Satire über Gut und Böse und die Grauzone dazwischen.

Großartig gelesen und interpretiert, spannend und dabei bisweilen ein wenig philosophisch, hat mich das Ganze ungemein angesprochen und sehr gut unterhalten.

Ich bin mir nicht sicher, ob der gerade angelaufene Kinofilm von Luc Besson mit Robert de Niro und Michelle Pfeiffer die typisch französische Feinsinnigkeit umsetzen konnte - wage das angesichts des Kino-Trailers aber ernstlich zu bezweifeln.

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