Dienstag, 23. April 2013

DAS ENDE DER WELT (Hörbuch) - "Die beste Ermittlerin der Welt" ist weder genial noch cool

Autorin: Sara Gran
Verlag: audiomedia
Auflage: März 2013
Sprecherin: Ulla Wagener
6 Audio CD mit 450 Min.
gekürzte Lesung
Preis: 16,99 Euro
Krimirezension: Nicole Glücklich
(Redaktionsmitglied Bakerstreet Chronicle)

„Das Ende der Welt“ ist der zweite Fall für Claire DeWitt, der angeblich „genial-coolen“ und „besten Ermittlerin der Welt“. Das liest sich zwar überaus nett auf dem Buchcover bzw. der CD-Hülle, aber wenn das genial, cool und das Beste ist, was die Welt zu bieten hat, sollten wir uns vielleicht eine neue Welt suchen.

Ich möchte vorausschicken, dass es sich bei meinem Rezensionsexemplar um die gekürzte Hörbuchfassung handelte. Gelesen wird diese Ausgabe von Ulla Wagener, die das auch wirklich sehr gut macht und allen Charakteren der Geschichte eine persönliche Note verleiht. Sie vermag es, Stimmungen und Gefühle sehr gut zu transportieren. Die 1968 geborene Frankfurterin arbeitet als Schauspielerin und Synchronsprecherin.

Normalerweise schicke ich meinen Rezensionen eine Kurzfassung des Inhalts voraus, doch leider kann ich mich nicht mehr genau daran erinnern, in welcher Reihenfolge die „beste Ermittlerin der Welt“ ihr Koks, Vicodin, Oxycodon, Valium und Co. konsumiert hat – das nimmt sie mir aber sicher nicht übel, denn sie kann sich auch die halbe Zeit über nicht daran erinnern, was sie gerade getan hat. 

Einen solch kaputten Charakter wie Claire DeWitt als „genial-cool“ anzupreisen, halte ich von Seiten des Verlags für überaus bedenklich. Eine Frau, die sich durch alle Betten schläft, um am nächsten Morgen den Medizinschrank ihrer Eroberungen zu plündern und sich zuzudröhnen, ist meiner Meinung nach von cool so weit entfernt wie Nordkorea von der Demokratie. 

Und auch unter „genial“ verstehe ich etwas anderes – die Geschichte ist so durchsichtig, dass jedem, der mehr als einen Krimi in seinem Leben gelesen hat, sofort klar sein muss, wer der Täter ist. Die restlichen Handlungsstränge werden lieblos, unzureichend oder gar nicht aufgeklärt. Man muss wohl eine Fortsetzung fürchten.

Während des Hörens der Geschichte schwankte ich ständig, ob es sich dabei um eine geniale Parodie auf das Genre oder einfach einen schlechten Krimi handelt. Da mir die Pointe irgendwie entgangen ist, entscheide ich für mich persönlich für letzteres. 

Ich hätte der Autorin durchaus noch Respekt gezollt, wenn eine ihrer unzähligen Skurrilitäten der Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruhte. Wie zum Beispiel „Détéction“ von Jacques Silette. Doch leider ist auch er nur ein weiteres Hirngespinst von Gran und reiht sich damit in die Folge unglaubwürdiger Figuren, zufälliger Ereignisse und esoterischer Begebenheiten ein. 

Wo in diesem Fall die Detektivarbeit steckte, ist mir genauso ein Rätsel, das nicht einmal der rote Detektiv, der im Wald von Oakland sein einsiedlerhaftes Leben fristet und DeWitt delphische Ratschläge gibt, klären kann wie die Tatsache, dass die Autorin bereits mehrere Preise für ihre Claire-DeWitt-Reihe gewonnen hat, darunter den Deutschen Krimi Preis 2013.

Ulla Wagener hat wirklich gute Arbeit geleistet und das Beste aus der Geschichte gemacht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.