Montag, 1. April 2013

DAS DORF DER MÖRDER (Buch) - Unglaublich spannend, intelligent & auf hohem sprachlichen Niveau

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Ein grausamer Mord ereignet sich im Berliner Tierpark. Eine der Ersten, die am Tatort eintrifft, ist die junge Streifenpolizistin Sanela Beara: ehrgeizig, voller Tatendrang und entschlossen, dem Fall auch gegen den Willen ihres Vorgesetzten auf den Grund zu gehen. Denn die Schuldige ist schnell gefasst – zu schnell, wie Sanela glaubt. Während der Öffentlichkeit die geständige Mörderin Charlie Rubin präsentiert wird, hat Beara Zweifel. Zweifel, die auch den Psychologen Jeremy Saaler plagen, der ein Gutachten über Charlies Zurechnungsfähigkeit erstellen soll. 

Unabhängig voneinander haben beide den gleichen Verdacht: Der Mord im Tierpark hängt mit Charlies Kindheit in einem kleinen Dorf in Brandenburg zusammen. Ein dunkles, mörderisches Rätsel lockt sie nach Wendisch Bruch – direkt ins Visier eines Gegners, der die Totenruhe im Dorf um jeden Preis bewahren will. (Verlagsinfo)

Ein gruseliger Prolog aus der Sicht eines Hundes und niedliche Pekari-Schweine, die einen Mann zerfleischen, das ist der Beginn, der Geschichte, die uns Elisabeth Herrmann erzählt und die schließlich in einem Dorf in Brandenburg endet, in dem unvorstellbare Dinge geschehen sind. Spannend von Beginn an verdichten sich die eingestreuten Hinweise und die leisen Ahnungen des Lesers im Laufe der Handlung, bis sich am Ende die Vermutungen zwar bestätigen, die Dimension des Verbrechens aber umso abscheulicher ist.

Wobei ich gestehen muss, dass ich die beiden Protagonisten, die junge Streifenpolizistin aus Ex-Jugoslawien, Sanela Beara, die beharrlich und verbissen weiterermittelt, sowie den Psychologen Jeremy Saaler, dessen problematische Vaterbeziehung ihn immer wieder antreibt, fast noch interessanter als die reine Krimihandlung fand.

In der Charakterisierung der Personen und in der Schilderung dieses trostlosen brandenburgischen Dorfes liegt die große Stärke dieses Buches, denn dadurch scheint dem Leser das Geschehene absolut plausibel und unausweichlich.

Persönliche Meinung: ohne Frage 5***** (von 5 möglichen)

Elisabeth Herrmann hat keinen Regio-Krimi geschrieben, denn ob Brandenburg oder Bayerischer Wald, die Ereignisse könnten sich so hier wie dort abgespielt haben. 

Der Plot trägt sich und benötigt keine ausschweifenden Landschaftsbeschreibungen, die lediglich die Seiten füllen, keine dümmlichen Dialoge und keine diskriminierenden Stammtisch-Witze, die doch sehr häufig in diesen Krimis zu finden sind.

Die Autorin schreibt unglaublich spannend, intelligent und auf hohem sprachlichen Niveau – eine absolute Ausnahmeerscheinung auf dem deutschen Krimimarkt!

DAS DORF DER MÖRDER ist gebunden (480 Seiten) bei Goldmann für 19,99 Euro erschienen.
Auch das Hörbuch DAS DORF DER MÖRDER hat uns vollends überzeugt (Zur Rezension)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.