Montag, 29. Juli 2013

TÖDLICHER SUMPF - Unklare Zusammenhänge & Über-Informationen bremsen die Spannung

Krimi-Rezension von Nora

Die 27-jährige Nola ist Zeitungsreporterin in New Orleans und muss sich ihre Sporen in der Lokalredaktion mit Veranstaltungstipps und Klatschgeschichtchen verdienen. Doch schließlich bekommt sie ihre erste wirkliche Chance: Sie soll einen großen Artikel über freigelassene Sexualstraftäter schreiben. 

Die Gespräche mit Tätern und Opfern, die sie führen muss, sind allerdings nicht leicht zu verkraften. Ihre Recherche führt Nola in die verschiedensten Gegenden des immer noch von Hurrikan Katrina schwer mitgenommenen New Orleans. 

Als eine junge Touristin aus einem Restaurant entführt und etwas später ermordet aufgefunden wird, beschleicht Nola die Furcht, dass sie selbst im Laufe ihrer Recherche für den Artikel womöglich mit dem Täter gesprochen hat und er jetzt sie verfolgen könnte. Dann verschwindet eine zweite Frau … (Verlagsinfo)

Nola Soledad Céspedes, 27 Jahre, Latina mit kubanischen Wurzeln, arbeitet als Reporterin im eher unbedeutenden Ressort „Leben & Mehr“ bei der örtlichen Tageszeitung The Times-Picayune (nola.com). 

Ihren Alltag lebt sie mithilfe von zu viel Alkohol und den flüchtigen sexuellen Abenteuern abseits des Footballfeldes. Verpflichtungen und Festlegungen aller Art liegen ihr nicht sehr. Ausnahme: In ihrem Job. Doch auch dort eckt sie an.

Im Epilog wird die Entführung einer jungen Frau beschrieben. In den folgenden Kapiteln widmet sich die Autorin Joy Castro ausführlichst – einer Persönlichkeitsstudie gleich – dem Leben von Nola Céspedes sowie ihren aktuellen Recherchen für eine Reportage über die Resozialisierung von Sexualstraftätern. 

Dabei geht es in einem nicht unerheblichen Ausmaß um das Leben in New Orleans vor und nach Hurrikan Katrina im Jahr 2005. 

Der Leser wird mit unzähligen Straßennamen, Lokalitäten, Restaurationen, Bezirksinformationen sowie mit Hintergrundinformationen, die ein übliches Maß deutlich übersteigen, geradezu Verwirrung stiftend befeuert.

Das Übermaß an Informationen, die Recherchearbeiten und das ausschweifend geschilderte Privatleben der Protagonistin führen dazu, dass die Entführung (Epilog) stark in den Hintergrund rückt, gar in Vergessenheit gerät. 

Erst am Ende der Geschichte kommt die Autorin wieder darauf zurück und stellt wie selbstverständlich einen Gesamtzusammenhang her, so dass ich mich als Leser fragen musste: Wo war der hauchdünne Faden, der sich durch die Geschichte gezogen haben soll? 

Als Kriminalroman veröffentlicht, kann ich den Erstling von Joy Castro keinem Freund von spannender Unterhaltungsliteratur empfehlen. 

Zu viele Längen, fehlende Spannung, unklare Zusammenhänge und abdriftende Informationen im Überfluss erwecken den Eindruck, die Autorin konnte sich nicht für ein Genre entscheiden. Die Geschichte schwankt zwischen Reise- bzw. Stadtführer, Lokalgeschichte, und Katastrophenberichterstattung.

Und das alles geschrieben im Präsens aus der Sicht der Protagonistin in Form einer Ich-Erzählerin, was mir persönlich leider gar nicht zusagt.

TÖDLICHER SUMPF ist als Tachenbuch (400 Seiten) bei dtv in einer Übersetzung von Susanne Wallbaum für 9,95 Euro erschienen.

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