Samstag, 16. März 2013

HÖLLENTAL - Namens-Irrungen und -Wirrungen mit lauem Plot von Andreas Winkelmann

Krimi-Rezension von Dani Nimz

Die Angst treibt sie in einen einsamen Tod – und ihr letzter Blick schickt einen Mann auf die Suche nach dem Mörder ...

Im ersten Schnee des Winters steht eine junge Frau auf einer Eisenbrücke hoch über der Höllentalklamm. Sie ist fest entschlossen, sich in die Tiefe zu stürzen. Roman Jäger, Mitglied der Bergwacht, versucht noch sie aufzuhalten, doch vergeblich. 

Was ihm bleibt, ist ihr letzter Blick – ein Blick voll entsetzlicher Angst, der ihn bis in seine Träume verfolgt. Er macht sich daran, die Hintergründe dieses Selbstmords herauszufinden. Und stößt auf ein schreckliches Geheimnis, das sein Leben für immer verändern wird ... (Verlagsinfo)

HÖLLENTAL verfügt über einen vielversprechenden Anfang, interessante Charaktere, wird zum Splatterroman und endet hochspannend, wenn auch abrupt. Mir fehlte hier allerdings die Schlüssigkeit der Story. 

Ich bin mir nicht sicher, ob wir hier eine sog. Trunknovel (Anm. KK: älteres Manuskript aus "der Schublade") vorliegen haben, oder ob der Autor sich im Stilmixen übt. Ich habe schon früher geradezu meisterhafte Thriller (z.B. Bleicher Tod / Wassermanns Zorn / Blinder Instinkt) von Andreas Winkelmann gelesen, die sich durch einen geradlinigen Stil, in sich schlüssigen Plot und eine gute Portion Spannung und hohes Tempo auszeichneten.

Die meisten der Figuren im Höllental sind gut gezeichnet, der Plot allerdings schlicht, überhastet und nicht wirklich überzeugend. Ab etwa der Mitte zieht der Autor das Tempo an, jagt dann endlich mit atemberaubender Geschwindigkeit blutverspritzend durchs Gebirge - Leichen pflastern seinen Weg. Ein Mehr an Blut jedoch bedeutet keinesfalls ein Mehr an Qualität. 

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, auch aus der des Täters, die in Kursivschrift gehalten ist. Spannung kommt im Höllental langsam auf, man merkt eigentlich recht schnell, worauf es hinausläuft und ist fast ein wenig enttäuscht, dass die Story sich dann tatsächlich auch so auflöst.

Mir ist es nicht wirklich gelungen, mich in das Seelenleben des Täters hineinzudenken, seine Motivation zu verstehen, was auch an der mit 348 Seiten recht kurzen Geschichte liegen mag.

Es trägt zum Lesevergnügen auch nicht unbedingt bei, dass man sich offenbar nicht einig war, wie der Name des Vaters der jungen Frau lauten sollte. Mal heißt er Friedrich, mal Friedhelm. Auch hat der Klappentextgestalter das Buch wohl eher nicht gelesen, denn der „erste Schnee des Winters“ fällt in den Alpen ganz sicher nicht erst im Dezember.

Ich vergebe daher sehr schweren Herzens nur
3*** (von 5 möglichen)

Wassermanns Zorn ist erst im letzten August erschienen. Ein grandioser Thriller. Nach gerade einmal einem halben Jahr nun folgt das deutlich kürzere HÖLLENTAL und für Oktober angekündigt ist schon das scheinbar noch kürzere neue Werk, Der Gesang des Blutes.

Lieber Herr Winkelmann, nehmen Sie sich bitte alle Zeit, die Sie brauchen, um ein gutes Buch zu schreiben. Bitte beeilen Sie sich nicht. Wir warten lieber ein paar Monate länger und haben dann ein wirklich ausgereiftes Buch in bewährter Winkelmann-Qualität auf dem Nachttisch als eines mit Namens-Irrungen und –Wirrungen und lauem Plot.

HÖLLENTAL ist als Taschenbuch (352 Seiten) im Goldmann Verlag für 8,99 Euro erschienen.

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