Mittwoch, 10. April 2013

GEZEITENGRAB - Typischer englischer Landhaus-Krimi mit forensischer Archäologin

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Am Fuße eines einsamen Kliffs in Norfolk werden bei Untersuchungen zur Küstenerosion Knochen gefunden. Die forensische Archäologin Dr. Ruth Galloway stellt fest: Sechs Menschen liegen an dieser unzugänglichen Stelle begraben, wahrscheinlich seit Jahrzehnten. 

Eine genaue Analyse ergibt: Die Männer waren Deutsche, wurden gefesselt und per Kopfschuss getötet. Ruth vermutet, dass die Leichen aus dem Zweiten Weltkrieg stammen. Opfer eines Kriegsverbrechens? Oder Täter? 

Zusammen mit DCI Harry Nelson begibt sie sich auf Spurensuche und findet heraus, dass eine Reihe von Anwohnern in den 40er Jahren Teil einer Heimwehr waren. Einer davon, ausgerechnet der Großvater von Nelsons Vorgesetztem, weigert sich, Auskunft über die Zeit zu geben, ein Blutschwur verbiete es ihm. (Verlagsinfo)

Nach "Totenpfad" und "Knochenhaus" ist "Gezeitengrab" der dritte Kriminalroman von Elly Griffiths aus der Reihe mit der forensischen Archäologin Dr. Ruth Galloway aus Norfolk. 

Ruth Galloway unterscheidet sich wohltuend von den durchtrainierten, toughen Superfrauen, die man sehr oft in diesem Genre geboten bekommt. Sie lebt in der Nähe der Salzmarschen in einem kleinen Cottage, hat eine Katze, ist schlecht organisiert, liest sehr gerne und viel, kämpft immer mit ihrem Gewicht und kann sehr gut mit sich alleine sein. 

Aber diese Zeiten sind nun vorbei, denn der One-Night-Stand mit Detective Harry Nelson hat ihr ein Töchterchen beschert. Und als alleinerziehende Mutter hat sie nicht nur mit permanentem Schlafentzug zu kämpfen, sondern muss auch immer wieder den Spagat zwischen Kind und Beruf schaffen.

Persönliche Meinung: 4**** (von 5 möglichen)

Obwohl das raue Küstenlandschaft Norfolks und die Salzmarschen den Hintergrund für diese Geschichte bilden, hat Griffiths einen typischen englischen Landhaus-Krimi geschrieben: sie schildert die Umgebung sehr plastisch, die Personen mit ihren verschiedenen privaten Sorgen und Nöten sind sehr gut charakterisiert, die Hauptfigur ist äußerst liebenswürdig - von der Art her durchaus Miss Marple vergleichbar, wenn diese in der Gegenwart ermitteln würde.

Die Krimihandlung an sich bietet nicht unbedingt Spannung, die zum Nägel beißen verleiten würde, aber ist durchaus solide und den historischen Hintergrund fand ich, gerade weil aus der Sicht einer britischen Autorin geschrieben, sehr interessant.

GEZEITENGRAB ist broschiert (400 Seiten) bei Wunderlich in einer Übersetzung von Tanja Handels für 14,95 Euro erschienen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.