Sonntag, 30. Juni 2013

DER STERNE TRÜGERISCHER SCHEIN - Wenn Autoren Leser verschaukeln

Von Petra Weber

In einer idealen Welt würden wundervolle Krimis geschrieben, die wundervolle, verdiente und gerechte Rezensionen bekämen.

Die reale Welt ist anders: Es gibt grottenschlechte Kriminalromane, die jede Menge enthusiastische, unverdiente und ungerechte 5 Sterne-Rezensionen bekommen. Es ist nicht alles Gold was glänzt...

Gerade im eBook-Bereich bei Selfpublishern fragt man sich nicht selten, wie die wundersame Anzahl an 5 Sterne-Rezensionen bei einigen Büchern zustande gekommen ist. Texte, denen man selbst vielleicht gerade mal 1-2 Sterne verliehen hätte, wegen ihrer unübersehbar mangelhaften Formatierung, Rechtschreibung, Grammatik und/oder ihres unverständlichen, langweiligen und fehlerbehafteten, sprachlich schlichten Inhaltes.

Die Antwort ist simpel: Diese Autoren rezensieren sich auf Amazon & Co. nicht selten selbst,  sie vereinen sich in Autorengruppen, die sich gegenseitig "freundlich" rezensieren oder sie zahlen für diese Rezensionen an Texter, die sich darauf spezialisiert haben.

Einige Autoren machen auch gar kein Geheimnis daraus. Da liest man in sozialen Netzwerken gar, dass dies nicht nur legitim, sondern sogar zwingend nötig sei und -man mag es nicht fassen- vom Leser Verständnis erwartet werden könne, denn die Konkurrenz sei groß, der Verdienst gering, die Möglichkeiten nun mal leicht und verlockend. Der Zweck heiligt die Mittel.

Mehr Sterne = besseres Ranking = bessere Aufmerksamkeit = mehr Umsatz.

Deutschsprachige Autoren scheinen ernsthaft zu glauben, dass freie Berufswahl (auch als Autor) einen garantierten Mindestlohn  beinhaltet. "Ich habe was getextet (und natürlich mit viel Herzblut und Zeitaufwand), also steht mir doch auch Lohn zu." hört man da immer wieder. Und notfalls wird dann halt mit Fake-Rezensionen nachgeholfen. 

Zumal schlechte Rezensionen aus Sicht dieser Autoren niemals Resultat der Qualität ihrer Texte sind, sondern lediglich ungerechte Ergebnisse des Neidverhaltens ihrer Kollegen, da wird schnell mal von eigenen Verhaltensweisen auf andere geschlossen.

Wie bei Gammelfleisch und Mogelpackungen können wir Verbraucher/Leser nicht auf die Einsichtsfähigkeit der Produzenten hoffen und müssen uns selbst vor den manipulativen Betrugsversuchen solcher Autoren schützen durch
  • Aufklärung,
  • erhöhte Achtsamkeit 
  • Boykott "schwarzer Schafe".
Deshalb hier unsere Tipps:
  • Wenn Sie auf Leserbewertungen beim Buchkauf auf Internet-Portalen achten, ziehen Sie in Betracht, dass diese dreiste Fälschungen sein könnten.
  • Werden Sie misstrauisch, wenn ein Buch direkt nach Veröffentlichung schon Bewertungen vorweist.
    (Nachtrag: Dies kann allerdings auch durch Leserunden im Vorveröffentlichungszeitraum entstehen)
  • Hat ein Buch ausschließlich 5 und 4 Sterne-Bewertungen, seien Sie skeptisch. Selbst die beliebtesten Bestseller gefallen nicht jedem Leser und haben auch kritische Bewertungen. 
  • Sehen Sie sich mal die Rezensenten an. Verteilen diese durchweg nur gute Bewertungen? Erst seit Kurzem? Vielleicht sogar nur für einen Autor oder gar immer für das gleiche Grüppchen Autoren?
  • Lesen Sie in jedem Fall die Buchbeschreibung und die Leseprobe. Wimmelt es von Rechtschreibfehlern, trotz ausnahmslos positiver Beurteilungen?
  • Haben Sie den dringenden Eindruck, dass bei den Rezensionen etwas faul ist? Dann kaufen Sie weder dieses Buch noch ein anderes dieses Autors.
  • Wenn Sie hingegen ein Buch anspricht, kaufen Sie es doch auch, wenn es noch keine Bewertungen hat. Ein fairer Autor, der auf echte Leserbewertungen wartet, sollte nicht unter seinen betrügerischen Kollegen leiden.
  • Vergeben Sie selbst bitte auch Sterne und geben Sie zumindest eine Kurz-Beurteilung ab. Je mehr ehrliche Bewertungen zusammenkommen, desto fundierter wird das Gesamtbild für uns Leser. 
Fairerweise möchten wir aber auch darauf hinweisen, dass das Fälschen von Rezensionen sogar gegen Honorar nicht nur bei eBooks vorkommt, sondern von einigen Verlagen/Autoren im Printbereich sogar recht professionell betrieben wird, was vom Käufer nicht so leicht zu erkennen ist.

