Dienstag, 14. Mai 2013

KORNBLUMENBLAU - Hervorragend erzählter Krimi auf hohem sprachlichem Niveau

Krimi-Rezension von Nora

In der Nacht vom elften auf den zwölften Juli machen zwei Gardisten der serbischen Eliteeinheit ihren Routinerundgang auf dem Militärgelände von Topçider. Am nächsten Morgen werden sie tot aufgefunden. Sie seien einem unehrenhaften Selbstmordritual zum Opfer gefallen, behauptet das Militärgericht. Und stellt die Untersuchungen ein. 

Im Auftrag der Eltern der jungen Männer beginnt der Anwalt Sinisa Stojkovic zu ermitteln. Er bittet seine Freundin Milena Lukin, Spezialistin für internationales Strafrecht, um Unterstützung. Ihre Nachforschungen sind gewissen Kreisen ein Dorn im Auge, Milena Lukin gerät dabei in Lebensgefahr. Und es erhärtet sich ein fürchterlicher Verdacht: Die beiden Gardisten hatten vermutlich etwas gesehen, was sie nicht sehen durften. Hatte es mit dem Jahrestag des größten Massakers der europäischen Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg zu tun? 

Belgrad eine europäische Metropole, so nah und doch so fern. Unter der kundigen, atmosphärischen Führung von Milena Lukin erschließt sich nicht nur ein aufsehenerregendes Verbrechen, sondern eine faszinierende Stadt im Brennpunkt europäischer Geschichte. (Verlagsinfo)

„Kornblumenblau“ ist der Erstling des Autorenduos Christian Schünemann & Jelena Volic. Er liefert eine hervorragend erzählte Geschichte auf hohem sprachlichem Niveau, die auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 2004 beruht. Dabei liefert der Roman Einblicke in die gegenwärtige serbische Kultur und das Leben in Belgrad. 

Die Protagonistin Milena Lukin lebt mit ihrem Sohn und der Unterstützung ihrer Mutter in Belgrad, wohin sie nach einigen Jahren in Berlin, zurückkehrte. Nun ist Milena Lukin weder Kriminalbeamtin noch Detektivin: sie arbeitet als Spezialistin für internationales Strafrecht am Institut für Kriminalistik und Kriminologie, wo sie sich eigentlich mit der Strafverfolgung von Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien befasst. 

Rechtsanwalt Stojkovic betrachtet die abgeschlossenen Ermittlungen und die damit einhergehende Selbstmordtheorie des Militärregimes als Farce und bittet Milena um Unterstützung bei Recherchen zu den wahren Hintergründen des Todes der zwei Ehrengardisten. 

Dabei macht sie einen durchweg glaubhaften und sympathischen Eindruck. Sie ist mutig und selbstbewusst, zeichnet sich durch Hartnäckigkeit und eine gute Kombinationsgabe aus. Das braucht sie in diesem ihrem ersten Fall auch, denn sie wird in ihren Recherchen nicht nur durch das Militär behindert.

Interessant in diesem Zusammenhang: Kornblumenblau ist die Farbe der Uniformen der serbischen Ehrengarde, welche von den privilegierten Soldaten mit Stolz getragen werden.

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Schünemann und Volic vereinen in „Kornblumenblau“ zwei Genres: den belletristischen Kriminalroman und den politischen Roman. 

Dabei machen Sie dem Leser Appetit auf weitere Geschichten dieses außergewöhnlichen serbischen Ermittlerduos. Der Verlag hat den Roman „Kornblumenblau“ als „Auftakt zur ersten deutschsprachigen Krimiserie, die in Belgrad spielt“ angekündigt. 

Es bleibt abzuwarten, wie dies umgesetzt wird, da es sich – wie gesagt – nicht um Ermittler im klassischen Sinn handelt. 

KORNBLUMENBLAU ist gebunden (361 Seiten) im Diogenes Verlag für 19,90 Euro erschienen.

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