Freitag, 2. August 2013

DIE LUST DES BÖSEN - Brutaler Thriller, der viele Fragen offen lässt

Krimi-Rezension von Biggi Friedrichs

Der erste Fall der jungen Profilerin Lea Lands. In Hitlers ehemaligem Fahrerbunker in den Katakomben unterhalb der Stadt Berlin wird die grauenhaft zugerichtete Leiche einer jungen Frau gefunden. Kurz darauf passiert ein zweiter Mord, der frappierende Ähnlichkeiten mit dem ersten Fall aufweist.

Hat es die Berliner Polizei hier mit einem Serienkiller zu tun? Lea Lands ermittelt in der rechten Szene und lernt Jack, den smarten Chef der Nationalpartei, kennen, in den sie sich auf den ersten Blick verliebt und mit dem sie eine leidenschaftliche Affäre beginnt. 

Aber dann beschließt die Profilerin ein dunkler Verdacht: Könnte Jack etwas mit dem grauenhaften Morden zu tun haben? Immer tiefer gerät sie im Laufe ihrer Ermittlungen in einen Sumpf aus unvorstellbarem Grauen, Besessenheit, Wahnsinn und nationalsozialistischem Fanatismus. (Verlagsinfo)

Von Anfang an ist dem Leser der Mörder Wenger bekannt. Er erhält eine sehr genaue Beschreibung von Wenger, seiner Vergangenheit und seinem Leben und wird Zeuge seiner unglaublich brutalen Taten. Die Autorin Cassandra Negra schreckt hier nicht vor detailgenauen Beschreibungen zurück.

Eine der Hauptpersonen in diesem Thriller, die Profilerin Lea Lands, wird genau charakterisiert. Man erhält einen Einblick in ihr Privatleben und ihre erotischen Träume.

Lea Lands soll zusammen mit ihrem Kollegen Max Hoffmann, der zunächst gar nicht von der jungen Kollegin begeistert ist, die Ermittlungen in diesen Mordfällen übernehmen. Ihr Kollege Max Hoffman hat ein Vorliebe für SM und bucht dafür bei einem Escortservice "Damen". 

Nachdem Lea hat ein Profil des Täters erstellt hat, lässt sie sich von ihrem ehemaligen Professor zum Fall beraten.

Cassandra Negra schildert in diesem Thriller die Morde sehr sachlich und nüchtern. Auch einige Sexszenen werden von ihr sehr genau wiedergegeben. Richtig fesseln konnte mich dieser Thriller dennoch nicht. 

Der Plot wirkt zu konstruiert, in Nebenhandlungen wird hier sehr viel Energie gesteckt, die Ermittlungen kommen zu kurz. Beispielsweise wird genau geschildert, welche Eheprobleme einige Teilnehmer haben, die die Wolfsschanze besichtigen, und warum sie die Wolfsschanze besuchen. Dabei war eigentlich nur wichtig, dass Besucher der Wolfschanze die Leiche einer Ermordeten finden. Wie Wenger die Frau zur Wolfschanze gebracht hat, wird dagegen überhaupt nicht erzählt.

Noch ein Beispiel: Wir erfahren, dass Max Hoffmanns Nachbarin von ihrem Ehemann geschlagen wird, diesen dann aber doch nicht verlassen wird. Für die Geschichte völlig irrelevant.

Geschichtliche Fakten von verschiedenen Bauwerken aus der Zeit des Nationalsozialismus in Berlin, beispielsweise das Olympiastadion, der Fahrerbunker, die Wolfschanze werden nebenbei erzählt. Politische und soziale Probleme werden angesprochen, dabei bleiben Spannung und Logik leider etwas auf der Strecke. Insbesondere die Dialoge sind sehr kurz gehalten, oft wird das Geschehen  in Gedankengängen der einzelnen Personen oder in indirekter Rede mitgeteilt.

Persönliche Meinung:
3*** (von 5 möglichen)

Ich bekam den Eindruck, dass möglichst viele Themen wie Prostitution, gewaltbereite, rechtsradikale Gruppen, Politikverdrossenheit, Charisma und Unglaubwürdigkeit der Politiker nebst Gewalt in der Ehe in den Thriller gepackt werden sollten.

Die Ermittlungarbeit des LKA gerät dabei in den Hintergrund zudem wird der Täter am Schluss etwas zu plötzlich entlarvt, Jack zu schnell entlastet und was mit Mitgliedern der Gruppierung "Black Brothers" geschehen ist, die eine Frau vergewaltigten, wird gar nicht aufgeklärt. 

Deshalb nur 3 Sterne für diesen äußerst brutalen Thriller, der zu viele Fragen offen lässt, dafür zu viel Gewicht auf Nebenhandlungen legt.

DIE LUST DES BÖSEN ist broschiert (476 Seiten) bei Jerry Media für 14,95 Euro erschienen.

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