Dienstag, 2. Juli 2013

GUN MACHINE - Schwarzer Humor, skurrile Typen & sehr plastische Beschreibungen

Krimi-Rezension: Nicole Glücklich
Redaktionsmitglied Bakerstreet Chronicle

Gun Machine“ ist der zweite Roman von Comic-Artist Warren Ellis:

NYPD-Polizist John Tallow hat den beschissensten Tag seines Lebens. Bei einem Routineeinsatz wird sein Partner von einem Verrückten im Hausflur erschossen. Doch damit beginnt sein Alptraum erst. 

In der Wohnung, vor der sein Partner erschossen wurde, findet Tallow eine riesige, merkwürdig im Raum drapierte Waffensammlung – und wie sich herausstellt, gehört jede einzelne Waffe zu einem nicht geklärten Mordfall. 

Seine Vorgesetzte ist alles andere als begeistert und droht ihm, dass sie seine Karriere beenden wird, wenn er den Fall nicht schnellstmöglich aufklärt. Insgeheim hofft sie wohl sogar darauf, denn sie hält Tallow für einen gestörten Soziopathen. Doch der macht sich mit den Forensikern Scarly und Bat an die Arbeit und erkennt bald die gesamte Tragweite des Falls, in den er zufällig hineingestolpert ist...

Warren Ellis ist nicht der typische Buchautor. Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass seine Welt aus Bildern besteht und er diese auch so plastisch wie möglich in das Medium Buch transportieren möchte. 

Der 45-jährige Brite ist seit über 20 Jahren als Comic-Zeichner für die größten amerikanischen Comicverlage tätig. Er entwickelte Storys für die bekanntesten Superheldencomics von Marvel und DC, ersann aber auch eigene Comicreihen. 2007 erschien sein erster Roman „Gott schütze Amerika“.

Eben jene Plastizität der Erzählung wäre dem Buch beinahe zum Verhängnis geworden und ich hätte nach kaum zehn Seiten aufgegeben und es zur Seite gelegt. Die Ermordung von Tallows Partner wird so detailliert beschrieben, dass einem die Lust aufs Weiterlesen durchaus vergehen kann. Zum Glück jedoch entwickelt sich das Buch noch zu einer soliden Kriminalgeschichte mit einer guten Portion schwarzen Humors und absolut skurrilen Charakteren. 

Auch die Idee, die Geschichte einmal aus der Sicht des ermittelnden Detectives und einmal aus der Sicht des Killers zu schildern, ist zwar nicht neu, jedoch gut umgesetzt.

Persönliche Meinung: 4**** (von 5 möglichen)

Insgesamt hätte die Geschichte als Comic vermutlich sogar besser funktioniert als in bloßen Worten. Doch so bleibt jedem Leser genügend Raum für die eigene Fantasie – vor allem in den Szenen, da der Killer das Mannahatta der amerikanischen Ureinwohner vor seinem geistigen Auge wiederauferstehen lässt.

GUN MACHINE ist als Taschenbuch (384 Seiten) bei Heyne in einer Übersetzung von Ulrich Thiele für 8,99 erschienen. Das eBook GUN MACHINE ist für 7,99 Euro erhältlich.

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