Dienstag, 18. Juni 2013

DER SCHREI DER ENGEL - Spannend trotz einiger Längen

Krimi-Rezension von Dani Nimz

Schatten sind nur Schatten. Bis man anfängt zu glauben, sie seien mehr als das. Dann vernichten sie dich.

Detective Frank Parrish scheint für die Polizeiarbeit geboren. Sein Vater ist eine Legende unter den Gesetzeshütern von New York, denn er befreite die Stadt aus dem Würgegriff der Mafia. Nur Frank weiß, dass der postume Heiligenschein seinem alten Herrn nicht gerecht wird und rebelliert gegen dessen Saubermann-Image. 

Doch es wird Zeit, aus den Schatten herauszutreten: Ein 16-jähriges Mädchen wird grausam ermordet aufgefunden, mit abrasierten Haaren und lackierten Fingernägeln. Und bald darauf verschwinden weitere junge Frauen. Ein Serienmörder bringt das Grauen zurück auf die Straßen New Yorks .... (Verlagsinfo)

Die Idee zur Figur des Frank Parrish aus "Der Schrei der Engel" – Originaltitel: Saints of New York – ist entstanden, nachdem RJ Ellory im Jahre 2008 im Rahmen eines BBC-Features die Gelegenheit bekam, FBI-Ermittlern in Washington über die Schulter zu schauen. 

Es sollte ein Ermittler sein, der sich kümmert, den es interessiert, welche Wahrheiten hinter den Taten stehen, der vergessenen Toten eine Geschichte gibt. Dies ist ihm mit dem Team Frank Parrish/Jimmy Radick sehr gut gelungen. 

Zunächst lernen wir Frank kennen. Alkohol- und tablettenabhängig, geschieden, unbewältigte Vergangenheit, am Boden – das Übliche eben. Das perfekte Gegengewicht kommt in Gestalt seines neuen Kollegen Jimmy Radick, dem aufrechten, gesetzestreuen, moralisch einwandfreien Neuling, dem es ein ums andere Mal gelingt, Frank aus dem Sumpf zu ziehen. Trotz gelegentlicher Längen und Wiederholungen in der Beschreibung der Abstürze und Nabelschauen Frank Parrishs alles in allem ein gut ausbalanciertes Team.

Persönliche Meinung: 4**** (von 5 möglichen)

Die Story teilt sich zwei große Bereiche. Zum einen sind da Mordfälle, ausgehend von dem Doppelmord an einem Junkie und seiner Schwester, die sich als Teile einer weit zurückgehenden Serie herausstellen - dieser Teil ist extrem spannend bis zum Schluss, auch die Auflösung ist exzellent gelungen. 

Neben den Mordfällen, die Frank und Jimmy aufzuklären haben, handelt jedoch zum anderen ein Großteil des Kriminalromanes von Franks Therapie, die ihm von seinem Arbeitgeber zur Auflage gemacht wurde, und in der er versucht, sich aus dem Schatten seines verstorbenen Über-Vaters herauszuarbeiten, der in der New Yorker Polizei eine Heldenfigur darstellt, von dem Frank aber glaubt, er sei ein korruptes Schwein gewesen. 

Hier bekommt der Leser eine ellenlange Abhandlung der Geschichte der Mafia New Yorks, die mit den Fällen oder Frank Parrish selbst nicht wirklich etwas zu tun hat und gut einen eigenen Roman hätte füllen können. 

Dieser Teil hat das Lesen teilweise etwas mühsam gemacht, will man doch eigentlich lieber wissen, wie es nun mit der Aufklärung der Morde weitergeht. Für diese konstant wiederkehrende Entschleunigung gibt es von mir Punktabzug.

Etwas gerafft, vor allem im Therapieteil, wäre dieses Buch wohl von Anfang bis Ende spannend gewesen.

DER SCHREI DER ENGEL ist als Taschenbuch (576 Seiten) im Goldmann Verlag in einer Übersetzung von Stefan Lux für 9,99 Euro erschienen.

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