Mittwoch, 12. Juni 2013

BUßESTUNDE - Das A-Team nimmt Abschied

Krimi-Rezension von Nora

Der zehnte Fall für die legendäre Stockholmer A-Gruppe: Ein verschwundener Geheimdienstchef und eine Serie sadistischer Morde an jungen Frauen - Arne Dahl lässt Böses mit Bösem vergelten und beschert seinen Lesern das überraschende Finale seiner vielfach preisgekrönten Serie.

Spätsommer in Stockholm, Sonntagnachmittag zwischen drei und vier: In dieser scheinbar friedvollen Zeit geschieht ein buchstäblich unsichtbares Verbrechen. Der schiere Zufall macht Lena Lindberg, ein Mitglied der A-Gruppe, zur ahnungslosen Zeugin. Während ihr Vorgesetzter Paul Hjelm den undankbaren Auftrag erhält, den verschwundenen Geheimdienstchef zu finden, stößt die A-Gruppe auf eine Serie sadistischer Morde an jungen Frauen.

Doch nicht allein die Tatsache, dass auch Hjelms Tochter Tova ins Visier des Täters gerät, ist der Grund für die außergewöhnlichen Mittel, zu denen die A-Gruppe greift (Verlags-Info)

Arne Dahl schrieb mit „Bußestunde“ den Abschlussroman um die A-Gruppe. Wie schon in vorangegangenen Teilen der Serie befasst sich die A-Gruppe zu Beginn mit mehreren Delikten mit internationalem Charakter. Kerstin Holm hat die Funktion der Chefin, Paul Hjelm arbeitet inzwischen nicht mehr für die Sondereinheit; er ist Chef der Stockholmer Abteilung der Sektion interne Ermittlungen.

So kommt es, dass die A-Gruppe zunächst in drei unterschiedlichen Verbrecherkreisen ermittelt, wobei diese sich teilweise überschneiden und schlussendlich zusammenschrumpfen. 

Durchgängig lässt Arne Dahl eine Art Endzeitstimmung spüren; auch das Team wirkt längst nicht mehr so homogen wie zu Beginn der Romanserie. Es hat eine zehnjährige Entwicklung durchlaufen was mit vielen Änderungen und Verlusten einherging. Insbesondere Kerstin Holm wirkte im Vergleich zu früheren Schilderungen eher blass und profillos auf mich.

Die aktuellen Fälle der A-Gruppe fand ich mittelmäßig spannend. Überwiegend geht es um einen Serienmörder, welcher sich Frauen, die an Anorexie (schwerwiegende Essstörung) leiden, als Ziel gesucht hat. Dabei liefert der Autor gute Einblicke in die „Szene“ der Frauen und Männer, welche ihre Anorexie immer weiter voran treiben. 

Mir als Nichtbetroffene war vieles neu und ich habe mich parallel zum Lesen etwas im Internet umgetan und festgestellt, dass dieser Punkt tatsächlich nicht der Autorenfantasie geschuldet ist, sondern wirklich der Wahrheit entspricht. Wer den Roman liest/hört wird diverse Recherchemöglichkeiten entdecken.

Viel interessanter, größer und aufregender fand ich allerdings das Verbrechen, den Fall, dem Paul Hjelm nachspürt. Meisterhafte Detektiv- und Spionagetechniken werden zielführend und sehr geschickt - und den Leser täuschend – eingesetzt, um den Kosmopoliten und Geheimdienstchef Tore Michaelis zu suchen. 

Im Verlauf von Hjelms Ermittlungen geht es unter anderem auch um ein uraltes Codierungsverfahren, fußend auf Kryptogrammen, das ich sehr spannend fand. Insgesamt bekam ich von Paul Hjelm ein deutlich klareres Bild, was sich mit meiner Erinnerung aus anderen Fällen deckte – im Gegensatz zu Kerstin Holm und anderen Ermittlern der A-Gruppe.

Wie bereits im ersten Fall „Misterioso“ und im Fall „Böses Blut“ nimmt er die Hauptrolle ein (Arne Dahl machte jeweils einen seiner Ermittler zur Hauptfigur).

Persönliche Meinung:
4,5 Sterne (von 5 möglichen)

Den Abschluss von „Bußestunde“ fand ich leider etwas lahm. Der Leser wird wie bereits früher im Hinblick auf den Täter zu durchschaubar getäuscht, so dass es ein vermeintlich rasantes Finale bei der A-Gruppe gibt. 

Etwas rührselig wird es auch und eigentlich bleibt es sogar offen, ob die A-Gruppe nun aufgelöst wird oder nicht beziehungsweise ob sie in anderer Form weiter ermitteln wird. Doch mit einem Blick auf Arne Dahls Romane „Gier“ und „Zorn“ erkennt man, dass einige Teammitglieder, darunter Paul Hjelm, Kerstin Holm und Arto Söderstedt, im neuen europäischen Ermittlerteam „Opcon-Gruppe“ weiter ermitteln werden.

Anmerken möchte ich noch, dass sowohl der Titel und das Cover als auch der Klappentext eher irreführend sind. Der Roman hat nichts mit Buße zu tun und die Verwicklung von Paul Hjelms Tochter ist ganz deutlich überzogen. Dieser Part ist im Roman ebenso schwunglos wie das Ende. Es wirkt, als wollte Dahl unbedingt noch eins draufsetzen, was – wenn es so wäre – missglückt ist.

Wer sämtliche Romane um Arne Dahls A-Gruppe gelesen hat, wird sich diesen sicher nicht entgehen lassen.  Als Abschluss lohnt er sich natürlich. Leser, die mit „Bußestunde“ das erste Mal in die Welt der internationalen Verbrechensbekämpfung aus Sicht der A-Gruppe eintauchen, wird auffallen, dass es viele Rückverweise auf ältere Fälle gibt, bis hin zu den Anfängen. Es ist nicht notwendig die Romane chronologisch zu lesen, doch würde ich es - wie bei anderen Serien auch - empfehlen. 

Zudem sollte man sich vom ersten Kapitel nicht irritieren lassen. Die Vogelperspektive führt die Ermittler ein und verliert sich etwa bei Seite 32.

BUßESTUNDE ist gebunden (464 Seiten) bei PIPER in einer Übersetzung von Wolfgang Butt für 19,95 Euro erschienen.

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