Sonntag, 9. Juni 2013

DEAD END - Der Thrill spielt sich im Kopf ab, finster & spannend

Krimi-Rezension von Dani Nimz

Du kannst ihn nicht sehen. Du kannst ihn nicht hören. Aber er beobachtet dich – und er kennt deine schlimmsten Ängste …

Zwanzig Selbstmorde in fünf Jahren. Meist sind es junge Frauen, die sich auf höchst ungewöhnliche Art das Leben nehmen. Zuletzt versuchte die 19-jährige Bryony Carter sich zu verbrennen. Nicht nur die Polizei vermutet, dass irgendetwas an der ehrwürdigen Universität Cambridge nicht mit rechten Dingen zugeht. Auch die Psychiaterin Evi Oliver ist besorgt. 

Nun soll sich DC Lacey Flint im Auftrag von DI Mark Joesbury als verletzlich-depressive Studentin ausgeben und den Lockvogel spielen. Doch je tiefer sie mit Evi Olivers Unterstützung in die Selbstmordserie eintaucht, desto bedrohlicher wird die Situation für beide Frauen. 

Als Lacey schließlich unter denselben Albträumen leidet, von denen die jungen Frauen in den Tod getrieben wurden, weiß sie: Sie ist die Nächste. (Verlagsinfo)

Sharon Bolton – im englischsprachigen Raum als S. J. Bolton unterwegs – hat mit ihrem aktuellen Thriller Dead End ein sehr böses Buch geschrieben. 

Dieses Buch geht mehr unter die Haut als jeder Splatterthriller, weil das Ganze so subtil daherkommt. Allein der Gedanke, dass man jemanden so manipuliert, dass er sich am Ende das Leben nimmt, scheint so absurd. Ganz ohne Blut und Gedärm geht es natürlich hier auch nicht, aber es hält sich doch sehr in Grenzen. Der richtige Thrill spielt sich im Kopf ab. 

Die Geschichte ist durch und durch finster, spannend und wird meiner Meinung nach ohne viel Schnickschnack sehr gut aufgelöst. Nebenbei bekommen wir einen Grundkurs in Pharmakologie und Psychologie. 

Die Umgebungsgestaltung hat mir ausnehmend gut gefallen. Das altehrwürdige Cambridge mit seinen seltsamen Ritualen, Studenten in College-Schals, Courts und Gärten, das alles mitzuliefern gelingt ihr sehr plastisch. So etwas habe ich zuletzt bei Val McDermid so lebendig erlebt.

Persönliche Meinung: 4**** (von 5 möglichen)

Punktabzug gibt es für entgangene Lesefreude, denn:
Verweise auf Vorgängerromane der Reihe sind eine Kunst. 

Man kann DEAD END im Grunde gut lesen, ohne die Vorgänger zu kennen. Die Geschichte ist komplett in sich abgeschlossen. Was mir das Lesevergnügen ein wenig vergällt hat, sind die ständigen Rückblenden und Bezugnahmen, vor allem auf den direkten Vorgänger und das Buch davor. 

Wir treffen hier auf alte Bekannte wie Dana Tulloch von den Shetlands, Harry Laycock und Evi Oliver aus Lancashire und Mark Joesbury. Diese vorzustellen und damit einen kurzen Abriss zu verbinden, woher man sich kennt, ist als Appetithappen auf den Rest der Reihe selbstverständlich angebracht. Nur wird es hier meiner Meinung nach überzogen. Ich habe genau diese beiden Bände nicht gelesen und aus den Klappentexten kombiniert mit den Bezügen in diesem Buch kann ich mir das auch komplett sparen. Das ist sehr schade. 

Insgesamt ein spannender Thriller, der einen wirklich packt, und obwohl ich die beiden letzten Bücher von Sharon Bolton nun nicht mehr lesen werde, bin ich gespannt auf das, was noch von ihr kommt.

DEAD END ist broschiert (432 Seiten) bei MANHATTAN in einer Übersetzung von Marie-Luise Bezzenberger  für 14,99 Euro erschienen.

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