Samstag, 27. April 2013

TAGE DES ZWEIFELS - Commissario Montalbano träumt von der Liebe

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Im Fahrwasser einer Luxusjacht wird ein namenloser Toter angespült. Die mondäne Schiffskapitänin wirkt ebenso mysteriös wie ihre Besatzung. Aber das ist nicht der einzige Grund, weshalb Commissario Montalbano so häufig am Hafen von Vigàta anzutreffen ist. 

Denn Salvo ist verliebt – und zwar in Laura, die Chefin der Hafenkommandatur. Doch wie sagt er's ihr? Wie sagt er es seiner Livia? Und wie soll er hinter das Geheimnis des Toten kommen, wenn alle Zeugen tun, als wären sie stumm wie die Fische? (Verlagsinfo)

Vierzehn Bände gibt es mittlerweile von der Montalbano-Reihe und es scheint, dass Andrea Camilleri seines Commissarios noch immer nicht müde ist. Knorrig und kauzig wie eh und je ermittelt Salvo Montalbano in "Die Tage des Zweifels" in einem Fall, in dem nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint: eine harmlose Studentin, die sich einer falschen Identität bedient, zwei Luxusjachten mit überspannten Eignern und ungewöhnlichen Crews, und ein unbekannter Toter, nackt und mit zertrümmertem Kopf an Land gespült, der vergiftet wurde.

Dazu der achtundfünfzigjährige Commissario, der sich nicht nur mit der Endlichkeit seines Lebens auseinandersetzt und resigniert die gesellschaftliche Zuständen seines Heimatlandes betrachtet, sondern auch noch mitten in einer Midlife Crisis steckt.

Aber Rettung naht, denn glücklicherweise macht er die Bekanntschaft der attraktiven Laura, mit Nachnamen - wie könnte es anders sein – Belladonna, der Hafenmeisterin, die ihm bei der Lösung des Falles unterstützt und Montalbano aus seiner depressiven Stimmung herausreißt und förmlich aufblühen lässt.

Gerade diesen Handlungsstrang hat Camilleri sehr überzeugend herausgearbeitet. Der ältere Mann, der plötzlich alles durch die rosarote Brille sieht und durch die Zuneigung zu der wesentlich jüngeren Frau auf Wolken schwebt und seine Umgebung durch sein Verhalten irritiert, gleichermaßen aber in Gewissenskonflikte gerät, weil es da ja noch immer Livia, seine Langzeitfreundin gibt.

Ganz wunderbar, wie er Montalbanos Verhalten schildert, das nicht nur den Leser, sondern auch seine Kollegen irritiert.

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Der Kriminalfall als solcher entwickelt sich, wie wir es von Camilleri kennen, eher langsam und bedächtig, endet aber in einem ungewohnt fulminanten und actionreichen Showdown, in dem Salvo noch einmal zeigt, dass er es jederzeit mit seinen jüngeren Kollegen aufnehmen kann.

Ein Nachsatz noch: mit Freude habe ich zur Kenntnis genommen, dass der Verlag sich von dem Übersetzer der letzten Montalbano-Krimis verabschiedet hat, denn das neue Team Rita Seuß und Walter Kögler hat meiner Meinung nach den launischen Tonfall Camilleris weitaus besser getroffen und mit der entsprechenden Wortwahl wiedergegeben.

TAGE DES ZWEIFELS ist gebunden (256 Seiten) bei Lübbe in einer Übersetzung von Rita Seuß und Walter Kögler für 19,99 Euro erschienen.

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