Montag, 21. Oktober 2013

SEBASTIAN BERGMAN Spuren des Todes I (DVD) - Man braucht Geduld, aber dann...

TV-Krimi-Rezension von Petra Weber

"Die schallgedämpfte Pistole hustete leise, und alle Bewegungen des Mannes froren ein, als hätte jemand in einem Film auf die Pause-Taste gedrückt.(...) Er war bereits tot, sein Herz von der Kugel punktiert, als er aufkam. Ganz so, als hätte ihn eine unsichtbare Hand brutal in die stabile Seitenlage geworfen." (Zitat: DIE TOTEN, DIE NIEMAND VERMISST). 

Bei meinem Versuch, mich mit den Büchern der Autoren Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt und ihren Sebastian Bergman-Krimis anzufreunden, habe ich nach diesem Absatz auf den ersten Seiten aufgegeben. Für mich sind solche Sätze (außer in einem Comic) sprachlich gewollt gequirlter Mist. Nun weiß man bei übersetzten Büchern ja nie, wer so etwas verantwortet. Der Autor oder der Übersetzer?

Deshalb wartete ich sehnsüchtig auf die Verfilmung der Bergman-Reihe, die schon parallel (2010) zur Buch-Veröffentlichung von den Autoren produziert und deren erste beide Folgen jetzt an den vergangenen beiden Sonntagabenden im ZDF um 22:00 Uhr ausgestrahlt wurde, um herauszufinden, ob abseits der sprachlichen "Qualität", mich die beiden Autoren mit ihren Handlungsfantasien überzeugen könnten.

Aber Hjorth & Rosenfeldt machen es einem wirklich schwer.

Wer die Hintergründe zur Story nicht kennt, dürfte im
Teil 1 DER MANN, DER KEIN MÖRDER WAR
seine liebe Not gehabt haben, zu verstehen, wer der Psychologe und Buchautor "Sebastian Bergman" ist, was ihn außer seinem Tsunami-Trauma (Verlust von Frau und Tochter vor Jahren) umtreibt, ja was er überhaupt mit der Handlung -ein Jugendlicher wird ermordet und ausgeweidet- zu tun hat, wo er die Mord-Ermittlungen doch nur für seine privaten Recherchen nutzt.

Wirre Film-Schnitte und wahnhafte Kameraführung machen es dem Zuschauer zusätzlich schwer, einen Handlungsfaden zu erkennen. Tatort-Zuschauer kennen schon die Wackel-Kameraführung "aus der Hand heraus", die einen voyeuristischen Video-Amateur-Live-Charakter simulieren soll, welche bei langweilender Handlung aber einfach nur tierisch nervt. 

So hat dieser erste Teil der Reihe, dessen berechenbares Ende man schon früh ahnt, außer reichlich Blut wenig mit dem skandinavischen Thrill zu tun, den man von anderen Thrillern aus dem europäischen Norden (z.B. LUND oder DIE BRÜCKE) kennt und schätzt.

Man mag sich zudem kaum vorstellen, dass Schwedens Damenwelt erotisch so bedürftig sein soll, in dem griesgrämigen, stark übergewichtigen, ungepflegten, aber allseits und jederzeit im Bild erscheinende Rolf Lassgård‎ nicht nur einen Sex besessenen Womanizer zu erkennen, sondern gewillt ist, sich ihm auch reihenweise hinzugeben.

Immer dann, wenn ein Hauch Spannung und Tempo aufzukeimen droht, wird er sofort von sehr langsamer, Drama tragender Beerdigungmusik erstickt.

Teil 2 
hatte ich dementsprechend schon innerlich abgehakt. Nur zur Bestätigung meiner negativen Meinung habe ich ihn mir dann doch noch angesehen und war erstmals angenehm überrascht.

Strukturierter steht plötzlich die Figur Sebastian Bergman sinnvoll (und nicht nur als Deko) im Zentrum einer Geschichte, die -wenn auch nicht immer logisch- den Zuschauer mitnimmt, sogar berührt. Einige der Frauen, die Bergman "persönlich kannte" (und es scheint viele zu geben) werden vergewaltigt und ermordet. Der vermeintliche Täter, der Bergmann hasst und dessen Mordmuster offensichtlich kopiert wird, sitzt allerdings bereits seit Jahren im Gefängnis.

Das Bilderwirrwarr verdichtet sich diesmal wirklich zu einer Thriller-Handlung, die richtige Spannung -trotz der ausbremsenden Musik- zulässt. Und erstmals wirkt Rolf Lassgård, in seiner Rolle sogar glaubwürdig.

Es bleibt abzuwarten, ob die Steigerung in Folge 2 ein "Ausrutscher" war oder einen positiven Trend anzeigt, der sich in den beiden kommenden Episoden, die bereits produziert sind und in 2014 im ZDF ausgestrahlt werden, fortführt. Ich werde der Serie, trotz der Startschwierigkeiten, dann noch einmal eine Chance geben.

Wer nach Teil 1 wirklich ausgestiegen ist und sich vielleicht Folge 2 doch noch ansehen möchte: Ab morgen (22.10.13) gibt es die Doppel-DVD  "SEBASTIAN BERGMAN - Spuren des Todes" im Handel für 19,99 Euro.
  • Darsteller: Rolf Lassgård
  • Format: Dolby, PAL
  • Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
  • Region: Alle Regionen
  • Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
  • Anzahl Disks: 2
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Edel Germany GmbH
  • Erscheinungstermin: 22. Oktober 2013
  • Produktionsjahr: 2010
  • Spieldauer: 200 Minuten

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