Dienstag, 19. März 2013

ZORN (Buch & Hörbuch) - Schuld, Sühne, Rache & der Traum von einer gerechten Gesellschaft




Krimi-Rezension
von Elke Heid-Paulus



Ein renommierter plastischer Chirurg wird erhängt in seinem Haus gefunden. In einer Stockholmer Kneipe stirbt ein albanischer Waffenhändler zusammen mit vier anderen im Kugelhagel eines kühl agierenden Killers. 

Und auf der ehemaligen italienischen Gefangeneninsel Capraia findet ein hochrangiger Politiker den Tod. Die international ermittelnde Opcop-Gruppe soll das schier Unmögliche möglich machen und die Zusammenhänge zwischen diesen Morden aufdecken – sie stößt auf zwei parallele Serienmörder. (Verlagsinfo)

„Zorn“ ist nach „Gier“ der zweite Band des geplanten Thriller-Quartetts, in dessen Mittelpunkt das Opcop-Team steht. Unter der Leitung von Paul Hjelm, einem alten Bekannten aus den Krimis mit der schwedischen A-Gruppe, ermittelt eine Sondereinheit, deren Mitglieder besonders qualifiziert sind und aus verschiedenen europäischen Ländern kommen. Und das scheint im Zuge der Globalisierung auch notwendig, vor allem jetzt, wo die Grenzen durchlässig und die Verbrechen international sind.

Üblicherweise reicht ein Serienmörder für einen spannenden Handlungsverlauf, aber in „Zorn“ bekommen es die Opcops gleich mit zwei Killern zu tun, die sich völlig unabhängig voneinander scheinbar wahllos ihre Opfer aussuchen und auf sehr ungewöhnliche Weise töten. 

Aber Dahl wäre nicht der Autor, der er ist, wenn er sich mit dem bloßen Beschreiben von Grausamkeiten zufrieden geben würde, dem lediglich die Lust am Töten zugrunde liegt, wie es so viele seiner schreibenden Kollegen tun.

Ein lange zurückliegendes Verbrechen, Schuld und Sühne, Rache, aber auch Mitgefühl, Menschlichkeit und der Traum von einer gerechten Gesellschaft – darum geht es in diesem Buch. Themen, die man so nicht unbedingt in einem Thriller erwartet. Und gerade das macht die Einzigartigkeit dieses intelligenten Autors aus.

Wohldosierte Rückblenden erschließen nach und nach die Motivation der Mörder, zu deren Ergreifung das Opcop-Team einmal mehr in allen Himmelsrichtungen und auf allen Kontinenten unterwegs ist.

Das Hörbuch wird kapitelweise von verschiedenen Sprechern gelesen, deren Qualität sehr unterschiedlich ist. 

Auffallend waren die dünnen Stimmchen, sehr seltsame Sprechpausen und merkwürdige Betonungen, das hat mir stellenweise das Hören fast schon verleidet. Was mir hier fehlte, war eine Stimme mit Charakter und ich hätte mir gewünscht, dass man sich auf einen einzigen „Vorleser“ beschränkt hätte. 

Dass unterschiedliche Perspektiven, Rückblenden etc. auch von nur einem Sprecher überzeugend interpretiert und akzentuiert gelesen werden können, beweist z.B. Dietmar Wunder immer wieder.

Deshalb werde ich meine Bewertung auch splitten.
Für das Buch, die literarische Vorlage gibt es 4**** (von 5 möglichen)
für das Hörbuch:  3*** (von 5 möglichen)

Das Taschenbuch (broschiert) ZORN (496 Seiten) ist bei PIPER in einer Übersetzung von Antje Rieck-Blankenburg für 16,99 Euro erschienen.

Das Hörbuch ZORN (7 Audio CD mit 530 Minuten) wird (gekürzt) gelesen von Wolfram Koch, Sebastian Rudolph, Kornelia Boje, Matthias Leja und ist bei OSTERWOLD Audio für 19,99 Euro erschienen.

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