Freitag, 17. Mai 2013

SCHNEETREIBEN - Zum Verständnis sind Kenntnisse aus den Vorgängerromanen hilfreich

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Der Mann, dessen Leiche Hendrik Verhoeven und seine Kollegin Winnie Heller auf einem Friedhof im verschneiten Wiesbaden finden, starb einen grausamen Tod. Es ist ein ehemaliger Altenpfleger, der als "Todesengel" vor Jahren drei Patienten ins Jenseits beförderte. Und die Ermittler finden schnell heraus, dass der Mord an ihm weit mehr als bloße Vergeltung ist. 

Der ermordete Joachim Ackermann wurde gerade erst aus dem Gefängnis entlassen und hatte für den nächsten Tag ein One-Way-Ticket nach Kreta gebucht. Was also wollte er auf dem einsamen Waldfriedhof, der noch dazu in unmittelbarer Nähe zu einer noblen Seniorenresidenz liegt? (Verlagsinfo)

"Schneetreiben" ist der fünfte Band der Krimireihe mit dem ungleichen Ermittlerduo Winnie Heller und Hendrik Verhoeven. Und mehr noch als in den Vorgängerbüchern werden hier die persönlichen Befindlichkeiten der beiden Hauptfiguren im Detail betrachtet: Winnies Verhalten ihren Mitmenschen gegenüber ist, wie so oft, recht ruppig und geprägt von Misstrauen gegenüber allem und jedem, aber es gibt nun endlich auch immer wieder Situationen, in denen sie ihre "weiche" Seite offenbart. 

Hendrik hingegen gewinnt allmählich an Kontur, man nimmt ihn nicht mehr ausschließlich als "Langweiler" ohne Ecken und Kanten war, sondern erfährt auch etwas über die Schuldgefühle, die er sich herumträgt, weil er glaubt, falsch gehandelt zu haben.

Und hier setzt meine Kritik an: Silvia Roth nimmt weitaus stärker als in den letzten Teilen Bezug auf zurückliegende Ereignisse aus dem beruflichen und persönlichen Umfeld der beiden Ermittler, was einen Neueinstieg in die Serie fast unmöglich macht. 

Natürlich kann man diesen Kriminalroman "nur" an der Handlung entlang lesen, aber damit entgeht dem Leser eine wesentliche Stärke der Autorin, die hervorragende Arbeit leistet, was die Charakterisierung ihrer Personen angeht.

Persönliche Meinung: 4**** (von 5 möglichen)

Die Geschichte an sich ist etwas verworren und braucht entsprechend lange, bis sie in Fahrt kommt. Alte Kameraden, eine Geheimorganisation, krumme Geschäfte, kriminelle Transaktionen und Senioren - und erst ab der Mitte des Buches, wenn genügend Spuren ausgelegt sind und der Leser Ereignissen und Personen in Beziehung setzen kann, nimmt die Spannung zu und die Fäden werden verwoben.

SCHNEETREIBEN ist gebunden (510 Seiten) bei Hoffmann und Campe für 19,99 Euro erschienen.

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