Donnerstag, 29. August 2013

DER MANN IM PARK - Schweden-Thriller aus einer anderen Zeit

Krimi-Rezension von Petra Weber

Die achtjährige Ingrid wird ermordet aufgefunden. Kommissar John Stierna verspricht der verzweifelten Mutter, den Mörder zu finden. Jahre später hat Stierna dem Kriminaldienst den Rücken gekehrt. Doch der Mord an der kleinen Ingrid hat sich in sein Gedächtnis gefräst. Als ihn ein Journalist kontaktiert, der über den Fall schreiben will, entflammt Stiernas Spürsinn erneut. Was ist damals wirklich passiert?

Stockholm 1928: Auf einer verlassenen Werft wird die achtjährige Ingrid Bengtsson grausam zugerichtet aufgefunden. Der Fall sorgt für Aufsehen, und der junge Kommissar John Stierna wird mit den Ermittlungen betraut. Es beginnt die Jagd nach einem Mörder, der so gut wie keine Spuren hinterlassen hat. Doch Stierna ist sich seiner Sache sicher, und er verspricht der verzweifelten Mutter des Mädchens, den Mörder ihrer Tochter zu finden. 

Gotland 1953: John Stierna hat dem Kriminaldienst den Rücken gekehrt. Den Mord an der kleinen Ingrid hat er jedoch niemals vergessen, und als er von einem Journalisten kontaktiert wird, der an einem Artikel über spektakuläre Mordfälle arbeitet, beginnt Stierna sich erneut mit dem Fall zu beschäftigen. Doch die Zeit drängt, in wenigen Tagen verjährt der Mord an dem Mädchen, und der Täter könnte für immer entkommen. (Verlagsinfo)

Das Krimi-Debüt des Schweden Pontus Ljunghill spielt gleich doppelt in der Vergangenheit auf den beiden Zeitebenen der 20er bzw. 50er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Dass der Autor selber Kriminologe ist, erklärt sicher wieso man ihm sehr glaubhaft die Recherche und Akribie abnimmt, mit der sein Protagonist Stierna die Lösung seines schwersten Falles herbeiführen möchte. Sehr schön zu lesen wie Ljunghill die beiden unterschiedlichen Zeiten durch Vokabeln dieser Zeit im Text stützt (auch Dank der entsprechenden Übersetzung).

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Wer einen klassischen, schwedischen Thriller heutiger Skandinavien-Machart erwartet, wird sicherlich schnell enttäuscht sein. Keine rasanten Schnitte, keine detailliert zelebrierten Grausamkeiten, keine temporeiche Action.

Im Gegenteil. So lähmend langsam wie der Kommissar voran kommt, so langsam muss sich auch der Leser dem Text verschreiben. Und was wie Kritik klingt, ist hier als Kompliment gemeint, spielt die Geschichte doch in beiden Handlungsebenen zu Zeiten, die auch im realen Leben wesentlich langsamer liefen.

Geduld war eine erforderliche Tugend der dieser Zeit Lebenden, denn die Kommunikationsmittel waren für alle Menschen und damit auch für die Kriminalisten sehr langsam und oft nur spärlich, wenn überhaupt vorhanden. Die Forensik steckte in den Kinderschuhen. 

DER MANN IM PARK macht beim Lesen das Gehetztsein, die Schnelligkeit unserer Zeit bewusst.

Wer wie ich düstere Schwedenkrimis mag, ein überraschendes Ende schätzt und sich auf langsame Geschichten einlassen kann, wird seine Freude an DER MANN IM PARK haben. Wer's schnell und heftig liebt, sollte zu einem anderen Buch greifen.

DER MANN IM PARK ist broschiert (560 Seiten) im Heyne Verlag in einer Übersetzung von Christel Hildebrandt für 16,99 Euro erschienen.

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