Sonntag, 29. September 2013

MARA FERR: Am Anfang ist das Ende (Interview)


Ab und zu fallen uns Krimis abseits des Mainstreams in die Hände, bei denen wir den (noch) nicht prominenten Autoren ganz fest die Daumen drücken, dass sie viele Leser für ihre Werke finden. 41 RUE LOUBERT und AUX CHAMPS-ÉLYSÉES von Mara Ferr gehören dazu.

Aus diesem Grund haben wir Biggi Friedrichs gebeten, der österreichischen Autorin ein paar Fragen für uns zu stellen.

Wann haben Sie entdeckt, dass Ihnen Schreiben Spaß macht?
Schon als Kind habe ich Bücher aller Art verschlungen, von Pinocchio über Dinosauriersachbücher, und war immer davon fasziniert, wie durch geschriebene Sprache Bilder im Kopf entstehen können. 

Vor zwei Jahren dann beobachtete ich von einem Straßencafé in Paris aus den Passantenstrom und verspürte plötzlich Lust, die Szenerie in meinen eigenen Worten festzuhalten.

Anfangs hatte ich keinerlei Vorstellung davon, was sich daraus entwickeln würde – Erlebnisaufsatz? Kurzgeschichte? Tagebucheintrag? Am Ende war es ein Buch. :-)

Wann und wo wurde Ihre erste Geschichte veröffentlicht?
41 Rue Loubert wurde am 9. Januar 2012 bei tredition veröffentlicht.

Von der Idee bis zum Krimi - Wie dürfen wir uns diesen Prozess bei Ihnen vorstellen? 
Am Anfang war das Ende … Tatsächlich fällt mir das Ende einer Geschichte immer zuerst ein und ich arbeite mich über ca. 300 Seiten zu diesem durch. Dabei passiert es immer wieder, dass während des Schreibens neue Ideen entstehen und die Geschichte sich dadurch verändert oder auch für mich unerwartete Wendungen nimmt.

Die Protagonisten Ihrer Krimis, sind so unglaublich lebendig beschrieben und sehr sympathisch. Wie entsteht eine Figur, z.B. diese treue, nette, gut aussehende Hausfrau Claire? Gibt es reale "Vorlagen"?
Ich beobachte gerne Menschen und stelle mir manchmal vor, wie ihr Leben aussehen könnte. Oftmals lerne ich auch beeindruckende Menschen persönlich kennen und versuche dann, meine Protagonisten daran anzulehnen.

In jeder Hinsicht reale Vorlagen gibt es für mich nicht, jede Figur in meinen Büchern soll sich frei entwickeln können und möglichst keine Klischees bedienen. Ähnlichkeiten mit mir bekannten oder befreundeten Menschen lassen sich natürlich nicht immer vermeiden, vielleicht macht das die Lebendigkeit und Authentizität aus.

Stand für Sie schon von Anfang an fest, wie der Kriminalroman "Aux Champs Élysées" enden wird oder hat sich die Geschichte in diese Richtung entwickelt (ohne zuviel vom Ende verraten zu wollen)? 
In meiner ersten Vorstellung hatte ich ein völlig anderes Ende im Sinn, auf das sich der Verlauf der Geschichte konzentriert hat. Erst auf den letzten 10 Seiten drehte sich unvermutet der Wind noch einmal. :-)

Warum spielen Ihre Krimis in Frankreich? 
Ich war schon immer ein absoluter Fan des französischen Films, vor allem des klassischen film noir. Bei meinen Reisen nach und in Frankreich passiert es immer wieder, dass ich an Handlungsschauplätzen vorbei komme und mich sofort in Szenerien einspüren kann. Daher auch meine Vorliebe für Frankreich, im Besonderen für Paris.

Wie können wir uns Ihren Tagesablauf als Autorin vorstellen? 
Da ich berufstätig bin, beschränkt sich mein „Schriftstellertum“ leider auf meine spärliche Freizeit. Dabei kann es durchaus passieren, dass ich im Urlaub mehrere Tage/Nächte am Stück an einem Buch arbeite, gefolgt von einer langen Phase des „Nichts-Tuns“.

Regelmäßig an einem Buch zu schreiben gelingt mir überhaupt nicht, da Ideen oder Eingebungen meist erst während der „Schreibe“ in Fluss kommen.

Was machen Sie, wenn Sie nicht schreiben? Haben Sie Hobbies? 
Meine große Leidenschaft ist das Reisen. Wann immer es mir zeitlich (und finanziell) möglich ist, sitze ich im Flugzeug oder bin on the road, um auf Entdeckungsreise zu gehen.

Die Begeisterung am Lesen konnte ich mir aus meiner Kindheit bewahren. Krimis, Thriller und literarische Romane kommen bei mir an erster Stelle.

Haben Sie eine/n Schriftsteller/in als Vorbild? 
Mein „großer Meister“ im Krimi-Genre ist Stephen King; weniger, weil ich von Horror- oder Mystikinhalten angetan bin, sondern vielmehr, weil ich seinen Sprachstil liebe und seine subtilen Beschreibungen, die mehr ahnen lassen, als sie preisgeben.

Wie wichtig ist Leser-Betreuung über Facebook, Homepage, generell Social Media für Sie? 
Grundsätzlich finde ich persönliche Leserbetreuung bei z.B. Lesungen am wichtigsten, da dabei zwischenmenschliche Kommunikation nicht ausgespart bleibt.

Dennoch weiß ich auch den virtuellen Kontakt zu meinen Lesern z.B. über facebook sehr zu schätzen, auch Bücherblogs oder Communities, die sich mit Literatur beschäftigen, sind meiner Meinung nach eine Bereicherung in der weiten Landschaft des Schreibens und Gelesen-Werdens.

Besonders spannend ist für mich, wenn sich trotz tausender Kilometer Entfernung durch den Cyberspace eine persönliche Freundschaft entwickelt, die über das gemeinsame Interesse an einem bestimmten Buch entsteht.

Welches Buch/eBook lesen Sie selbst zur Zeit?
Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde, printbook.

Bevorzugen Sie gedruckte Bücher oder lesen Sie lieber eBooks?
Zu Hause liebe ich es, wenn überall Bücher herumliegen, die gelesen werden wollen – eines am Nachttisch, eines neben dem Küchenherd, am Badewannenrand …. Im Urlaub hingegen bevorzuge ich das ebook, einfach deshalb, weil es weniger Platz in meinem stets übergewichtigen Koffer einnimmt.

In welchem Genre werden wir nie eine Veröffentlichung von Ihnen erwarten dürfen? Warum nicht? 
Horror- oder Science Fiction Bücher werde ich mit Sicherheit niemals schreiben. Dazu fehlt mir ganz einfach die Phantasie, auch das Interesse an dieser Thematik hält sich bei mir in Grenzen.

Verraten Sie uns etwas über Ihr neues Projekt?
Mein dritter Kriminalroman spielt erneut in Paris und lebt von Protagonisten aus gesellschaftlichen Randgruppen – sowohl den ärmsten als auch den reichsten. Konträre Welten prallen da aufeinander und selbstverständlich entstehen unglaubliche Spannungsfelder, die sich nicht immer gewaltfrei lösen lassen.

Wir bedanken uns bei Mara Ferr und wünschen ihr viel Erfolg mit ihren Krimis und uns noch viele schaurige Paris-Thriller aus ihrer Feder.
Aux Champs Élisées                       41 Rue Loubert

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