Montag, 29. April 2013

DER TIBETISCHE AGENT - Komplexer Tibet-Krimi, intelligent & aussergewöhnlich

Krimi-Rezension Elke Heid-Paulus

Mit seinem Freund und Lehrer Lokesh hilft Shan einem Mönch eine Gebetsstätte, die von Chinesen zerstört wurde, wieder aufzubauen. Doch plötzlich ergreift der Mönch eine Pistole und erschießt sich. Selbst der sonst so gelassene Lokesh ist entsetzt. 

Shan versucht herauszufinden, warum der Mönch sich getötet haben könnte. Und er stößt in einem Kloster auf drei weitere Tote: eine tibetische Nonne, einen Chinesen und einen dritten, den er später als deutschen Filmemacher identifiziert. 

Doch wie hängen diese Morde zusammen? Kann tatsächlich ein Mönch der Mörder sein? Shan begreift, dass nur die amerikanische Freundin des Filmemachers Auskunft geben kann, doch sie ist irgendwo im Hochland verschwunden. (Verlagsinfo)

Eliot Pattisons Tibet-Krimi mit Shan Tao Yun, einem in Ungnade gefallenen und deshalb nach Tibet verbannten chinesischen Ermittler, ist zum einen schon aufgrund des geografischen Settings sehr reizvoll, zum anderen sind natürlich gerade für einen westlichen Leser, der sich noch nicht eingehend mit der tibetischen Kultur beschäftigt hat, die in den Text eingearbeiteten Informationen zu Politik, Philosophie und Religion sehr interessant. 

Dazu kommt, dass der Autor eine ungewöhnliche Geschichte zu erzählen weiß, für die man sich aber Zeit nehmen sollte, damit auch die Zwischentöne erfasst werden.

Wenn man "Der tibetische Agent" mit den Vorgängerbänden vergleicht, stellt man fest, dass der amerikanische Autor mittlerweile deutlich Stellung gegen die Chinesen und deren Tibet-Politik bezieht. Verpackt in eine spannende Krimihandlung schildert er mit großen Emotionen die Not und die Unterdrückung des tibetischen Volkes.

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Der Leser muss sich auf dieses Buch einlassen, denn wegen der Vielzahl ungewohnter Namen dauert es etwas länger, bis man diese den handelnden Personen zuordnen kann. Aber hat man diese Hürde einmal genommen, taucht man in eine Geschichte ein, die weit mehr als ein Kriminalroman ist.

Eine komplexe Handlung, liebevoll ausgearbeitete Charaktere, die detaillierte Beschreibung tibetischer Traditionen (z. B. die Bedeutung der unterschiedlichen Gebetsfahnen) und immer wieder Verweise auf die Historie des Landes machen aus diesem Buch ein intelligentes und außergewöhnlich Leseerlebnis, das dazu animiert, sich ausführlicher über Tibet und die dortigen Zustände zu informieren.

DER TIBETISCHE AGENT ist gebunden (400 Seiten) bei Rütten & Loening in einer Übersetzung von Thomas Haufschild für 19,99 Euro erschienen.

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