Montag, 6. Mai 2013

TOD IM ASEMWALD - Eine kranke Seele in einer imaginären Wahnwelt (Stuttgart-Krimi)

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

„An der Stelle der Arbeitsplatte, an der der Messerblock stand, machte sie halt. Der Anblick des massiven Messerblocks übte dieselbe beruhigende Wirkung auf sie aus, wie der Anblick des Fläschchens auf ein schreiendes Baby. 

Sie tastete ihn zärtlich mit beiden Händen ab, bis sie den Schlitz erfühlte, in dem das große Fleischmesser mit der stabilen Klinge steckte. Sie liebkoste den Griff, als wäre er aus pulsierendem Fleisch und Blut. 

Dann zog sie das Messer plötzlich mit einer geübten Bewegung heraus. Ihr Arm schoss mit einem scharfen Luftzug über ihren Kopf hinaus, wobei die stählerne Klinge im Mondlicht kalt aufblitzte, dann sauste ihr Arm mit dem Messer wieder nach unten.“ (Verlagsinfo)

Carin Chilvers Protagonistin Rita Volk ist in ihrem zweiten Fall persönlich betroffen, denn Phil Boormann gerät unter Verdacht, seine Kollegin Nicole ermordet zu haben. Phil ist eine höchst schillernde Figur: ein geborener Papua, der von einem deutschen Ehepaar adoptiert wurde, Model, Womanizer und ein langjähriger Freund Ritas, der er auch als Gelegenheitsermittler dann und wann unter die Arme greift.

Phil und Nicole sind gemeinsam in Stuttgart unterwegs und konsumieren im Laufe des Abends reichlich Alkohol. Zurück in Phils Wohnung wächst sich ein harmloser Wortwechsel zu einem heftigen Streit aus, in dessen Verlauf schließlich Nicole wutentbrannt aus der Wohnung stürmt. 

Am nächsten Morgen wird sie erstochen in der Tiefgarage neben ihrem geparkten Auto aufgefunden. Phil hat für den Tatzeitraum kein Alibi und gerät somit sehr schnell in den Fokus der Ermittlungen. Aber Rita Volk glaubt an seine Unschuld und beginnt mit ihren Ermittlungen in Phils Wohngebiet, dem Asemwald.

Persönliche Meinung: 4**** (von 5 möglichen)

Dieser Stadtteil im Süden Stuttgarts wird dominiert von hohen Wohnblocks, die in den sechziger Jahren erbaut wurden und mittlerweile etwas angejahrt wirken. 

Die Autorin schafft es, durch ihre genaue Beschreibung der Siedlung, den Charakter dieser doch eher trostlosen Umgebung zu ihren Lesern zu transportieren und vermittelt so eine äußere Tristesse, die gleichzeitig das Innere ihrer Bewohner wiederspiegelt - wobei Phil hier wirklich der aus der Reihe tanzende Paradiesvogel ist, denn fast alle Personen in Chilvers Kriminalroman sind in irgendeiner Weise beschädigt.

Sehr eindringlich erzählt sie die Geschichte im Wechsel aus der Sicht Rita Volks und der Perspektive des Täters, einer kranken Seele, die in einer imaginären Wahnwelt lebt und deren mörderische Besessenheit schließlich in einer tödlichen Katastrophe endet.

TOD IM ASEMWALD ist  broschiert (238 Seiten) bei Südwestbuch Stuttgart für 12,50 Euro erschienen

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