Freitag, 1. März 2013

RAYLAN - Elmore Leonard porträtiert mit viel Sympathie & Humor die Bewohner Kentuckys

Krimi-Rezension von Elke Heid-Paulus

Raylan Givens ist ein Top-Ermittler im U.S. Marshall Service, wenn auch einer, der nicht davor zurückschreckt, zur Waffe zu greifen – und sie auch effektiv zum Einsatz zu bringen. Dass er damit Strafverfahren schneller abschließt, als sie eröffnet werden können, bringt Raylan nicht nur Freunde ein. 

Deshalb ermittelt er nicht mehr im sonnigen Florida, sondern in der trostlosen Einöde von Kentucky. Hier in Raylans Heimatstadt Harlan schlug einmal das Kohleherz Amerikas, heute ist der Ort nur noch ein Umschlagplatz für Drogen. 

Doch auch der Drogenmarkt droht zu kippen, sodass zwei findige Dope-Dealer beschließen, auf menschliche Ersatzteile umzusteigen. Als Raylan den beiden auf die Schliche kommt, findet er sich plötzlich in der Rolle des unfreiwilligen Organspenders wieder. (Verlagsinfo)

Altmeister Elmore Leonard hat wieder zugeschlagen und beweist, dass er sein Metier noch immer beherrscht. 

Vor kurzem habe ich hier "Irgendwann gibt jeder auf" besprochen, und Marshall Raylan Givens, Elmore Leonards Protagonist in dem gleichnamigen Thriller, ist aus dem gleichen Holz geschnitzt wie Richard Starks Hauptfigur Parker.

Givens wird dem einen oder anderen Leser aus der TV-Serie "Justified" bekannt sein, einer gelungenen Adaption der literarischen Vorlage. Ein cooler Typ mit eigener Moral (wobei die Betonung hier auf "eigener" liegt) und genauen Vorstellungen von Recht und Ordnung, wobei für ihn schlussendlich nur das Ergebnis zählt und der Weg dahin durchaus recht unkonventionell sein kann, konsequent hingegen ist er allemal.

Der Klappentext ist irreführend, denn der Thriller setzt sich eigentlich aus drei verschiedenen Geschichten zusammen: Da ist einmal der Dope-Dealer, der in einer Badewanne erwacht und feststellt, dass ihm seine Nieren entfernt wurden. 

Wenig später werden sie ihm für einen sechsstelligen Betrag zum Rückkauf angeboten. Im Mittelpunkt des zweiten Handlungsstranges steht der Mord an einem ehemaligen Arbeiter der ortsansässigen Minengesellschaft, und Teil drei dreht sich um Glücksspiel, Bankraub und eine vermisste Person.

Persönliche Meinung: 5***** (von 5 möglichen) 

Leonard führt die verschiedenen Handlungsstränge äußerst gekonnt zusammen, und alle offenen Fragen lösen sich am Ende dieser spannenden Geschichte in Wohlgefallen auf.

Die große Stärke des Buches ist aber meiner Meinung nach der regionale Aspekt, Harlan County, tiefste Provinz in dem einst prosperierenden Kohlerevier Kentuckys, und dessen Bewohner, die sich einen feuchten Kehricht um geltende Gesetze scheren und mit allerhand krummen Geschäften ihren Lebensunterhalt sichern. 

Der Autor macht keine moralischen Wertungen, sondern porträtiert mit viel Sympathie und trockenem Humor, die Bewohner dieses Landstrichs. Und solche Regio-Krimis mag sogar ich!

Dieser Thriller liegt weit über dem Durchschnitt und hebt sich aus der Masse der Neuerscheinungen hervor - ganz eindeutig "a diamond in the rough"!

RAYLAN ist gebunden (308 Seiten ) im Suhrkamp Verlag für 19,95 Euro erschienen.

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