Freitag, 14. Juni 2013

DIE DA KOMMEN - Dystopie und Origami


Krimi-Rezension von Biggi Friedrichs

Sie sind nicht aufzuhalten.

Ein siebenjähriges Mädchen tötet seine Großmutter auf brutale Weise. Ein tragischer Einzelfall, sagen die Experten. Doch sie täuschen sich. Überall auf der Welt kommt es zu grausamen Gewalttaten, die Kinder gegen ihre Familien verüben.

Der Anthropologe Hesketh Lock hat zunächst ein ganz anderes Rätsel aufzuklären. Hesketh ist ein »Troubleshooter«: weltweit wird er zur Aufklärung interner Skandale in globalen Unternehmen eingesetzt. Sein aktueller Fall führt ihn nach Taiwan. 

Hesketh entdeckt als Erster ein Muster in den sich häufenden Fällen von schwerer Industriesabotage und den Attacken von Kindern gegen Erwachsene, die wie zwei Epidemien den ganzen Erdball erfassen. 

Wer sind die geheimnisvollen »sie«, von denen immer wieder die Rede ist? Sind »sie« die treibende Kraft hinter den dramatischen Ereignissen? (Verlagsinfo)

Hesketh Lock, ein Anthropologe, leidet am Asperger Syndrom. Deshalb kann er nicht manipuliert werden und ist für Sagen und Mythen auch nicht empfänglich. Aus diesen Gründen wird er als Troubleshooter zu einigen Fällen gerufen, bei denen es um Sabotage geht.

Die bisher loyalen Mitarbeiter begehen nach der Sabotage Selbstmord. Die Mitarbeiter reden davon, kleine Gestalten gesehen zu haben und ordnen diese Gestalten der Mythologie ihres jeweiligen Landes zu. Hesketh kommt der Sache durch mathematische Diagramme und Rechnungen auf die Spur und glaubt so langsam den Mitarbeitern, was seinem Vorgesetzten überhaupt nicht passt.

Hesketh ist ein seltsamer Ermittler, der dem Leser in der Ich-Perspektive die Geschichte erzählt. Auf den ersten 200 Seiten geht es hauptsächlich um seine Ermittlungen in den Firmen und um die kürzlich erfolgte Trennung von seiner Frau und deren Sohn Freddy K.

Unter der Trennung von Freddy K. leidet er sehr. Der Leser wird mit Heskeths Sichtweise konfrontiert, entsprechend unemotional ist die Geschichte erzählt, dabei werden einem viele Fachbegriffe um die Ohren gehauen, kluge Sprüche von Philosophen und Mathematikern, man wird mit der Quantenphysik konfrontiert, speziellen Diagrammen und mit Origami, denn Hesketh faltet ständig irgendwelches Papier zu kleinen Kunstwerken.

Den Lesern fesselt das erst einmal überhaupt nicht, Spannung kommt keine auf, Heskeths Origami nervt irgendwann. Ab ca. Seite 200 kommt etwas Spannung auf, hier häufen sich dann die Berichte über Kinder, die sich verändern und nahestehende Erwachsene töten.

Hesketh kommt der Lösung so langsam auf die Spur, gerät aber auch in Gefahr, will er doch Freddy K. schützen, denn der ist ja auch ein Kind.

Das Buch von Liz Jensen ist nicht einfach zu lesen und es fehlt für einen Thriller deutlich an Spannung. Diesen Roman würde ich eher als Dystopie bezeichnen, der uns vor dem Kapitalismus und seine Folgen warnt. Für Thrillerfans kann ich keine Leseempfehlung aussprechen, die werden enttäuscht sein.

DIE DA KOMMEN ist als Taschenbuch (320 Seiten) bei dtv in einer Übersetzung von Susanne Goka Klinkenberg für 14,90 Euro erschienen.

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