Mittwoch, 17. Juli 2013

LANDGERICHT - Ein spannendes Wechselbad der Gefühle, aber kein Münsterland-Krimi

Krimi-Rezension von Jörg Völker

Kurz nach Mitternacht schlurft Marius Bahr den verwaisten Bahnsteig in Gertenbeck entlang. Niedergeschlagen und in Gedanken versunken bemerkt er die Gruppe angetrunkener Jugendlicher zunächst gar nicht. Da trifft ihn schon der erste Schlag. Wenige Stunden später ist Marius tot. Hauptkommissar Bernhard Hambrock ermittelt im privaten Umfeld des Ermordeten – und stößt hinter der Fassade von Erfolg und Rechtschaffenheit auf eine Welt aus Zwietracht und Missgunst. (Verlagsinfo)

Eine Mordgeschichte, aus zwei Blickwinkeln erzählt, läuft in den beiden parallelen Handlungssträngen des Kriminalromans von Stefan Holtkötter ab. 

Einmal aus der Sicht des ermittelnden Kommissars Bernhard Hambrock, zum anderen vom Opfer Marius Bahr aus gesehen. Hambrock geht davon aus, den Fall gelöst zu haben, als der Prozess gegen drei Schüler vor dem Landgericht Münster beginnt. Er muss aber zu seiner Überraschung im Laufe der Verhandlung erkennen, dass nichts abschließend geklärt ist. 

Ungeachtet aller Hindernisse aus Justizkreisen, aus der Familie des Opfers und aus der Presse nimmt er die Ermittlungen wieder auf, dieses Mal noch sorgfältiger und misstrauischer gegenüber den Beteiligten und den Zeugen.

Der andere Strang berichtet über die letzten Monate im Leben von Marius Bahr, seine große Liebe zu Nathalie und seine massiven und grundsätzlichen Schwierigkeiten mit seinem Elternhaus.

Persönliche Meinung: 
3,5 Sterne (von 5 möglichen)

Der Autor legt einen raffiniert konstruierten Plot vor, dessen Handlungsstränge er gekonnt und auf eine immer spannende Art und Weise zum überraschenden Finale zusammenführt. 

Die Schwierigkeiten der (erneuten) Ermittlung sind präzise geschildert, wohingegen die letzten Monate des Lebens von Marius Bahr ein Wechselbad der Gefühle hervorrufen: zum einen die Hochstimmung einer großen Liebe, zum anderen die Kälte eines Elternhauses, in dem wider die Realität das Wunschdenken eines Patriarchen durchgesetzt werden soll, ohne Rücksicht auf andere, was letzten Endes scheitert, ja scheitern muss.

Einziger Wermutstropfen ist leider die Bezeichnung des Buches als Münsterland-Krimi, denn ich vermag hier keine ortstypischen Anhaltspunkte zu finden. Weder die Landschaftsschilderungen noch die handelnden Personen sind an das Münsterland gebunden!

LANDGERICHT ist als Taschenbuch (320 Seiten) bei PIPER für 9,99 Euro erschienen. Das eBook ist für 8,49 Euro erhältlich.

1 Kommentar:

  1. Mir hat's leider nicht so gut gefallen. In diesem Roman steckt ein Übermaß an Klischees. Das fängt schon mit den ersten Sätzen an: "Kurz vor Mitternacht. Vereinzelt drückten sich Gestalten im Neonlicht herum, die Schultern hochgezogen, die Hände tief in den Jackentaschen vergraben. Eine kalte Windböe fegte über das Pflaster (...)" Fehlt nur noch der Spannungs-Erzeugungs-Klassiker: "Irgendwo bellte ein Hund."

    Auch die Figuren: Wo gibt es denn - bitte - heute noch derart knorrige hinterwäldlerische Firmenpatriarchen wie Gevatter Baar? Ach so, im fiktiven Gertenbeck natürlich, das - hier stimme ich Ihnen zu - ebenso blass bleibt, wie die übrigen Schauplätze des Romans.

    Und die schöne Nathalie: "kluge Augen und eine Haut wie Milchkaffee" - mein Gott, das hört sich an wie ein Heftchenroman aus den Fuffzigern.



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