Montag, 7. Oktober 2013

TETAPHRATE - Fantastisch, surrealistisch & skurril, aber kaum Krimi

Krimi-Rezension Nicole Glücklich
Redaktionsmitglied The Bakerstreet Chronicle

Mit dem ungewöhnlichen Kriminalroman „Tetaphrate“ präsentiert der bayerische Autor Peter Biber sein Erstlingswerk:

Alfons Dirnberger ist, "Geheimagent beim unwichtigsten Geheimdienst der Welt, der einen Gemüseverkäufer mimen muss", doch weder seine Arbeit, noch seine Kollegen und Vorgesetzten und schon gar nicht die Frauen um ihn herum machen ihm das Leben leicht. 

Dann gerät er in einen Fall hinein, der zuerst ganz einfach und langweilig klingt: eine Vase wurde aus dem Ägyptischen Museum gestohlen – doch plötzlich wird er von Mumien und einer muslimischen Bruderschaft verfolgt, sieht sich mit einer altägyptischen Pharaonin und dem Weihnachtsmann konfrontiert. Als hätte er nicht schon genug andere Probleme...

Schon die Aufmachung des Buches lässt den skurrilen Inhalt erahnen: Festgebunden mit gelbem Umschlag in einem gelben Schutzumschlag und selbst der Innenteil ist gelb. 

Das ist vielleicht ein wenig irritierend, stört aber nicht weiter beim Lesen. Ein schwarzes Lesebändchen rundet die gelungene und auffällige Bindung des Buches ab.

Der Inhalt ist meiner Meinung nach leider eher weniger gelungen. Zu wenig Kriminalgeschichte, zu viele verworrene Handlungsfäden, in denen man sich schnell verheddert, zu viele skurrile Figuren, die das Geschehen unaufhaltsam vorantreiben und den (Anti-)Helden von einer irrwitzigen Situation in die nächste schlittern lassen. 

Man merkt, dass der Autor, wie er selbst sagt, ein großer Fan von Douglas Adams und Terry Pratchett ist – genau daran erinnert es sehr.

Und als Teil dieses halb fantastischen, halb surrealistischen Genres ist die Geschichte womöglich sogar sehr gelungen; als Krimi hingegen enttäuscht die auf über 400 Seiten ausgebreitete Geschichte eher. 

Prinzipiell ist ja gegen skurrile Geschichten nichts einzuwenden, allerdings stellt sich die Frage, wer dafür 24,80 Euro ausgibt, genauso wie die Frage, warum viele gute Krimis und Thriller nur als schnell zerlesenes Taschenbuch erscheinen. Vielleicht mag man das Buch auch als Kunst betrachten, um den hohen Preis zu rechtfertigen.

Gelegenheits- und Straßenbahn-Lesern ist das Buch ebenfalls nicht ans Herz zu legen. Nicht nur, dass es dafür zu schwer, sperrig und schade ist, die Handlung ist auch zu verwirrend, um es nach ein paar Seiten immer wieder wegzulegen.

Wer sich die Zeit nimmt, in Dirnbergers Abenteuer einzutauchen und Geschichten in der Art von Pratchett und Co. mag, wird auch an „Tetaphrate“ seinen Spaß haben – alle anderen sollten sich den Kauf lieber überlegen und stattdessen vielleicht in zwei klassische Krimis investieren.

Titel: TETAPHRATE
Autor: Peter Biber
Format: gebunden
Seitenzahl: 409
Verlag: edition Lichtland
Preis: 24,80 Euro
Preis eBook-Version: 15,99 Euro

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