Dienstag, 23. Juli 2013

MANHATTAN - Don Winslows Hommage an das vergehende Jazz-Zeitalter & die beginnende Beat-Ära

Krimi-Rezension von Jörg Völker

Weihnachten 1958 in New York: Die künftige First Lady und ihr Mann halten Hof in der Stadt, beglücken die Presse und beleben die Partylandschaft. Für ihre Sicherheit ist Walter Withers verantwortlich. Der Ex-CIA-Mann blickt tiefer hinter die Kulissen des Traumpaars, als ihm lieb ist – und findet sich bald im Zentrum einer Verschwörung wieder … 

Walter Withers kündigt seinen einträglichen Job bei der CIA und kehrt als Personenschützer aus Schweden zurück in seine Herzensstadt New York. 

Es ist Weihnachten 1958, ein gutes Jahr vor der nächsten Präsidentschaftswahl gilt der junge Senator Joe Keneally als heißester Anwärter der Demokraten auf den Posten. Ihn und seine Frau Madeleine soll Withers während ihres Aufenthalts in New York beschützen. 

Er kommt ihnen so nahe wie kaum ein anderer, flaniert mit ihnen über den Broadway, trifft auf Beat-Poeten und die High Society der Stadt, ist von Stars und Sternchen umgeben. Bis Marta Marlund tot in Withers’ Hotelzimmer gefunden wird – und er alle Hände voll zu tun hat, seine Unschuld zu beweisen … (Verlagsinfo)

Die Geschichte spielt in einer schon fernen Zeit, am Ende der 50er Jahre, innerhalb weniger Tage. Sie wird dementsprechend auch anders erzählt als die heutigen Thriller mit ihrem „Run“ durch die „Story“, mit ihren scharfen Schnitten, mit ihren eiskalten „Killern“ und ihren verstümmelten Opfern.

Nein, „Manhattan“ ist eine Hommage Don Winslows an das vergehende Jazz-Zeitalter und die beginnende Beat-Ära: Lokale, Hotels, Essrituale, Trinksitten und Stimmungen, alles aufs Genaueste und Feinste geschildert. Die Präsidentschaft Eisenhowers nähert sich ihrem Ende, die Verfolgungen der McCarthy-Zeit sind noch fühlbar, Nixon möchte Eisenhower beerben und John F. Kennedy (im Buch John Keneally genannt), der demokratische Hoffnungsträger, sitzt in den Startlöchern.

Alles wird vom FBI argwöhnisch beäugt und ebenso vom Geheimdienst, ausländische Dienste nicht zu vergessen (aber für diese Geschichte zu vernachlässigen).

Persönliche Meinung: 
4,5 Sterne (von 5 möglichen)

Der Leser erfährt sehr viel über menschliche Schwächen, die beinahe zwangsläufig zu Angriffspunkten und Abhängigkeiten führen, so dass verständlich wird, wie schnell charismatische Politiker durch ihre Persönlichkeitsstruktur vom „Sockel“ gestürzt werden und als ganz normale und gewöhnliche Amtswalter in die Geschichte eingehen (das gilt übrigens nicht nur für Amerika!).

Das Buch ist bereits 1997 erstmals auf Deutsch erschienen. Die Neuauflage ist m.E. nach mehr als gerechtfertigt. 

Ein großartiges Stück Literatur mit einem exzellenten Sprachgefühl geschrieben, das süchtig macht auf den Ausgang der Geschichte!

MANHATTAN ist in der Neuauflage (Erstauflage 1997 "Manhattan Blues") als Taschenbuch (404 Seiten) bei Suhrkamp in einer Übersetzung von Hans-Joachim Maass auch als eBook-Version für 9,99 Euro erschienen.

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