Freitag, 19. April 2013

DER TOD KOMMT NACH PEMBERLEY - P.D. James versucht sich an Jane Austen. Vergeblich.


Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Im Jahr 1803, sechs Jahre nach der Hochzeit von Mr. Darcy und seiner Elizabeth, geht das Leben auf dem Herrensitz Pemberley seinen idyllischen Gang. Doch am Abend vor dem großen Herbstball wird die Vorfreude empfindlich gestört: Aus dem waldigen Teil des Pemberley-Parks bricht in rasender Fahrt eine Kutsche, darin eine völlig aufgelöste Lydia Wickham – Elizabeths missratene kleine Schwester –, die behauptet, ihr Mann sei ermordet worden! 

Nachdem die Damen in Sicherheit gebracht wurden, machen sich Mr. Darcy und sein Cousin in den Wald auf, um den Toten zu suchen. Was sie finden, ist ein lebender, blutverschmierter, verwirrter Wickham – und neben ihm eine Leiche. (Verlagsinfo)

Ein ambitioniertes Projekt, das sich die Grand Dame der englischen Kriminalliteratur hier vorgenommen hat, denn kein geringeres Werk als „Stolz und Vorurteil“ soll hier fortgeschrieben werden. In einer Umfrage der BBC im Jahr 2003 belegte Jane Austens Roman immerhin in Großbritannien den zweiten Platz nach Tolkiens „Herr der Ringe-Trilogie“. 

Da P.D. James offenbar nicht davon ausgeht, dass alle Leser ihrer Kriminalromane mit dem Werk Jane Austens vertraut sind, gibt es zu Beginn eine Zusammenfassung der literarischen Vorlage – einerseits nicht schlecht, denn so ist der Einstieg leichter, wenn man die Handlung von „Stolz und Vorurteil“ nicht parat hat, andererseits aber auch ermüdend für diejenigen die wissen, worum es geht.

Und auch in der Schilderung der nachfolgenden Ereignisse trifft die Autorin den Ton des Vorbildes recht gut, aber hier setzt dann auch meine Kritik an, denn das ist kein Krimi, was James hier abliefert, sondern eher eine Gesellschaftstudie. 

Da wird seitenweise monologisiert, langatmig das Procedere der Gerichtsbarkeit erläutert, Personen und deren Beziehungen bis ins Detail beschrieben – alles old fashioned and very british, aber eben kein spannender Kriminalroman.

Aber dennoch, Hut ab vor P. D. James und ihrem neuesten Werk, denn die Dame wird am 3. August 2013 sage und schreibe 93 Jahre alt und hat mir in ihrem langen Schriftstellerleben bereits viele spannende Lesestunden beschert - allerdings nicht mit ihrer Jane Austen-Adaption „Der Tod kommt nach Pemberley“ sondern mit Adam Dalgliesh, dem poetischen Polizisten.

DER TOD KOMMT NACH PEMBERLEY ist gebunden (384 Seiten) bei Droemer in einer Übersetzung von Michaela Grabinger für 19,99 Euro erschienen.

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