Freitag, 10. Mai 2013

GALGENFRIST FÜR EINEN TOTEN - Reise durch die Glasgower Unterwelt im Stil eines Tarantino-Films

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

1946. Der frühere Polizist Douglas Brodie kehrt in seine schottische Heimat zurück, gezeichnet und traumatisiert von den Kriegserlebnissen an der Front. Dort erreicht ihn ein Hilferuf: Hugh Donovan, ein Freund aus Kindertagen, sitzt im Gefängnis und wartet auf seine Hinrichtung. Ihm wird der Mord an einem kleinen Jungen vorgeworfen. 

Hugh beteuert seine Unschuld, aber die erdrückende Beweislast spricht gegen ihn. Gemeinsam mit der Anwältin Samantha stößt Brodie schnell auf Widersprüche. Nicht nur die Glasgower Unterwelt, auch Justiz, Polizei und sogar die Kirche versuchen ihre grausamen Geheimnisse zu verbergen. Und als weitere Leichen auftauchen, wird Brodie von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt. (Verlagsinfo)

"Galgenfrist für einen Toten" des "Scottish Noir" Autors Gordon Ferris erschien erstmals kurz vor Weihnachten 2012 als preiswertes ebook bei Amazon und entwickelt sich in kürzester Zeit zum absoluten Verkaufsschlager, der sogar Dan Brown und Stieg Larsson in der Kindle-Liste auf die Plätze verwies.

Handlungsort ist Glasgow, wir schreiben das Jahr 1946. Das Land erholt sich nur zögerlich von den Schrecken des Krieges. Es ist eine Zeit der Veränderung: das britische Empire bröckelt, die Wirtschaft liegt am Boden, die Städte sind zerstört, die Versorgung der Bevölkerung ist nicht gesichert.

Der Schwarzmarkt blüht und zwielichtigen Gestalten öffnen sich quer durch alle Bereiche Tür und Tor. Der Krieg hat tiefe Wunden geschlagen, sichtbare und unsichtbare. So auch bei Douglas Brodie, dem desillusionierten Heimkehrer, der sich in London als Gelegenheitsjournalist durchschlägt und im Alkohol Vergessen sucht.

Erst als ein Freund aus Jugendtagen, dem der Tod durch den Strang droht, ihn um Hilfe bittet, reißt er sich zusammen und fährt gen Norden, um dessen Unschuld zu beweisen. Und dann beginnt seine Reise durch die Glasgower Unterwelt, bei der ganz im Stil eines Tarantino-Films wütet.

Persönliche Meinung: 4**** (von 5 möglichen)

Den Lobeshymnen der englischen Presse kann ich mich allerdings nur bedingt anschließen, denn den Plot an sich finde ich nun nicht wirklich herausragend oder außergewöhnlich.

Womit der Autor allerdings punkten kann sind seine Figuren, die zwar nicht unbedingt sympathisch, dafür aber sehr authentisch wirken. Und dann ist da noch die eindrückliche Beschreibung der Nachkriegsatmosphäre in dieser geschundenen Stadt – der Leser spürt sowohl die Verzweiflung als auch die Hoffnung, die aus dem Zusammenhalt der Menschen entsteht.

„Galgenfrist für einen Toten“ ist der Auftakt der Douglas Brodie Reihe, im Original liegen mittlerweile drei Bände vor, der vierte ist offenbar in Arbeit - und ich werde die Reihe auf alle Fälle weiterverfolgen.

GALGENFRIST FÜR EINEN TOTEN ist broschiert (448 Seiten) im FESTA Verlag für 13,95 Euro erschienen.

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