Samstag, 13. April 2013

DER LETZTE TANGO DES SALVADOR ALLENDE - Atmosphärische Dichte mit kraftvoller Sprache

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Ein ehemaliger CIA-Agent fährt nach Chile, um dort den früheren Geliebten seiner Tochter zu finden. Das Tagebuch des Mannes, der in den letzten Monaten Salvador Allendes Koch und Freund war, soll ihn auf die Spur führen. 

Als am Morgen des 13. Septembers 1973 der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Augusto Pinochet, nicht auf seinen Anruf reagiert, ahnt Salvador Allende, dass seine Stunden als Präsident gezählt sind: Der Putsch steht bevor. 

Sein Koch und persönlicher Assistent, Rufino, hält die dramatischen Ereignisse in einem Tagebuch fest – und erzählt darin ihre gemeinsame Geschichte, von den abendlichen Gesprächen über das Leben, die Liebe und den Tango, von Allendes Liebschaften und den Sorgen um das Land. 

Jahrzehnte später gelangen diese Aufzeichnungen in die Hände von David Kurtz, einem ehemaligen CIA-Agenten. Wird es ihm mit ihrer Hilfe gelingen, den chilenischen Geliebten seiner Tochter aufzuspüren? (Verlagsinfo)

Mit äußerst gemischten Gefühlen bin ich an die Lektüre dieses Buches gegangen. Einerseits hat es mich als politisch interessierte Leserin sehr gereizt zu erfahren, wie der chilenische Autor Roberto Ampuero den Pinochet-Putsch und die Ermordung Allendes und damit das Sterben der Hoffnung nach sozialer Gerechtigkeit in seinem Heimatland literarisch umsetzt. 

Andererseits irritierte es mich, dass Ampuero die Geschichte ausgerechnet aus dem Blickwinkel des CIA-Agenten David Kurtz erzählt, da die USA und ihr Geheimdienst maßgeblich an der Finanzierung und Durchführung des Putsches und dem Aufbau der Militärdiktatur beteiligt waren.

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen)

Meine Vorbehalte erwiesen sich glücklicherweise als unbegründet, denn Ampuero erzählt eine stimmige und glaubhafte Geschichte voller Zeitkolorit, die uns mit nach Chile nimmt und in jeder Zeile die innere Zerrissenheit dieses Landes und seiner Menschen spüren lässt. 

Aber es sind nicht nur die Einzelschicksale, die betroffen machen, sondern auch das Aufzeigen der politischen Machenschaften, die schlussendlich zum Scheitern Allendes führen und das Land mit einer unbeschreiblichen Welle der Grausamkeiten überfluten. Und all das geschieht, weil die USA ihre wirtschaftlichen Interessen in Südamerika gefährdet sehen.

Das Buch setzt sich aus kurzen Kapiteln aus der Perspektive des CIA-Agenten und dem Tagebuch von Allendes Koch Rufino zusammen, denen jeweils Zeilen aus bekannten Pop-Songs bzw. Tangos vorangestellt sind, was Lesern, die Schwierigkeiten mit den Perspektivwechseln haben, deren Zuordnung erleichtern dürfte.

Mit „Der letzte Tango des Salvador Allende“ hat Roberto Ampuero einen zeitgeschichtlichen Roman geschrieben, der durch seine atmosphärische Dichte und seine kraftvolle Sprache besticht.

DER LETZTE TANGO DES SALVADOR ALLENDE ist gebunden (256 Seiten) bei Bloomsbury Berlin in einer Übersetzung von Carsten Regling für 18,99 Euro erschienen.

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