Dienstag, 5. März 2013

DIE VERSTUMMTEN erzählt leider auch den Vorgänger "Die Gesichtslosen" noch einmal mit

Krimi-Rezension von Dani Nimz

Die Rechtsmedizinerin Carina Kyreleis entgeht nur knapp einem Unfall. Im letzten Augenblick kann sie dem jugendlichen Geisterfahrer ausweichen. Als sie wenig später dessen Eltern benachrichtigen will, findet sie das Ehepaar tot auf – in bizarrer Hochzeitstracht gemeinsam auf dem Ehebett liegend. Carinas Vater, Kriminalhauptkommissar Matte Kyreleis, übernimmt die Ermittlungen. 

Zunächst deutet alles auf Selbstmord hin, doch zunehmend gerät der junge Geisterfahrer in Verdacht. (Verlagsinfo)

Nach dem grandiosen Erstling  „Die Gesichtslosen“ aus dem letzten Jahr ist es für mich bei den „Verstummten“ von Stephanie Fey nur Liebe auf den zweiten, wenn nicht gar dritten Blick. 

Das Buch beginnt mit einer viel zu breit eingearbeiteten Nachbereitung des ersten Bandes. Wer diesen zweiten Band aus der Kyreleis-Reihe als erstes liest, wird möglicherweise enttäuscht sein, dass er den ersten Band gleich miterzählt bekommt – das Ende eingeschlossen.

2 in 1 ist zwar im Trend, aber nicht immer wünschenswert. Ich verstehe die Intention dahinter, das komplizierte Familienleben der Hauptprotagonistin nach einem Jahr noch einmal ins Gedächtnis zurückzurufen, um darauf aufzubauen, aber ich war doch anfangs enttäuscht, dass ich die gleiche Geschichte wieder erzählt bekomme, inklusive Ost-West-Spionage, vermutlich gestellter RAF-Anschläge, BKA und der Erschaffung neuer Identitäten.

Ich frage mich hierbei auch Folgendes: Wenn sich jemand aus einer Undercover-Attentäter-Gruppe des BKA auf eigene Faust herauslöst, ohne Unterstützung übergeordneter Hierarchien, wie kommt dieser Jemand ganz allein und klammheimlich an neue Papiere mit neuer Identität, die ihm erlauben, legal zu heiraten?

Persönliche Meinung: 4**** (von 5 möglichen)

Das Familienleben der Kyreleis nimmt, wie oben schon geschildert, breiten Raum ein. Der Krimiteil an sich ist recht vielschichtig.

Es gibt verschiedene Zeitebenen, verschiedene Perspektiven, Fährten in die eine oder andere Richtung, die alle am Ende sehr gut, wenn auch mit für meinen Geschmack zu vielen Zufälligkeiten, miteinander verbunden werden - München ist eine Großstadt, ich kann mir nicht vorstellen, dass sich dort die Lebenswege der Menschen so häufig kreuzen!

Trotzdem ist es dieses letzte Drittel, das für mich den Clou des Buches ausmacht. Hier bekommt alles, was sich vorher so sperrig liest, einen Sinn, das Ergebnis ist ein ausgewogener Krimi. Einen Thriller würde ich jetzt nicht sagen, aber ein solider und letztendlich auch spannender Krimi. 

Das Nachwort macht deutlich, dass der Autorin auch ein anderes, in der Story eher am Rande behandeltes Thema am Herzen liegt, das Shaken Baby Syndrome. Sie schildert recht eindrucksvoll, welch gravierende Schäden selbst leichtes Schütteln eines Babys verursachen kann. Ich wünsche mir, dass ihre Leser nicht mit dem Ende des Krimis das Buch weglegen, sondern noch ein bisschen weiterblättern.

DIE VERSTUMMTEN ist als Taschenbuch (432 Seiten) bei Heyne für 8,99 Euro erschienen

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