Siehe auch die Artikel
von Dradio Kultur "Fünf Sterne auf Bestellung" 
und
"Manche Selfpublisher und Umgang mit Rezensenten, Lesern und Bloggern"

Deshalb unser Fazit für Leser:
Beurteilen Sie ein Buch nicht nur nach seinen Internet-Sterne-Bewertungen. Verlassen Sie sich auf Ihr eigenes Gefühl, die Leseprobe und Ihren gesunden Menschenverstand. Sehen Sie sich im Zweifel auch mal unter den unabhängigen (!) Literatur-Bloggern Ihres Vertrauens um, ob es dort vielleicht schon besprochen wurde. 

Und an die Zunft der schreibenden Fälscher und Täuscher:
Langfristig ist das "Marketing-Instrument" Fake-Rezensionen ein Schuss nach hinten. Inzwischen haben sich viele Blogger vernetzt und tauschen Listen mit Namen von Autoren, die durch Rezensions-Betrug aufgefallen sind. Diesen Autoren werden wir es in Zukunft schwer machen wo wir können und wir werden ehrliche Rezensionen ihren Täuschungsversuchen entgegensetzen!

Kommentare:

  1. Schöner Artikel,
    warum veröffentlicht ihr nicht einfach eine Liste mit den Autoren die Fake Rezis haben, oder gekaufte?
    Da gibt es sicher jede Menge:
    Nur so mal laut gedacht.
    LG JO

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    1. Absolut, Jo. Schreiben kann man viel. Eine konstruktive Methode wäre eben diese Liste mit den Fake-Sternen. So würde jeder genau wissen, wie die ,,Schwarzen Schafe,, heissen.@KrimiKiosk. Klar, das wird auf alle Fälle strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Wenn man aber schriftliche Beweise hat, (wird kaum machbar sein) dürfte das eigentlich kein Problem darstellen.

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    2. Wir werden in solche Autoren weder Zeit noch Geld für juristische Auseinandersetzungen investieren. Das tun wir lieber für Autoren, die unser Interesse und Geld verdienen. ;-)

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    3. Und wie soll das gehen? Man musste jedem einzelnen Rezensenten nachweisen, dass das, was er bzw. sie geschrieben hat, NICHT ihre Meinung ist. Wer bitte soll sich das denn anmaßen?

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    4. Ja, das ist nicht machbar. Mit ein wenig Übung und gesundem Menschenverstand kommt man auch hier -wie überall im Leben- weiter ;-)

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  2. Hallo,
    eine solche Liste könnte teure strafrechtliche Konsequenzen mit sich bringen.

    Und wir geben die Hoffnung nicht auf, dass sich langsam herumspricht, dass dieses aggressive Autorenmarketing kontraproduktiv ist.

