Freitag, 3. Mai 2013

MARSHMALLOWS - Hochbrisantes Thema packend, aber dennoch sensibel erzählt

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Sie tasteten sich vorsichtig bis zum Rand des Abbruchs vor und ließen den Strahl ihrer Taschenlampen an der Abbruchkante entlang- und hinabgleiten. Als das Licht in dem dunklen Abriss ungefähr drei Meter tiefer ankam, sahen sie das kleine Mädchen. 

Es lag da, mit dem Gesicht nach unten, wie eine schlaffe Stoffpuppe, von einem spielmüden Kind achtlos weggeworfen. Auf ihrem Körper und verstreut um sie herum lagen Marshmallows, als hätte jemand die Brocken einzeln auf sie hinuntergeworfen. (Verlagsinfo)

Eigentlich mag ich keine regionalen Krimis und habe bisher auch außer den Georg Dengler-Politthrillern von Wolfgang Schorlau, die ich sehr schätze, noch keinen Kriminalroman gelesen, dessen Handlungsort Stuttgart ist. Aber nachdem „Marshmallows“ von Carin Chilvers, einer Autorin, die in Stuttgart lebt und arbeitet, in unserer Tageszeitung vorgestellt wurde und ich von ihr bisher noch nichts gelesen hatte, war mein Interesse geweckt.

„Marshmallows“ ist nach „150.000 in bar“ und „Tod im Asemwald“ der dritte Band der Reihe um die Privatdetektivin Rita Volk, Ex-Polizistin und eine selbstbewusste und hartnäckige Ermittlerin, die sich nicht so leicht ins Bockshorn jagen lässt. Ihr zur Seite steht Philip Boormann, Gelegenheitsmodel und Teilzeitdetektiv und eine schillernde Persönlichkeit.

Persönliche Meinung: 4**** (von 5 möglichen)

Die Geschichte, die Carin Chilvers erzählt, könnte ebenso in einer anderen Stadt spielen, denn das Schwäbische in ihrem Krimi beschränkt sich im Wesentlichen auf die zwar dezente, aber dennoch genaue Schilderung ihrer Stuttgarter Schauplätze. Sehr angenehm empfand ich den Verzicht auf mundartliche Dialoge, die viele Autoren einsetzen, um ein authentisches Flair zu schaffen. Wenn die Story gut geplottet ist – und das ist sie in diesem Fall – besteht absolut keine Veranlassung, dieses Stilmittel einzusetzen.

Zu Beginn dauert es zwar etwas, bis die Handlung in Gang kommt, aber dann steigt die Spannungskurve kontinuierlich an und der Leser möchte unbedingt wissen, in welcher Beziehung die einzelnen Personen zueinander stehen und wie sich dies auf die Auflösung des Falles auswirkt. Und die hat es wirklich in sich, sodass selbst ich, als abgebrühte Krimileserin, heftig schlucken musste.

Eine sympathische Ermittlerin und ein hochbrisantes Thema – packend, aber dennoch sensibel erzählt!

Anm. KK: Hier sind wir bewusst nicht auf das eigentliche, brisante Thema konkret eingegangen, da es auch die Auflösung des Krimi-Falles darstellt und wir niemandem die Lesefreude vorwegnehmen möchten.

MARSHMALLOWS ist broschiert (245 Seiten) bei Südwestbuch für 12,50 Euro erschienen.

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