    LG aus Köln
    Petra Weber

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  3. Der normale(einfache)Leser hat da nicht den Hauch eine Chance, diese Fake Rezis zu erkennen.
    Er müsste schon in der Branche arbeiten.
    Vielleicht gibt es ja noch eine NICHT Strafrechtlich zu belangende Methode, diese schwarze Schafe zu nennen ?
    LG JO

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    1. Es gibt ja noch einen ganz anderen Weg, den wir auch empfehlen: Sich einfach anders und nicht über Sterne auf Portalen zu informieren, sondern über Freunde, Buchhändler, Blogs und Foren.
      Irgendwelche Listen wären immer unvollständig und falsch.

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  4. Danke für die Aufklärung und die Tipps

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  5. Vielen Dank für diesen Artikel. Ich bin selbst Autorin (erst seit Kurzem) und kann mich dem nur anschließen. Es ist für den Autoren ein wenig wie Applaus, wenn gute Rezis geschrieben werden. Und ja, es herrscht immer noch der Glaube, dass viele Fünfersternchen das Buch puschen. So musste ich vor kurzem feststellen, dass eine 5-Sterne-Rezi auf mein Buch von einer Person aus einer FB-Gruppe stammt (nicht bestätigter Kauf), was ich vorher nicht wusste, da der User mir nicht bekannt war. Also rätselte ich, wer der User war, wie er an das Buch gekommen ist, wenn es doch ein nicht bestätigter Kauf war. Via FB-Nachricht informierte mich eine Person aus o.a. Gruppe, dass sie dieser User ist.
    So, und wie geht man nun als ehrliche Haut mit sowas um? Ich selbst schreibe keine Rezis und will auch keine gutgemeinten Weil-wir-uns-über-die-Gruppe-kennen-Rezis. Was tun? Ist jetzt mein Ruf als Autor ruiniert, weil ich von einer Person der Black-List eine unverlangte Fake-Rezi erhalten habe? Ich habe Amazon diese Bewertung gemeldet und um Löschung gebeten. Passiert ist noch nichts. Nun werde ich die Person selbst um Löschung bitten. Das hätte ich vielleicht zuerst tun sollen. Aber ich bin an dieses Thema ohne Arg herangegangen und - vielleicht ein Fehler - glaube ich immer noch an das Gute im Menschen.
    Aber - ist jetzt das Kind in den Brunnen gefallen und keiner kauft mehr meine Bücher, weil ich eine Fake-Rezi erhalten habe, auf die ich nicht scharf war und um die ich nicht gebeten hatte?
    Also, was tun? Aus der besagten Gruppe austreten, die eine Menge netter Menschen und informativen Posts beeinhaltet - nur weil ein paar schwarze Schafe ihr Unwesen treiben und aufgeflogen sind? Wahrscheinlich ja. Denn bleibe ich in dieser Gruppe, gehöre ich wohl mit zu den schwarzen Schafen ...
    Kann man sich vorstellen, wie es mir und evtl. auch anderen Autoren geht, die sich ehrlich über eine Rezi eines unbekannten Lesers freuen und dann im Nachhinein feststellen, dass dies nur aus Nettigkeit (oder warum auch immer - vielleicht erhofft sich derjenige ja eine Revanche ...) geschah? Beschissen träfe es am ehesten.

    Liebe Grüße einer von allen Seiten enttäuschten Autorin

    Ich finde es unmöglich, welche Abgründe dieses Thema erreicht hat.

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    1. Hallo Marie H. Berger,

      an dieser Stelle muss mal was ergänzt werden. Wir sehen z.Zt. die Diskussion in einigen Foren und stellen fest, dass sich nun ausgerechnet die Falschen Sorgen machen.

      Bei unserer Kritik an Fake-Rezensionen, ging es nicht um einzelne Rezensionen, die z.B. mal ein Familienmitglied im Überschwang der Freude geschrieben hat oder die unverlangt von einem Kollegen gespendet wurden.

      Es geht um eine Form Autoren mit aggressivem Autorenmarketing, die eine Vielzahl von Rezensionen selbst schreiben oder in Auftrag geben und Rezensenten, die ihre Werke nicht glorifizieren massiv unter Druck zu setzen versuchen.

      Was wir hier jetzt von Ihnen lesen, lässt uns leider auch vermuten, dass dieser Druck innerhalb bestimmter Autorengruppierungen und -Foren gegen Autoren stattfindet.

      Rezensiere ich Dich, dann rezensierst Du mich.

      Man kann diesem Vorgehen wohl nur durch Distanz zu den betreffenden Personen begegnen. Und durch ein gutes Beispiel.

      Viele Leser kaufen auch Bücher mit durchschnittlichen Bewertungen. Autoren sollten sich endlich vom Amazondruck befreien und sich nicht von Kollegen und Rankingwahn kirre machen lassen.

      Gelassenheit zeigen und das Beste geben. Dann klappt's auch mit dem Leser.

      Viel Erfolg und nicht entmutigen lassen
      Liebe Grüße aus Köln

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  6. Lieben Dank für das Trösterchen :) Wehret den Anfängen. Auf einmal bin ich mitten drin in der Schlacht und wollte nur ein Blümchen pflücken ... ;-)

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  7. Divina Michaelis30. Juni 2013 um 22:15

    @ Marie H. Berger

    Bewertungen setzen sich nicht aus einer einzigen Rezension zusammen, sondern aus vielen verschiedenen. Eine einzige Fünf-Sterne-Rezension wird sicherlich nicht gegen den Kauf stehen, wenn der Klappentext auf das Buch schon neugierig macht und auch die Leseprobe stimmt. Von alleine verkauft sich ein Buch allerdings auch nicht.

    Es ist ja nun nicht so, dass man als Autor ein Buch schreibt und alle Welt hat nun genau auf dieses Buch gewartet. Der Traum vom großen Geld geht nur für die wenigsten Autoren in Erfüllung. Die anderen (wie ich auch) sollten froh sein, wenn sie hin und wieder mal ein Buch verkaufen können. Es liegt also nicht an einer unverdient erhaltenen Rezension alleine, wenn das Buch weiter nicht gekauft wird. Es muss schon an den richtigen Stellen beworben werden - und es muss überzeugen, sodass man dann auch echte Rezensionen erhält.

    Wie man nun andere Bewertungen erhält? Umschauen, wer in Foren ehrliche und nicht nur Gefälligkeitsrezensionen erstellt. Diese Menschen anschreiben und fragen, ob sie Interesse haben, dein Buch kostenlos zu lesen und es dafür ehrlich zu rezensieren. Die Investition dafür liegt in ein paar Amazongutscheinen oder kostenlosen Exemplaren, die direkt zugeschickt werden.

    Ganz wichtig ist dabei aber auch: Man muss damit rechnen, dass ebendiese Rezensenten nicht so begeistert von dem Buch sind, wie man selber es ist. Gerade aus diesen Rezensionen kann man viel lernen.

    Sei also nicht verbittert über die eine falsche Rezension, sondern überlege dir, was du machen kannst, damit sich dein Buch verkauft.

    @ Krimikiosk

    Toller Artikel! Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen.

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  8. Guten Tag,

    toller Artikel, finde ich auch.
    Traurig, dass Fake-Rezensionen ein hoffnungsvolles Medium wie E-Books (und deren Verfasser) in Verruf bringen. Auf das Spiel "rezensierst Du mich ... " sollte man meiner Meinung nach auf keinen Fall eingehen. Weg von dem Glauben an die Rezi-Sterne scheint mir auch der richtige Weg zu sein. Als Orientierungshilfe hat dieses System leider ausgedient.

    Viele Grüße
    Jürgen

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  9. Hallo,

    Ich muss sagen dass Ich mir diese Bewertungen bei Amazon oder anderen VK Platformen bei Büchern nie ansehe. Bei anderen Artikeln schon.

    das was die da machen ist echt eine Sauerei und gehört unterbunden.

    Da vertraue Ich doch lieber auf Rezensionen von guten Blogs *g* oder anderen Forenseiten.

    Grüße aus Kaiserslautern

    Philipp

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